Diplomarbeit, 2005
102 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Geschlechtertheorie
2.2 Geschlechterrollen und Weiblichkeit in der Literaturtheorie
2.3 Der soziokulturelle Hintergrund
2.3.1 Die marokkanische Gesellschaft
2.3.2 Die islamische Frau in Marokko
2.3.3 Die Berberin
2.3.4 Die Situation der maghrebinischen Einwanderer in Frankreich
2.3.5 Die marokkanische Frau in Frankreich
2.4 Islam und Moderne im Dialog - von Stereotypen zu Dialogen
3. Der Autor und die berücksichtigten Werke
3.1 Kurzbiografie Tahar Ben Jelloun
3.2 Harrouda
3.3 Les Yeux baissés
3.4 L'Enfant de sable und La Nuit sacrée
4. Textanalyse
4.1 Die Frauengestalten der vier Romane
4.1.1 Die Darstellung der traditionellen Frauengestalten
4.1.1.1 Die Mutter und Ehefrau
4.1.1.2 Die Tochter
4.1.2 Die Darstellung unangepasster Frauengestalten
4.1.2.1 Zahra zwischen Mann und Frau
4.1.2.2 Fathma, die Immigrantin
4.1.2.3 Weitere unangepasste Frauenfiguren
4.2 Die Bedeutung der Traumerzählungen
4.3 Das Patriarchat bei Tahar Ben Jelloun
4.4 Einflüsse auf die Sichtweise des Autors auf Frau und Gesellschaft
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Frauengestalten in vier ausgewählten Romanen von Tahar Ben Jelloun (L'Enfant de sable, La Nuit sacrée, Les Yeux baissés und Harrouda), um zu analysieren, wie der Autor die spezifischen Konflikte maghrebinischer Frauen im Spannungsfeld zwischen islamischer Tradition und westlicher Moderne literarisch thematisiert und bewertet.
Die Frauengestalten der vier Romane
Im Folgenden soll die Figur der Mutter und Ehefrau in den relevanten Romanen Ben Jellouns hinsichtlich ihrer vom Autor gegebenen Eigenschaften und Aufgaben für die Handlung der Werke untersucht und diskutiert werden. Dabei sollen die Analyse und ein Vergleich mit der realen Situation von Müttern und Ehefrauen in und aus Marokko einen Interpretationsansatz für die Intention des Autors ermöglichen. Da die Mutter im Roman Harrouda prototypisch für Ben Jellouns Darstellung der traditionellen Frauenfiguren ist, erfolgt hier eine eingehendere Portraitierung.
Harrouda ist Tahar Ben Jellouns Mutter gewidmet, deren traditionelle Lebensgeschichte in einem Kapitel in der Mitte des Romans wiedergegeben wird. Im Nachwort schreibt er dazu, "l'entretien avec ma mère n'est pas imaginare." Die prise de parole einer Frau ist im traditionell-islamischen Kontext eher ungewöhnlich, aber genau das ist Ben Jellouns Ansinnen: Es sollen genau die Themen zur Sprache kommen, über die man in der islamischen Gesellschaft sonst nicht redet, weil es die Religion oder das heilige Buch, der Koran, verbiete: "Chaque société a un écran où apparaissent les signes autorisés. Tout ce qui est en dehors de ces signes est condamné. Pour notre société l'ensemble de ces signes est un Livre." Mit dieser Aussage im Nachwort streicht Ben Jelloun den Widerspruch, den die Mutter empfindet, heraus: Obwohl man ihr immer von den Worten Mohammeds gesprochen hat, dass es in der Religion keine Schande sei "à parler de certaines choses", erlaubt ihr die Gesellschaft als Frau nicht, das Wort zu ergreifen, denn das Wort zu wagen "c'était déjà exister, devenir une personne!"
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die kulturellen und politischen Konflikte zwischen Orient und Okzident ein und begründet das Interesse des Autors Tahar Ben Jelloun an der Rolle der maghrebinischen Frau in seinen Werken.
2. Grundlagen: Hier werden geschlechtertheoretische Ansätze, der soziokulturelle Hintergrund Marokkos sowie die Migrationssituation in Frankreich als Basis für die folgende Textanalyse erarbeitet.
3. Der Autor und die berücksichtigten Werke: Dieses Kapitel liefert eine Kurzbiografie von Tahar Ben Jelloun und gibt einen Überblick über die vier ausgewählten Primärtexte.
4. Textanalyse: Das Hauptkapitel untersucht detailliert die verschiedenen Frauengestalten in Ben Jellouns Romanen, die Bedeutung von Träumen, die Rolle des Patriarchats und die Einflüsse auf die Sichtweise des Autors.
5. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel resümiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Bedeutung von Ben Jellouns Werk als Gesellschaftskritik, die zur Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau auffordert.
Tahar Ben Jelloun, Maghreb, Immigration, Frauenrolle, Gender Studies, Islam, Tradition, Moderne, Patriarchat, Identitätssuche, Frankophone Literatur, Emanzipation, Marokko, Diaspora, Literaturanalyse.
Die Arbeit analysiert, wie Tahar Ben Jelloun in seinen Romanen das Leben und die Identitätssuche maghrebinischer Frauen im Kontext von islamischer Tradition und westlicher Lebenswelt darstellt.
Die zentralen Themen sind die Rolle der Frau zwischen Tradition und Emanzipation, die Auswirkungen der Immigration auf die Identität, der Einfluss des Patriarchats sowie die kritische Reflexion gesellschaftlicher Normen.
Das Ziel ist es, neue Interpretationsansätze für Ben Jellouns Werk aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wie der Autor durch die Darstellung seiner Protagonistinnen einen Diskurs über gesellschaftliche Missstände anregt.
Es werden Ansätze der Gender-orientierten Narratologie, Figurencharakterisierung nach Ralf Schneider sowie soziokulturelle Analysen auf Basis der Sekundärliteratur verwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Frauengestalten, die Bedeutung von Traumerzählungen als Ausdruck unbewusster Prozesse, das Patriarchat und die Einflüsse auf die Perspektive des Autors selbst.
Wichtige Begriffe sind Migration, islamische Tradition, Emanzipation, Identitätskonflikte, Patriarchat und frankophone Literatur.
Die Mutterfigur in Harrouda dient als prototypische Darstellung der traditionellen, unterdrückten Frau, deren "prise de parole" (Wortergreifung) den Widerspruch zwischen gesellschaftlichem Verbot und individuellem Wunsch nach Freiheit unterstreicht.
Das Exil bzw. die Immigration nach Frankreich führt bei den Protagonistinnen oft zu einer kulturellen Entwurzelung und einem Identitätskonflikt, da sie sich weder vollständig in der Heimat noch in der neuen westlichen Welt zugehörig fühlen.
Diese Motive fungieren als Unterdrückungsmechanismen der Gesellschaft, um Frauen, die von traditionellen Normen abweichen, zu stigmatisieren und auszugrenzen.
Die wirre Schlussszene in La Nuit sacrée unterstreicht die traumartige Identitätssuche der Protagonistin und lässt die Frage offen, ob ein Ausbruch aus den gesellschaftlichen Rollenbildern für sie in der Realität überhaupt möglich ist.
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