Diplomarbeit, 2002
86 Seiten, Note: 1,2
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Biologie der Littorinidae
1.2 Artdifferenzierung innerhalb der Gattung Littorina
1.3 Molekularbiologische Untersuchungen zur Phylogenie
1.4 Zielsetzung
1.5 Das Untersuchungsgebiet
2 Material und Methoden
2.1 Lösungen, Substanzen und Geräte
2.2 Gehäuse und Weichkörper
2.3 Terminologie
2.4 Transport und Haltung lebender L. obtusata und L. fabalis
2.5 Beobachtungs- und Meßmethoden
2.6 Dokumentationsmethoden
2.7 Molekularbiologische Methoden
2.7.1 Präparation des Gewebes und DNA Extraktion
2.7.2 RAPD (random amplified polymorphic DNA)
2.7.3 Gelelektrophorese
3 Ergebnisse
3.1 Einführung in die Ergebnisse
3.2 Morphologische Untersuchungen an L. obtusata und L. fabalis
3.2.1 Größenverteilung
3.2.2 Gehäusemorphologie
3.2.3 Penismorphologie
3.2.4 Radula
3.2.5 Gelege von L. obtusata und L. fabalis
3.2.6 Morphologie einer gelben Variation von L. fabalis
3.3 Ökologische Befunde
3.3.1 Nahrungspräferenzen
3.3.2 Horizontale und vertikale Verbreitung
3.4 Molekularbiologische Befunde
4 Diskussion
4.1 Einführung in die Diskussion
4.2 Diskussion der morphologischen Merkmale
4.2.1 Gehäusemorphologie
4.2.2 Größenverteilung und Populationsdynamik
4.2.3 Penismorphologie
4.2.4 Radula
4.2.5 Gelege
4.2.6 Polymorphismen
4.2.6.1 Variationen von L. obtusata
4.2.6.2 Variationen von L. fabalis
4.3 Bewertung der ökologischen Befunde
4.4 Diskussion der molekularbiologischen Befunde
4.5 Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht vergleichend die morphologischen, ökologischen und molekularbiologischen Unterschiede zwischen den Strandschnecken-Arten Littorina obtusata und Littorina fabalis auf der Nordseeinsel Helgoland, mit einem Fokus auf der genetischen Differenzierbarkeit und der Koexistenz unterschiedlicher Morphe innerhalb kleiner Areale.
1.1 Einführung in die Biologie der Littorinidae
Die Littorinidae (Strandschnecken) repräsentieren eine Familie der Littorinoidea, die ihrerseits als Überfamilie den Mesogastropoda zugeordnet werden.
Die Gehäuse der Littorinidae sind oft fest und dickwandig, meist ungenabelt und zeichnen sich durch eine rundliche bis hochkreiselförmige Gestalt aus. Die Gehäusemündung ist rund bis eiförmig und kann durch ein conchinöses, pauci- oder multispirales Operculum verschlossen werden. Der flache, abgerundete Kopf der Tiere trägt zwei Fühler, an deren Basis die Augen ein weinig erhaben liegen. Der Fuß ist durch eine Längsfurche unterteilt und somit zu ditaxischer Bewegung befähigt. Oft sind die monopectinaten Kiemen reduziert und werden dann funktionell durch die blutbahnreiche Wand der Mantelhöhle ersetzt. Littorinidae sind getrenntgeschlechtliche Tiere mit mäßigem Sexualdimorphismus. Der vom Mantel gebildete Abschnitt der ausleitenden Genitalwege (pallialer Gonodukt) ist bei den männlichen Tieren eine offene Rinne, bei den weiblichen Tieren jedoch ein geschlossener Gang, der meist in einen Ovipositor führt. Nach einer inneren Befruchtung werden Eier gelegt, die sich über planktische Veliger weiterentwickeln. Bei einigen Arten kann jedoch auch das Fehlen eines Larvenstadiums beobachtet werden.
