Wissenschaftliche Studie, 2006
33 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Historischer Abriss
3. Untersuchungsgegenstand und Methodik:
4. Allgemeine Vorbemerkungen zu den Einzeluntersuchungen
4.1 Sigmund Freud
4.2 K.R. Eissler
4.3 André Green
4.4 Bradley I. Collins
4.5 Herta E. Harsch
Diese Arbeit untersucht die psychoanalytische Rezeption von Leonardo da Vincis Gemälde "Hl. Anna Selbdritt", beginnend mit Sigmund Freuds grundlegender Studie von 1910 bis hin zu modernen kunsthistorischen und tiefenpsychologischen Positionen, um den Einfluss von Freuds Thesen und die methodischen Herausforderungen bei der psychoanalytischen Interpretation bildender Kunst kritisch zu beleuchten.
1. Einleitung
Die hier vorgelegte Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, bedeutsame psychoanalytische Untersuchungen und Positionen im Überblick vorzutragen, die sich seit dem Erscheinen von Freuds epochalem Buch Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci im Jahr 1910 mit der dort vertretenen, zentralen Gedankenführung beschäftigt haben. Dabei gehe ich im zweiten Teil meines Aufsatzes auf die besondere Rolle ein, die die psychoanalytische Beweisführung für Leonardos Anna Selbdritt bereithält. Abschließend sollen Fragen einer generellen Standortbestimmung für die Psychoanalyse der bildenden Kunst angeschnitten werden.
Da sich die psychoanalytischen Arbeiten teils auch über ihre kunstgeschichtlichen Sachbeiträge verstanden wissen wollen und die hier zitierten Kunsthistoriker im Gegenzug tiefenpsychologisch fundierte Beiträge zum Thema geleistet haben, müssen diese gleichermaßen berücksichtigt werden. Richtungweisend für meine Arbeit war, dass sich die bisherigen, mit dem Thema befassten Abhandlungen methodisch wie argumentativ noch nicht wesentlich von der Erstuntersuchung Freuds gelöst haben. Das betrifft beispielsweise einen alternativen, formorientierten oder rezeptionsanalytischen Zugangsweg zur Anna Selbdritt. Insofern nahm das eingangs erwähnte Werk naturgemäß einen größeren Raum innerhalb meiner Arbeit für sich in Anspruch.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die psychoanalytische Forschungstradition zu Leonardo da Vincis "Hl. Anna Selbdritt" kritisch zu sichten und die Abhängigkeit nachfolgender Forscher von Freuds Thesen zu hinterfragen.
2. Historischer Abriss: Dieser Abschnitt rekonstruiert die Quellenbasis von Freuds Leonardo-Studie und beleuchtet die erste zeitgenössische sowie kunsthistorische Resonanz auf das Werk.
3. Untersuchungsgegenstand und Methodik: Hier wird der methodische Fokus der Arbeit erläutert, insbesondere die bewusste Beschränkung auf die Louvre-Fassung der "Hl. Anna Selbdritt" und die Einbeziehung der psychoanalytischen Debatte um die Überdeterminierung.
4. Allgemeine Vorbemerkungen zu den Einzeluntersuchungen: Dieser Teil führt in die detaillierte Analyse der spezifischen Beiträge ein, die im weiteren Verlauf der Arbeit kritisch gegenübergestellt werden.
4.1 Sigmund Freud: Zusammenfassung von Freuds Theorie der Sublimierung, der Kindheitsreminiszenz und der Anwendung seines Konfliktmodells auf das Gemälde "Hl. Anna Selbdritt".
4.2 K.R. Eissler: Darstellung von Eisslers Versuch, Freuds Positionen gegenüber kunsthistorischer Kritik zu verteidigen und das "Schlecht verdichtete Traumbild" weiter zu untermauern.
4.3 André Green: Analyse von Greens Fokus auf den Burlington-House-Karton, seine Betonung von Gegenübertragungsphänomenen und der unbewussten Mutter-Phantasien.
4.4 Bradley I. Collins: Untersuchung von Collins' Beitrag, der besonders die Ambivalenzproblematik und die Geburtsbildmetaphorik in den Mittelpunkt rückt.
4.5 Herta E. Harsch: Vorstellung von Harschs psychohistorischem Ansatz, der die historische Realität der Mutter-Kind-Beziehung gegen psychoanalytische Abwehrtheorien abwägt.
Leonardo da Vinci, Hl. Anna Selbdritt, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Kunstgeschichte, Kindheitserinnerung, Deckerinnerung, Ambivalenz, Sublimierung, Triebtheorie, Burlington-House-Karton, Bildinterpretation, Überdeterminierung, Projektion, Mutter-Kind-Beziehung
Die Arbeit untersucht, wie die Psychoanalyse seit 1910 das Gemälde "Hl. Anna Selbdritt" von Leonardo da Vinci interpretiert hat und wie stark diese Deutungen von Sigmund Freuds ursprünglicher Sichtweise geprägt sind.
Zentrale Themen sind die Kindheitsphantasien Leonardos, die psychoanalytische Methodik bei der Deutung bildender Kunst, die Ambivalenz in Mutter-Kind-Darstellungen sowie das Spannungsfeld zwischen Kunstgeschichte und Tiefenpsychologie.
Das Ziel ist eine kritische Bestandsaufnahme der psychoanalytischen Leonardo-Forschung, um zu prüfen, inwieweit neuere Untersuchungen über die ursprüngliche, oft zirkuläre Beweisführung Freuds hinausgehen.
Die Arbeit nutzt eine komparative und kritische Literaturanalyse, bei der die psychoanalytischen Positionen verschiedener Autoren (Freud, Eissler, Green, Collins, Harsch) in den Kontext ihrer jeweiligen kunsthistorischen und methodischen Voraussetzungen gesetzt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-methodische Einführung und detaillierte Einzeluntersuchungen namhafter Psychoanalytiker, die das Werk Leonardos und seine Kindheitsgeschichte unter verschiedenen tiefenpsychologischen Gesichtspunkten analysieren.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Psychoanalyse, Kunstgeschichte, Leonardo da Vinci, "Hl. Anna Selbdritt", Ambivalenz, Sublimierung und Deckerinnerung charakterisieren.
Die "Geierphantasie" wird als zentrale Schaltstelle in Freuds Argumentation identifiziert, die als Deckerinnerung dient, um sowohl Leonardos Charakter als auch seine künstlerischen Motive kausalgenetisch herzuleiten.
Die Autorin weist kritisch auf das Problem des ahistorischen Zugriffs hin und betont, dass Analytiker oft dazu neigen, das Quellenmaterial in Richtung eigener Vorannahmen zu verzerren, ohne die Eigendynamik des Kunstwerks in seiner Zeit zu würdigen.
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