Examensarbeit, 2007
140 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Terminologische Abgrenzungen
2.1. Zwangsstörung
2.1.1. Klassifikation nach ICD-10
2.1.2. Klassifikation nach DSM IV
2.1.3. Lebenszeitprävalenz
2.2. Zwanghafte Persönlichkeitsstörung
2.3. Beziehung der Zwänge zu anderen Störungen
2.3.1. Zwänge und Phobien
2.3.2. Zwänge und Depressionen
2.3.3. Zwänge und Schizophrenie
2.3.4. Zwänge und Ticstörungen
2.3.5. Zwänge und Trichotillomanie
3. Verlauf und Erscheinungsformen
3.1. Verlauf
3.2. Erscheinungsformen
3.2.1. Kontrollzwänge
3.2.2. Wasch- und Reinigungszwänge
3.2.3. Zwangsgedanken
3.2.4. Ordnungs-, Wiederholungs- und Zählzwänge
3.2.5. Sammel- und Hortzwänge
3.2.6. Zwanghafte Langsamkeit
3.2.7. Abergläubische Zwangsgedanken und -handlungen
4. Ursachen
4.1. Vererbung
4.2. Erziehung
4.3. Kindheit
4.4. Persönlichkeit
4.5. Belastende Erfahrungen und ungünstige Lebensumstände vor Krankheitsbeginn
4.6. Erklärungsmodelle für Zwangsstörungen
4.6.1. Das lerntheoretische Modell
4.6.2. Kognitive Modelle
4.6.3. Theorie zu Netzwerkstruktur von Zwängen
4.6.4. Gedächtnisschwäche
4.6.5. Paradoxer Effekt der Gedankenunterdrückung
4.6.6. Psychoanalyse
4.7. Biologische Faktoren
4.7.1. Neuropsychologische Einflüsse
4.7.2. Neurochemische Einflüsse
4.7.3. Verschiedene körperliche Krankheiten
5. Diagnose und Therapie
5.1. Diagnose und Differentialdiagnose
5.2. Therapiemöglichkeiten
5.2.1. Stationäre Behandlung
5.2.2. Zielsetzungen
5.2.3. Konfrontation/Exposition mit Reaktionsverhinderung
5.2.4. Kognitive Therapie
5.2.5. Familiäre Interventionen
5.2.6. Pharmakotherapie
5.2.7. Behandlung reiner Zwangsgedanken
5.3. Vorbeugung gegen Rückschritte und Rückfälle
5.4. Neurochirurgie
6. Familiäre und psychosoziale Aspekte
6.1. Sozioökonomische und religiöse Faktoren
6.2. Genetische Faktoren
6.3. Die Verstrickung der Familie
6.4. Familienklima, Erziehung und intrafamiliäre Kommunikation
7. Verallgemeinerung der Ergebnisse und Ausblick
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist eine umfassende theoretische Betrachtung des Krankheitsbildes der Zwangsstörung bei Kindern und Jugendlichen, mit besonderem Fokus auf den familiären Kontext und dessen Rolle bei Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptomatik.
3.2.1. Kontrollzwänge
Kontrollzwänge beziehen sich auf mehrere Situationen: Auf Elektrogeräte (z.B. Herd, Kaffeemaschine, Bügeleisen, etc.), die einen Brand verursachen könnten und auf Türen oder Fenster, die wegen Einbruchsgefahr immer verschlossen sein müssen. Auch die Sorge, einen anderen Menschen verletzt haben zu können, löst häufig komplexe Kontrollvorgänge aus (z.B. mehrmaliges Abgehen der Wegstrecke; ständige Anrufe bei der Polizei, ob ein Unfall geschehen ist) (vgl. Lakatos; Reinecker, 1999 und 2001, S.15).
Die Betroffenen haben das Gefühl, von ihnen gehe eine permanente Gefahr aus; sie versuchen infolgedessen mit den Kontrollzwängen wieder Sicherheit herzustellen, Gefahren abzuwenden und alles in Ordnung zu halten (vgl. Hoffmann, 1994b, S. 90f; S. 101).
Viele Kontrollzwänge sind nicht beobachtbar, sondern laufen ausschließlich auf der kognitiven Ebene ab (z.B. ständige Angst, etwas Schlechtes über eine Person zu sagen und in Folge dessen jeden Tag im Kopf durchspielen, ob nicht doch etwas herausgerutscht ist) (vgl. Lakatos; Reinecker, 1999 und 2001, S.16).
