Doktorarbeit / Dissertation, 2007
201 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Problemaufriss
1.2. Einführung in das Thema
1.3. Vorgehensweise
2. Heimat
2.1. Begriffsproblematik
2.1.1. Etymologische Herleitung und Semantik
2.1.2. „Heimat“ – eine Begriffsgeschichte
2.1.3. Heimaten
2.1.4. Das Wort in anderen Sprachen
2.2. Heimat im allgemeinen Sprachgebrauch
2.2.1. Emotionale Aspekte der Heimat
2.2.2. Weitere Heimatbereiche
2.2.3. Heimat in der Mentalität des Menschen
2.2.4. Politisch-materielle Einordnung
2.2.5. Erschaffung, Bewahrung und Vernichtung von Heimat
2.2.6. Beheimatung in der Religion
2.2.6.1. Von Gott gegebene Heimat
2.2.6.2. Die jenseitige Welt
2.2.6.3. Religionsgemeinschaften als Heimat
2.2.6.4. Wirkung jüdischer Kultur auf den Begriff ,,Heimat“
2.3. Ernst Blochs Heimaten und das Judentum
2.3.1. Stationen seines Lebens
2.3.2. Ernst Bloch und seine jüdische Identität
2.4. Philosophische Implikationen von Heimat
2.4.1. Heimat in der romantischen Philosophie
2.4.1.1. Die Geburt der Romantik
2.4.1.2. Heimat bei Novalis
2.4.2. Heimat in der gegenwärtigen Philosophie
3. Sprachduktus und Schreibstil von Ernst Bloch
3.1. Schreiben im 20. Jahrhundert mit barocker Wortfülle
3.1.1. Ein Atheist mit religiöser Sprache
3.1.2. Kryptische Ausdrucksweise
4. Grundlinien: "Geist der Utopie"
4.1. Entdeckung des Augenblicks
4.2. Möglichkeit der Selbsterkenntnis
5. Das antizipierende Bewusstsein
5.1. Triebe und Affekte
5.2. Differenz Nachttraum - Tagtraum
5.3. Es dämmert nach vorne
6. Das Noch-Nicht-Sein
6.1. Die ontologische Grundlage: Materie
6.1.1. Ernst Blochs Aristoteles-Rezeption
6.1.2. Der Materialismus bei Ernst Bloch
6.2. Sein – Nicht-Sein – Prozess
6.3. Das Sein des Noch-Nicht-Seins
7. Vom Schein zum Vorschein
7.1. Etymologie und Verwendung des Wortes Schein/ Vorschein
7.2. Schein – Erscheinung – Vorschein
7.3. Vorschein durch die Kunst
7.4. Lichtstrahl ins Dunkel
8. Blochs Assoziationen von Heimat
8.1. Charakterisierung
8.1.1. Ein möglicher Ursprung
8.2. Beitrag der Religionen
8.2.1. Die Integration des biblischen Hintergrunds
8.2.1.1. Jerusalem
8.2.1.2. Judentum und Christentum im Erlösungsplan
8.2.1.3. Messianismus und Paradies
8.2.2. Zum Einfluss der Mystik
8.3. Tod als Heimat?
8.3.1. Wunschbild mit nicht Wünschenswertem
8.3.2. Contra Nichts, Säkularisierung und der „rote Held“
8.3.3. Ausgangspunkt: ,,Forschungsreise“ und Dunkel des gelebten Augenblicks
8.3.4. Nicht-mehr-da-sein-können und Noch-Nicht
8.4. Der „gefundene“ Mensch
8.4.1. Von der Arbeit zur Muße
8.4.2. Heimat entsteht durch Kunst und Architektur
8.4.3. Leben in einer neuen Gesellschaft
9. Zusammenfassung
9.1. Begriffserweiterung von Heimat
9.2. Vorbedingungen
9.3. Heimat als Prozess
Die vorliegende Arbeit untersucht den Heimatbegriff im Denken des Philosophen Ernst Bloch, wobei der Fokus auf dessen Einbettung in das „Noch-Nicht“ und die utopische Dimension liegt. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie der im Alltag häufig negativ oder kitschig konnotierte Begriff „Heimat“ durch Blochs Philosophie rehabilitiert und als ein erstrebenswertes, zukunftsgerichtetes Ziel manifestiert werden kann.
