Examensarbeit, 2007
100 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Entwicklungspsychologie des frühen Kindesalters
2.1 Die Entwicklung vor der Geburt
2.2 Entwicklung von 0-18 Monaten: Vom Säugling zum Kleinkind
2.3 Die Zeit von 18 bis etwa 36 Monaten
3. Die musikalische Entwicklung von 0-3 Jahren
3.1 Vorgeburtliche Hörerfahrungen
3.2 Musikalische Entwicklung im Säuglingsalter
3.3 Musikalische Entwicklung beim Kleinkind
3.3.1 Verstehen und Wiedergeben von Harmonik und Rhythmus
3.3.2 Entwicklung des Singens beim Kleinkind
3.4 Allgemeines über das Lernen im Kleinkindalter und den musikalischen Lern- sowie Begabungsbegriff
4. Möglichkeiten der musikalischen Förderung
4.1 Förderung im Elternhaus
4.2 Förderung in Kindertagesstätten und Krippen
4.3 Förderung in Eltern-Kind-Gruppen
5. Rückblick: Geschichte der vorschulischen Musikerziehung
6. Entstehung, Aufbau, Chancen und Problematik der Gruppenform „Eltern-Kind-Gruppe“
7. Bestandsaufnahme: Angebote für die „Kleinsten“ an baden-württembergischen Musikschulen 2006
7.1 Die VdM-Initiative „Musikalische Bildung von Anfang an“
7.2 Fragebogenauswertung
8. Vorstellung und Vergleich von aktuellen Konzepten und Programmen für Eltern-Kind-Musikkurse
8.1 Lorna Lutz Heyge und der „Musikgarten“
8.2 Mutter-Kind-Rhythmik: die Urform der Eltern-Kind-Kurse?
8.3 Elementare Musikpädagogik nach J. Ribke und M. Rebhahn (Seeliger)
8.4 Das Projekt „Kindliche Lernwelt Musik“ in Freiburg
8.5 „Kindermusik International“ und die Elementarerziehung an den „Yamaha-Musikschulen“
8.6 Verschiedene sonstige Materialsammlungen im Vergleich
9. Begründung, Gefahren und eigene Empfehlungen für den Eltern-Kind-Musikunterricht
9.1 Sinn und Un-Sinn der „noch früheren Früherziehung“
9.2 Qualifikation der Lehrkraft
9.3 Unterrichts- und Stundenziele
9.4 Organisation und Stundenaufbau
9.5 Umgang mit Störungen
9.6 Auswahl von Materialien
9.7 Auswahl des Liedguts
9.8 Auswahl der Bewegungsarten und -spiele
9.9 Fazit
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der frühkindlichen musikalischen Förderung für die Entwicklung des Kindes, analysiert bestehende Konzepte für Eltern-Kind-Kurse und evaluiert deren aktuelle Umsetzung sowie Sinnhaftigkeit anhand einer Bestandsaufnahme an Musikschulen in Baden-Württemberg.
3.1 Vorgeburtliche Hörerfahrungen
Das Kapitel über die musikalische Entwicklung möchte ich mit der Entwicklung des Gehörs beim Ungeborenen beginnen, da ohne die Entwicklung eines voll funktionsfähigen auditiven Sinns jede weitere Musikalisierung nur schwer möglich wäre. Noch vor 100 Jahren glaubte man nach Studien von Julius Uffelmann (1890), dass das Neugeborene bis etwa zur sechsten Woche wegen einer Schwellung des Mittelohrs quasi taub sei. In den 1920er Jahren wurden jedoch Studien veröffentlicht, die das Gegenteil bewiesen. In Versuchen wie beispielsweise dem Betätigen einer Autohupe in der Nähe einer Schwangeren wurden heftige Kindsbewegungen während und nach dem Lärmeinfluss festgestellt. Heute weiß man, dass die Entwicklung des Gehörs beim Ungeborenen schon sehr früh beginnt, nämlich bereits ab dem 22. Tag der Schwangerschaft.
In der achten Woche ist das Innenohr ausgebildet und etwa in der 18. Woche bilden sich die Nervenverbindungen zum Gehirn. Der genaue Zeitpunkt, ab wann das Kind „hört“, ist aber auch heute noch schwer festzumachen. Wissenschaftler schwanken in ihren Angaben von der 18. bis zur 28. Woche. Man nimmt an, dass das Kind auch schon während der Entwicklung des Ohres hören kann, wahrscheinlich nimmt es zuerst Geräusche seiner eigenen Existenz, also das Rauschen seines Blutes wahr, und nach und nach immer mehr Umweltgeräusche wie etwa das pulsierende Herz der Mutter. Der Fötus reagiert jedoch auch schon früher auf Klänge und Geräusche, die durch das Fruchtwasser Schallschwingungen auch über die Haut übertragen werden. Komplett entwickelt ist das Ohr dann im achten Monat.