Hoffmann unterscheidet drei Arten von Kontrollzwängen: das Kontrollieren und Absichern, die zwanghafte Langsamkeit sowie Sammeln, Stapeln und Horten. Auf die beiden letzteren Formen der Zwangsstörung wird in den Kapiteln 3.2.5 und 3.2.6 separat eingegangen.
Zwangskontrollen müssen nicht in allen Lebensbereichen auftreten, sie können sich beispielsweise nur auf den häuslichen Bereich beschränken; im Beruf kann der Betroffene symptomfrei sein. Auch ist es möglich, dass den Kontrollzwängen nur ein bestimmter Tagesabschnitt gewidmet wird, z.B. am Abend (vgl. Hoffmann, 1990, S. 51).
Bei Kontrollzwängen sind die Beurteilungskriterien für Sachverhalte verschoben. Die Betroffenen sehen, dass z.B. der Wasserhahn richtig zugedreht ist, haben aber nicht das Gefühl, dass der Hahn in Ordnung ist. Sie wissen zwar vor und während der Kontrolle, dass der Sachverhalt korrekt ist, sind aber mit dem Erleben nicht zufrieden. „Dieses Erleben ist es, das sie durch weitere Kontrollen verändern wollen“ (Hoffmann, 1990, S. 55). Baer bezeichnet dieses Phänomen als „seinen Sinnen nicht trauen“ (Baer, 1993, S. 28) können. Dies ist die Folge der Unsicherheit, ob man einen Fehler begangen hat und die darauf folgende ständige Überprüfung des Sachverhalts (vgl. Baer, 1993, S. 28).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Krankheitsbild der Zwangsstörung bei Heranwachsenden ein und umreißt die Struktur sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Terminologische Abgrenzungen: In diesem Kapitel werden Zwangsstörungen definiert, von Alltagszwängen und anderen Störungen abgegrenzt sowie Klassifikationssysteme (ICD-10, DSM IV) erläutert.
3. Verlauf und Erscheinungsformen: Dieses Kapitel beschreibt den typischen Verlauf und die verschiedenen Symptomgruppen wie Kontroll- oder Waschzwänge bei Kindern und Jugendlichen.
4. Ursachen: Dieses Kapitel analysiert umfassend verschiedene Ursachenfaktoren wie Genetik, Erziehung, Persönlichkeit und biologische Erklärungsmodelle.
5. Diagnose und Therapie: Dieses Kapitel befasst sich mit diagnostischen Verfahren sowie therapeutischen Ansätzen wie der kognitiven Verhaltenstherapie, Medikation und der Rolle der Familie.
6. Familiäre und psychosoziale Aspekte: Dieses Kapitel vertieft die Bedeutung sozioökonomischer Faktoren sowie die Verstrickung der Familie in das Zwangssymptom.
7. Verallgemeinerung der Ergebnisse und Ausblick: Dieses abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bietet einen Ausblick.
Zwangsstörung, Heranwachsende, Kindheit, Jugendalter, Symptomatik, Klassifikation, Verhaltenstherapie, Familiärer Kontext, Ursachenforschung, Kognitive Modelle, Diagnostik, Therapie, Rückfallprävention, Serotoninsystem, Zwangshandlungen
Die Arbeit bietet eine fundierte theoretische Betrachtung von Zwangsstörungen bei Kindern und Jugendlichen unter besonderer Berücksichtigung des familiären Umfelds.
Zu den zentralen Themen zählen Klassifikation, Erscheinungsformen, Ursachen, diagnostische Methoden sowie verschiedene therapeutische Interventionsformen bei Zwangserkrankungen.
Das primäre Ziel ist es, ein umfassendes Wissen über das Störungsbild bei Heranwachsenden zu vermitteln und die Rolle der Familie bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Zwänge kritisch zu untersuchen.
Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen Literaturanalyse und einer theoretischen Betrachtung aktueller psychologischer und medizinischer Erkenntnisse zur Zwangsstörung.
Der Hauptteil gliedert sich in Terminologie, Verlauf, Ursachen (einschließlich neurobiologischer und psychologischer Modelle) sowie die Diagnose und Therapie unter Einbeziehung der Familie.
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Zwangsstörung, Kognitive Verhaltenstherapie, Familiärer Kontext, Symptomatik, Ursachenforschung und Diagnostik.
Die Einbindung der Familie ist entscheidend; eine "Verstrickung" kann die Therapie erschweren, während die Unterstützung bei der Verhaltensänderung den Heilungsprozess massiv fördern kann.
Die Arbeit verdeutlicht, dass Zwangsstörungen häufig bereits im Kindesalter manifestiert werden und daher eine möglichst frühzeitige Diagnostik zur Vermeidung einer Chronifizierung essenziell ist.
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