Die Littorinidae umfassen ca. 100 Arten, die in 17 Gattungen aufgeteilt werden und weltweite Verbreitung erlangt haben. Besonders in tropischen Regionen erreichen die Tiere bisweilen unglaubliche Besiedlungsdichten. Mit Ausnahme von Cremnoconchus (BLANFORD, 1869), der an süßwasserberieselten Felsen Vorderindiens vorkommt, sind alle Littorinidae marin oder leben amphibisch in der Gezeitenzone. Die Gattung Littorina stellt mit ca. 80 Arten die zahlenmäßig größte Gruppe der Littorinidae dar.
Der Lebensraum der meisten Strandschnecken ist, wie der Familienname Littorinidae schon vermuten läßt, das Litoral. Eine Präferenz haben die Tiere für Felsküsten mit Algenbewuchs, an welchem sie ihre Eikapseln befestigen können. Littorinidae zeigen eine beachtliche Toleranz gegenüber den Lebensbedingungen im Gezeitenbereich, so daß sie auch längere Perioden des Trockenfalls überstehen können.
1 Einleitung: Dieses Kapitel stellt die biologischen Grundlagen der Familie Littorinidae dar, erläutert die Artproblematik zwischen L. obtusata und L. fabalis und definiert die Zielsetzung sowie das Untersuchungsgebiet Helgoland.
2 Material und Methoden: Hier werden die verwendeten Labormethoden, insbesondere die DNA-Extraktion und die RAPD-Technik zur genetischen Differenzierung, sowie die Feldmethoden zur Datenerhebung beschrieben.
3 Ergebnisse: Dieser Abschnitt präsentiert die morphologischen, ökologischen und molekularbiologischen Daten, die eine deutliche Differenzierung der beiden Arten sowie die Identifikation von Farbvariationen bei L. fabalis belegen.
4 Diskussion: Das Kapitel interpretiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund aktueller taxonomischer und phylogenetischer Erkenntnisse und diskutiert insbesondere die Bedeutung der reproduktiven Isolation und der Selektion für die Artbildung auf Helgoland.
Littorina obtusata, Littorina fabalis, Strandschnecken, Helgoland, RAPD, Genetik, Morphologie, Phylogenie, Gehäuse, Penis, Ökologie, Population, Polymorphismus, Artbildung, Speziation.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der vergleichenden Untersuchung der beiden Strandschnecken-Arten Littorina obtusata und Littorina fabalis, wobei der Schwerpunkt auf ihrer Differenzierbarkeit und ökologischen Anpassung im Lebensraum der Insel Helgoland liegt.
Die Arbeit behandelt Themen der Biologie der Littorinidae, morphologische Unterscheidungsmerkmale (insbesondere Genital- und Gehäusemorphologie), ökologische Faktoren wie Nahrungspräferenzen und Habitatbesiedlung sowie molekularbiologische Methoden der genetischen Analyse.
Das Ziel ist es, die morphologische und genetische Unterscheidbarkeit der beiden Schwesterarten zu prüfen sowie morphologisch differenzierbare Populationen von L. fabalis, die räumlich eng koexistieren, genauer zu charakterisieren.
Neben biometrischen Messungen und anatomischen Untersuchungen am Weichkörper kommen molekularbiologische Methoden zum Einsatz, speziell die RAPD-Analyse (Randomly Amplified Polymorphic DNA) zur Erstellung genetischer Fingerabdrücke und zur Berechnung von Ähnlichkeitsindizes.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung der Material- und Methodenwahl, eine umfassende Präsentation der Ergebnisse zu Morphologie, Ökologie und Molekulargenetik sowie eine tiefgehende Diskussion dieser Resultate im Kontext der Evolutionsbiologie und Taxonomie.
Zentrale Begriffe sind Littorina, Helgoland, RAPD, genetische Differenzierung, Gehäusemorphologie, Penisstruktur und ökologische Nischen.
Der Penis von L. obtusata besitzt ein kurzes distales Ende und 16 bis 53 Penisdrüsen in mehr als einer Reihe, während L. fabalis ein langes distales Ende und lediglich 5 bis 16 Penisdrüsen in einer einzelnen Reihe aufweist.
Die gelbe Variante von L. fabalis tritt vorzugsweise in geschützten Gebieten auf, wo sie vermutlich durch Beutedruck selektiert wird. In wellenexponierten Bereichen fehlt sie, da dort andere morphologische Anpassungen für das Überleben vorteilhafter sind.
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