1.2. Einführung in das Thema
Ernst Bloch war in Punkto Rehabilitation des Heimatbegriffs seiner Zeit weit voraus, oder präziser formuliert: er ließ sich dieses Wort, diese Kategorie nie nehmen oder in irgendeiner Form negativ besetzen, nicht von „den Spießern“, die „Heimat“ zu einem Kitschwort ihrer unproduktiven Lethargie machten, um es in die „Trivialkultur“ abzuschieben, aber auch nicht von den Nationalsozialisten, die die Heimat in Blut ertränkten. Bloch hält an dem Begriff in der Philosophie, im Bereich des Denkens und des Erlebens, fest. Den „Schergen und Fratzen der Passion“ entzogen, erlangt Heimat wieder die alte Bedeutung des Zuhauseseins, des erstrebenswerten Gegenpols zur ständig drohenden Entfremdung. Im blochschen Jargon klingt das folgendermaßen:
Diese Kategorie Heimat, die auch eine philosophische Seite und Geschichte hat, kann bedeuten: Zuhausesein, wie in der deutschen Mystik, bei Meister Eckehart. Heimat wird aber meist verstanden, ungeheuer spießig, wo wir wieder so etwas Schlimmes drin haben wie bei den Nazis, wo auch Blut und Boden darin steckt. Aber zunächst ist Heimat ein philosophischer Begriff gegenüber Entfremdung. Daß man in der Heimat identisch sein kann, daß die Objekte, wie Hegel sagt, nicht mehr behaftet sind mit einem Fremden, sondern wo das Objekt uns so nahe rückt wie das Subjekt, daß wir darin zu Hause sind. Auch die Kategorie des Zuhauseseins ist eine alte philosophische und auch mystische Kategorie ohne schlimmen Beigeschmack des Worts, Mystik mit y geschrieben, nicht mit i.
1. Einleitung: Hier wird der Heimatbegriff als komplexes, oft divergiertes Phänomen eingeführt und die Zielsetzung der Untersuchung im Kontext von Ernst Blochs Philosophie dargelegt.
2. Heimat: Dieses Kapitel widmet sich der etymologischen und begriffsgeschichtlichen Herleitung, der kulturellen und politischen Verwendung sowie der Differenzierung zwischen Heimat und Heimaten.
3. Sprachduktus und Schreibstil von Ernst Bloch: Untersucht wird, wie Blochs barocke, oft kryptische und religiös angehauchte Sprache untrennbar mit seiner philosophischen „Entdeckung des Ungesagten“ verbunden ist.
4. Grundlinien: "Geist der Utopie": Eine Analyse des Erstlingswerks von Bloch, wobei besonders die Augenblicksphilosophie und die Suche nach Gott im Zentrum stehen.
5. Das antizipierende Bewusstsein: Dieses Kapitel behandelt Triebe, Affekte und die wichtige Rolle des „Tagtraums“ als Vorstufe für menschliches Handeln und gesellschaftliche Utopien.
6. Das Noch-Nicht-Sein: Hier werden die ontologischen Grundlagen von Materie und dem prozesshaften Sein bei Bloch erläutert.
7. Vom Schein zum Vorschein: Es wird die zentrale Kategorie des „Vorscheins“ expliziert, die das Noch-Nicht-Gewordene für das Bewusstsein ansichtig macht.
8. Blochs Assoziationen von Heimat: Eine tiefergehende Untersuchung der Heimat bei Bloch in Bezug auf Religion, Judentum, Tod und die Architektur als gestalterisches Element.
9. Zusammenfassung: Ein Resümee über die Begriffserweiterung von Heimat, die Bedingungen für ihre Entstehung und Heimat als dynamischen Prozess.
10. Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Ernst Bloch, Heimat, Noch-Nicht, Prinzip Hoffnung, Utopie, Vorschein, Identität, Materie, Judentum, Religion, Philosophie, Entfremdung, Dialektik, Geist der Utopie, Tagtraum.
Die Arbeit untersucht, wie Ernst Bloch den Begriff „Heimat“ trotz seiner historischen Belastungen philosophisch rehabilitiert und ihn als zentralen Bestandteil seines utopischen Denkens in „Das Prinzip Hoffnung“ verankert.
Neben der Begriffsgeschichte der Heimat werden insbesondere das Verhältnis von Philosophie und Religion, der Einfluss des Judentums auf das blochsche Denken sowie die ontologischen Kategorien von Materie und Zeit behandelt.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Heimat bei Bloch keine rückwärtsgewandte Idylle ist, sondern ein zukunftsorientierter „Prozess“ der Identitätsfindung und Weltgestaltung.
Der Autor führt eine philosophische Werkanalyse durch, die auf der Auseinandersetzung mit Blochs Hauptwerken basiert und diese in den Kontext der Philosophiegeschichte (Platon, Aristoteles, Hegel, Kant, Marx, Nietzsche) stellt.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Begriffe „Noch-Nicht“, „Vorschein“ und „Materie“ und verknüpft diese mit Blochs Interpretation von Religion, Mystik und dem jüdischen Identitätsverständnis.
Wichtige Begriffe sind utopischer Realismus, Prozesshaftigkeit, Entfremdung, das „Noch-Nicht-Sein“ und die „konkrete Utopie“.
Bloch begreift das Judentum als ein Volk auf Wanderschaft, dessen gesamte Geschichte von der Suche nach Heimat geprägt ist, was er als „messianisches Gewissen“ in seinem Denken verarbeitet.
Da in einer globalisierten, schnelllebigen Welt das Gefühl der Heimatlosigkeit zunimmt, bietet Blochs Ansatz eines „aktiven“, zukunftsoffenen Heimatbegriffs eine Möglichkeit zur Orientierung, die nicht auf Ausgrenzung beruht.
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