Masterarbeit, 2007
55 Seiten, Note: 1,7
Politik - Allgemeines und Theorien zur Internationalen Politik
1 Einleitung
2 Das staatliche Gewaltmonopol: Entstehung und Bedeutung
2.1 Staat und Gewaltmonopol als Phänomen der Neuzeit
2.2 Gewaltmonopol und Staat historisch
2.3 Die Theorie des Gewaltmonopols
2.4 Grenzen der Übertragbarkeit: Die Kompetenz-Kompetenz
3 Moderne Militärdienstleister
3.1 PMS – Annäherung und Versuch einer Systematisierung
3.2 Unterscheidung zwischen „Contractor“ und Söldner
3.3 Unterscheidung PMS und staatliches Militär
3.4 Der Aufstieg der modernen Kriegs-AG
3.5 Beispiele für PMS und ihren Einsatz: Executive Outcome und MPRI
4 PMS – Gefahr oder Chance?
4.1 Vorteile durch den Einsatz von PMS
4.2 Nachteil: Abhängigkeit und der Verlust von Know-How
4.3 Interessenkonflikte: Das Problem der Kontrolle von PMS im Einsatz
4.4 Die Möglichkeit des Vertragsbruchs
4.5 Strong States, Weak States und die bloße Existenz von PMS als Risikofaktor
5 Zusammenfassung und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern private Militärdienstleister (PMS) das staatliche Gewaltmonopol gefährden und ob deren Einsatz für den modernen Staat ein Risiko oder eine strategische Chance darstellt.
1 Einleitung
Als erstes sieht man die jubelnden Iraker, erst dann fällt der Blick auf die zwei Leichen, die mit Seilen an den Metallverstrebungen der Brücke befestigt wurden. Beide sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt und hängen wie Trophäen über den Köpfen der Menschen. Das war Ende März 2004. Die Bilder, fotografiert von einem AP-Reporter, gingen damals um die Welt (vgl. Mascolo 2006). Ort des Geschehens war die irakische Stadt Falludscha, rund 50 Kilometer westlich von Bagdad. Die beiden Ermordeten sowie zwei weitere Männer, allesamt US Amerikaner, hatten offenbar einen Lebensmitteltransport eskortieren sollen und hatten sich dabei verfahren, so berichtete die amerikanische Wochenzeitung „The Nation“ später. Alle vier waren demnach noch in ihrem Auto sitzend erschossen und anschließend aus Wut auf die Besatzungsarmee verstümmelt und verbrannt worden (vgl. Scahill 2006).
Die genauen Umstände des Vorfalls sind bis heute ungeklärt. Interessant ist jedoch: keiner der vier Männer war zum Zeitpunkt seines Todes Angehöriger der US-Streitkräfte oder einer sonstigen im Irak stationierten Armee. In die Statistik gingen die vier als „getötete Zivilisten“ ein, denn Ihre Lohnschecks, schätzungsweise rund 900 US-Dollar pro Tag, hatten sie von der Firma Blackwater USA erhalten, einem privaten Sicherheitsdienstleister mit Sitz in Moyock, North Carolina. Gegründet vor gerade einmal elf Jahren gilt Blackwater, nicht zuletzt dank des Irak-Krieges, als einer der Primusse einer boomenden Branche – mit hoch gesteckten Zielen: „We are trying to do for the national security apparatus what Fed Ex did for the postal service”, erklärte Blackwater-Gründer Erik Prince kürzlich gegenüber der Zeitschrift Weekly Standard, “They did many of the same services that the Postal Service did, better, cheaper, smarter, and faster by innovating [which] the private sector can do much more effectly” (zitiert nach: Hemingway 2006).
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik privater Militär- und Sicherheitsdienstleister ein und erläutert anhand des Fallbeispiels Blackwater die Relevanz der Forschungsfrage.
2 Das staatliche Gewaltmonopol: Entstehung und Bedeutung: Dieses Kapitel arbeitet die staatstheoretischen Grundlagen heraus, insbesondere nach Max Weber und Thomas Hobbes, um das Gewaltmonopol als zentrales Merkmal moderner Staatlichkeit zu definieren.
3 Moderne Militärdienstleister: Hier werden die Akteure systematisiert, von Söldnern abgegrenzt und die historischen sowie strukturellen Gründe für deren Aufstieg in der post-biopolaren Weltordnung dargelegt.
4 PMS – Gefahr oder Chance?: Dieser Hauptteil untersucht kritisch die Vor- und Nachteile von PMS, einschließlich operativer Risiken, Abhängigkeiten und der Gefahr des Vertragsbruchs in unterschiedlichen staatlichen Kontexten.
5 Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Notwendigkeit einer konstruktiven Einbindung von PMS in staatliche Sicherheitsstrukturen bei gleichzeitiger Etablierung klarer Kontrollmechanismen.
Staatliches Gewaltmonopol, Private Militärdienstleister, PMS, Outsourcing, Sicherheit, Söldner, Contractors, Blackwater, MPRI, Corporate Warriors, Neue Kriege, Souveränität, Sicherheitssektor, Risikoanalyse, Privatisierung.
Die Arbeit befasst sich mit der zunehmenden Privatisierung militärischer Aufgaben und untersucht, ob private Militärdienstleister eine Bedrohung für das staatliche Gewaltmonopol darstellen.
Im Zentrum stehen die staatstheoretische Bedeutung der Gewaltmonopolisierung, die Typologie von PMS, der Aufstieg dieser Branche nach dem Kalten Krieg sowie die rechtlichen und operativen Herausforderungen bei deren Einsatz.
Das Ziel ist es, den Gefährdungsgrad für den modernen Staat durch PMS zu evaluieren und die Frage zu beantworten, ob diese Firmen als bloße Gefahr oder als mögliches Instrument staatlicher Sicherheitsstrategien zu sehen sind.
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, die auf der Auswertung staatstheoretischer Literatur (u.a. Max Weber, Thomas Hobbes) und aktueller empirischer Analysen zur modernen Militärindustrie (u.a. P.W. Singer, David Shearer) basiert.
Der Hauptteil analysiert die Vorteile und Risiken, die sich für Staaten durch den Rückgriff auf PMS ergeben, wobei ein besonderes Augenmerk auf Abhängigkeiten, Interessenkonflikte und die Problematik des Vertragsbruchs gelegt wird.
Schlüsselbegriffe sind das staatliche Gewaltmonopol, die Privatisierung von Sicherheit, die Differenzierung zwischen Contractors und Söldnern sowie die Rolle von "weak states" im Kontext der neuen Kriege.
Die Arbeit thematisiert die rechtliche Definition nach der Genfer Konvention und arbeitet heraus, dass moderne Contractors aufgrund ihrer strukturellen Einbindung in Unternehmen, ihrer Professionalisierung und ihres meist offiziellen staatlichen Auftrags rechtlich schwer von klassischen, isolierten Söldnern zu fassen sind.
Blackwater dient als zentrales Fallbeispiel für die moderne, hochspezialisierte Militärfirma, deren Einsatz im Irak die Ambivalenz zwischen Effizienzgewinn für den Staat und der Aushöhlung staatlicher Kontrolle durch unklare Verantwortlichkeiten verdeutlicht.
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