Doch was hört das Kind im Mutterleib? Kann es Musik überhaupt wahrnehmen? In dem schützenden Umfeld der Gebärmutter dringen hauptsächlich Geräusche aus dem vegetativen Umfeld an das kindliche Gehör, also hauptsächlich das Klopfen des Herzens, das Rauschen von Blut oder Geräusche aus dem Magen-Darm-Trakt der Mutter. Diese Geräusche mit bis zu 85 Dezibel entsprechen etwa dem Lärmpegel einer verkehrsreichen Straße, eine Lautstärke, die selbst das Ohr eines Erwachsenen auf Dauer beschädigen würde. Die Hörschnecke des Kindes ist anfangs jedoch so angelegt, dass sie nur tiefe Frequenzen wahrnehmen kann. Durch den Körper der Mutter werden zusätzlich hohe Frequenzen ausgefiltert und das Gehör des Ungeborenen geschützt.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz der frühkindlichen musikalischen Förderung und die daraus resultierende Forschungsfrage.
2. Entwicklungspsychologie des frühen Kindesalters: Dieses Kapitel erläutert die physische und psychische Entwicklung vom Embryo bis zum Kleinkindalter.
3. Die musikalische Entwicklung von 0-3 Jahren: Es wird die musikalische Wahrnehmung und Entwicklung, von vorgeburtlichen Erfahrungen bis zum bewussten Musizieren, dargestellt.
4. Möglichkeiten der musikalischen Förderung: Das Kapitel vergleicht verschiedene Förderorte wie das Elternhaus, Kindertagesstätten und spezielle Gruppen.
5. Rückblick: Geschichte der vorschulischen Musikerziehung: Eine historische Betrachtung von frühen pädagogischen Ansätzen bis zur modernen Musikschulstruktur.
6. Entstehung, Aufbau, Chancen und Problematik der Gruppenform „Eltern-Kind-Gruppe“: Hier werden Hintergründe und spezifische Herausforderungen dieser spezifischen Unterrichtsform diskutiert.
7. Bestandsaufnahme: Angebote für die „Kleinsten“ an baden-württembergischen Musikschulen 2006: Die Autorin präsentiert Ergebnisse einer empirischen Befragung zur aktuellen Kurssituation.
8. Vorstellung und Vergleich von aktuellen Konzepten und Programmen für Eltern-Kind-Musikkurse: Eine kritische Analyse bekannter Programme wie dem „Musikgarten“ oder dem Gordon-Institut.
9. Begründung, Gefahren und eigene Empfehlungen für den Eltern-Kind-Musikunterricht: Abschließend werden pädagogische Kriterien für eine gelungene musikalische Früherziehung formuliert.
Frühkindliche Förderung, Musikerziehung, Musikschule, Eltern-Kind-Kurse, Entwicklungspsychologie, Elementare Musikpädagogik, Musikalische Früherziehung, Kleinkind, Rhythmik, Musikalische Bildung, Musikpädagogik, Eltern-Kind-Bindung, Audiation, Musikalisches Lernen, Musikalisches Potenzial
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der musikalischen Förderung von Kindern ab der Geburt bis zum dritten Lebensjahr und untersucht, wie Musikschulen diesen Prozess durch Eltern-Kind-Kurse unterstützen können.
Die Arbeit kombiniert entwicklungspsychologische Grundlagen mit musikpädagogischen Ansätzen, analysiert historische Entwicklungen der Musikerziehung und bewertet aktuelle Kurskonzepte sowie die Situation an öffentlichen Musikschulen.
Das Ziel ist es, den pädagogischen Nutzen von „noch früherer Früherziehung“ kritisch zu hinterfragen, den aktuellen Stand der Angebote in Baden-Württemberg zu erheben und Empfehlungen für eine qualitätsvolle Ausgestaltung dieser Angebote zu geben.
Neben einer theoretischen Fundierung durch Literaturstudien führte die Autorin eine empirische Bestandsaufnahme mittels Fragebögen bei 40 ausgewählten Musikschulen in Baden-Württemberg durch.
Der Hauptteil gliedert sich in eine entwicklungspsychologische Basis, die musikalische Entfaltung des Kindes, die Analyse verschiedener Konzepte (wie Musikgarten oder Gordon-Institut) und eine detaillierte Diskussion über die Qualifikation von Lehrkräften und die Gestaltung des Unterrichts.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie frühkindliche Förderung, musikalische Früherziehung, Eltern-Kind-Musikkurse, Elementare Musikpädagogik und Entwicklungspsychologie.
Die Autorin steht elektronischen Spielzeug-Instrumenten kritisch gegenüber, da diese oft keine authentische Anschlagsdynamik bieten und somit für den Aufbau eines fundierten Klangempfindens beim Kind kontraproduktiv sind.
Sie betont, dass gerade die Arbeit mit den Jüngsten eine hohe fachliche Kompetenz erfordert, da die Lehrkräfte nicht nur musikalisch anleiten, sondern auch die Eltern als Bezugspersonen im Lernprozess kompetent begleiten müssen.
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