Magisterarbeit, 2006
103 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Vorüberlegungen zu den Schnittstellen zwischen Wilhelm Hauff und Hans Christian Andersen
3 Kunstmärchen
3.1 Das Kunstmärchen als Gattung
3.2 Andersens Kunstmärchen
Exkurs: Andersens Erzählstil
3.3 Hauffs Kunstmärchen
4 Das Motiv des kalten Herzens
4.1 Zum Motivverständnis
4.2 Das Motiv des kalten Herzens in Andersens Die Schneekönigin
4.2.1 Das (weibliche) Prinzip der Kälte
4.2.2 Herz und Kopf – Die Verkehrung
4.2.3 Zersplitterte Wahrnehmung – Der Spiegel
4.2.4 Der Weg in die kalte Fremde
4.3 Das Motiv des kalten Herzens in Hauffs Das kalte Herz
4.3.1 Der kalte Kapitalismus
4.3.2 Herz und Stein – Der Tausch
4.3.3 Blendung und Verblendung – Der Geldfetisch
4.3.4 Der Einbruch des Fremden – Der Einbruch der Fremdheit
5 Schlussbetrachtung: Moderne Kälte
Die Arbeit untersucht das Motiv des „kalten Herzens“ in Hans Christian Andersens Die Schneekönigin und Wilhelm Hauffs Das kalte Herz, um darin einen gemeinsamen Kontext zu erschließen, der den Wandel des Subjekts, gesellschaftliche Transformationen und einen Paradigmenwechsel in der Moderne widerspiegelt.
4.2.1 Das (weibliche) Prinzip der Kälte
Durch den Fokus auf die einzelnen Frauenfiguren in der Schneekönigin soll in diesem Kapitel eine Einführung in die Thematik erfolgen. Zum einen wird beabsichtigt, sich konkret dem Text Andersens zu öffnen, seinen Inhalt darzustellen und dabei seine Besonderheiten, vor allem die eigentümliche Figurenkonstellation, aufzuzeigen. Zum anderen ermöglicht die Analyse der weiblichen Figuren selbst wichtige Erkenntnisse über das Motiv des kalten Herzens. Das Herz-Motiv „stellt in vielen Werken eine Folge von Kontrasten her“, die dann „in direkter Verbindung mit vorbildlichen Figuren“ erscheinen. Bei Andersen wird die Tiefenstruktur des Motivs dominiert von der Kälte/Wärme-Dichotomie, die sich jedoch in noch weitere Gegensatzpaare auffächern lässt, die außerhalb des Motivs ebenso in den Frauenfiguren wiederzufinden sind.
Die Oppositionen, die mit dem Motiv verbunden sind, durchdringen aber nicht nur die einzelnen Protagonistinnen, sie sind zugleich auch in Kay situiert und streiten im Laufe der Geschichte um die alleinige Vorherrschaft in seinem Wesen. Gerda besitzt ein warmes Herz, sie steht für das Gefühlsmäßige und Sinnliche, für das Natürliche und für das Kindliche, während der Schneekönigin der Verstand und die kalte Vernunft, das Künstliche und die Erwachsenenwelt zugeordnet werden.
Doch so starr und eindeutig, wie die vorgenommene Charakterisierung von Gerda und der Schneekönigin es vermuten lässt, sind die Oppositionen keinesfalls verteilt. Die Schneekönigin weist eine erstaunliche Vielfalt von Frauenfiguren mit den unterschiedlichsten und teils widersprüchlichen Zuschreibungen auf, was auch für Andersens Gesamtwerk geltend gemacht werden kann.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Herzverlusts bei Andersen und Hauff ein und begründet die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2 Vorüberlegungen zu den Schnittstellen zwischen Wilhelm Hauff und Hans Christian Andersen: Dieses Kapitel arbeitet Parallelen in der Rezeption und den intellektuellen Hintergründen beider Autoren heraus.
3 Kunstmärchen: Hier werden theoretische Grundlagen zur Gattung des Kunstmärchens sowie die spezifischen Erzählweisen und Märchenkonzepte von Andersen und Hauff dargelegt.
4 Das Motiv des kalten Herzens: Das Hauptkapitel analysiert die Funktion und Symbolik des Motivs in den beiden Werken durch eine Untersuchung von Figuren, Wahrnehmung und gesellschaftlichen Transformationsprozessen.
5 Schlussbetrachtung: Moderne Kälte: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet die Märchen in einen übergeordneten Kontext der Modernekritik ein.
Kaltes Herz, Kunstmärchen, Hans Christian Andersen, Wilhelm Hauff, Die Schneekönigin, Motivgeschichte, Moderne, Entfremdung, Kapitalismus, Verstand vs. Gefühl, Identitätsbildung, Symbolik, Literaturwissenschaft, gesellschaftlicher Wandel, Materialismus.
Die Arbeit analysiert das Motiv des „kalten Herzens“ in den Märchen von Andersen und Hauff, um diese als Spiegel gesellschaftlicher und psychologischer Wandlungsprozesse im 19. Jahrhundert zu verstehen.
Es werden Hans Christian Andersens Die Schneekönigin und Wilhelm Hauffs Das kalte Herz untersucht.
Ziel ist es, den gemeinsamen Kontext hinter dem Motiv des kalten Herzens zu dokumentieren und zu analysieren, wie beide Märchen einen Wandel des Subjekts und gesellschaftliche Modernekritik thematisieren.
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche, strukturalistische und psychoanalytische Ansätze, um Motive, Symbole und die Diskursgeschichte der Texte zu interpretieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Motivbestimmung, gefolgt von tiefgehenden Analysen zu Figurenkonstellationen, Wahrnehmung, Entfremdung und der Bedeutung des „Fremden“ in beiden Werken.
Wichtige Begriffe sind u.a. Entfremdung, Materielles vs. Ideelles, Kapitalismus, Herzmotiv, Moderne und Identitätsverlust.
Während Andersen die Kälte primär mit dem Verlust natürlicher Emotionalität durch eine einseitige Hinwendung zur Vernunft verknüpft, fokussiert Hauff stärker auf ökonomische Modernisierungsprozesse und die Fetischisierung des Geldes.
Der Spiegel dient als Symbol für eine fragmentierte Weltsicht und gestörte Identitätsbildung, die den Helden Kay von seiner emotionalen Basis isoliert.
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