Magisterarbeit, 2007
134 Seiten, Note: 1,8
I Einleitung
II Historische Synopse
1. Transformation der iranischen Gesellschaft vor dem Hintergrund kolonialer Expansionsbestrebungen im 19. Jahrhundert
2. Modernisierungsbestrebungen im 19. Jahrhundert: Die Babi-Bewegung (1844-1852)
3. Vom ‚Haus der Gerechtigkeit’ zum Parlament: Die ‚konstitutionelle’ Revolution (1905-1911)
4. Reza Schah und Nation Building (Reg. 1925-1941)
5. Iran im tripolaren Spannungsfeld zwischen Sowjetunion, Großbritannien und den USA
5.1 US-amerikanisches Interesse am Iran: Das Erdöl
5.2 Britisch-amerikanischer Interessenskonflikt: Der Weg zur Nationalisierung der iranischen Ölindustrie
6. Mohammad Mosaddeq und nationale Selbstbestimmung (1951-1953)
7. Iran unter der ‚Pax Americana’ (1953-1979)
III Von der Feder zum Schwert – Vordenker, Theoretiker und Ideologen der Iranischen Revolution
1. Theoretische Vorbemerkungen
1.1 Die Konstruktion des Anderen
1.2 Orientalismus
1.3 Umgekehrter Orientalismus
1.4 Nativismus
1.5 Kultur-inhärente Eigenheiten schiitischer Identität
2. Ğalāl Āl-e A½mad - (1923-1969)
3. ʿAlī Šarīʿatī (1933-1977)
4. Šeyḫ Mortażā Moṭahharī (1920-1979)
5. Seyyed Rūḥollāh Ḫomeynī (1902-1989)
IV Zusammenfassung
V Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen und ideologischen Hintergründe der anti-westlichen Einstellung im Iran des 20. Jahrhunderts. Sie fokussiert dabei insbesondere auf die Rolle des schiitischen Islams als identitätsstiftendes Element in einem Diskurs, der sich gegen westliche hegemoniale Einflüsse richtet und in der Iranischen Revolution von 1979 kulminierte.
1.1 Die Konstruktion des Anderen
Die Frage nach dem Verständnis, wie der Westen Wissen über sich selbst generierte und entwickelte, war für Michel Foucault (1926-1984) ein wichtiger Bestandteil seines Denkens. Für ihn war die Konstruktion des eigenen Selbst unausweichlich mit der Konstitution des Anderen verknüpft. Mit anderen Worten, „das Wissen vom eigenen Selbst entwickelt sich durch das Wissen über das Andere.“ Das Andere gehe jedoch sowohl in dem singulären ‚Ich’ als auch in einem kollektiven ‚Wir’ auf, so genannten internalisierten Formen des Anderen. Diese seien anhand von Diskursen geprägt worden, welche in machtvollen sozialen Kräften und Institutionen eingebettet seien. Jedoch würden nicht Objekte den Diskurs erschaffen, sondern genau das Gegenteil sei der Fall, da Sprache einer bestimmten Subjektivität vorausgehe und diese wiederum konstruiere.
Das Andere ist für Foucault neben der Frage des Unterschieds auch eine der Hierarchie, da „der Andere nicht derjenige ist, mit dem wir uns identifizieren, sondern jemand, von dem wir annehmen, er sei uns entweder über- oder unterlegen.“ Außerdem hätten die Diskurse durch ihre Verbindung mit Machtstrukturen und wissenschaftlichen Objektivitätsbestrebungen vor allem in den Humanwissenschaften so genannte „regimes of truth“ etabliert. Diese ‚Wahrheitsgebiete’ würden schließlich eine Funktion der Regulierung übernehmen, deren Imperativ es sei, Grenzen zwischen regulierten und unregulierten Bereichen menschlicher Aktivität im Sinne binärer Gegensatzpaare zu etablieren: mentale Gesundheit und Verrücktheit, körperliche Gesundheit und Krankheit, legitimes und kriminelles Verhalten, rechtliche und verbotene Liebe.
I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den bipolaren Konflikt zwischen Iran und dem ‚Westen’ und stellt die Forschungsfrage zur Bedeutung religiöser Identitätsdiskurse im iranischen Widerstand dar.
II Historische Synopse: Dieses Kapitel zeichnet die Transformation der iranischen Gesellschaft vom 19. Jahrhundert bis zur Revolution 1979 unter dem Einfluss kolonialer Mächte und ökonomischer Interessen nach.
III Von der Feder zum Schwert – Vordenker, Theoretiker und Ideologen der Iranischen Revolution: Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte von Al-e Ahmad, Ali Schariati, Motahhari und Khomeini und zeigt deren Rolle bei der Formung einer anti-westlichen, schiitisch geprägten Ideologie auf.
IV Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die Erkenntnisse über die Identitätsfindungsprozesse und die Rolle des schiitischen Islams im vorrevolutionären Diskurs.
V Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung reflektiert die langfristige Bedeutung der ideologischen Grundlagen für die aktuelle Politik Irans und das Spannungsfeld zwischen Machtpragmatismus und revolutionärer Rhetorik.
Iran, Islamische Revolution, anti-westlicher Diskurs, schiitischer Islam, Identität, Orientalismus, Nativismus, Pahlawi-Dynastie, Kolonialismus, Machtpolitik, Modernisierung, Khomeini, Schariati, Al-e Ahmad, Motahhari.
Die Arbeit analysiert, wie sich im Iran des 20. Jahrhunderts eine spezifisch schiitisch-islamische Identität als Gegendiskurs zu westlichen Einflüssen entwickelte und schließlich in der Revolution von 1979 mündete.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte Irans, postkoloniale Theorien, das Konzept des Orientalismus sowie die Ideologien bedeutender iranischer Intellektueller und Geistlicher.
Ziel ist es, die ideologischen Hintergründe und die Eigenlogik des iranischen Widerstands gegen den ‚Westen’ religionswissenschaftlich und kulturwissenschaftlich zu beleuchten.
Die Arbeit nutzt diskursanalytische Ansätze, insbesondere in Anlehnung an Michel Foucault und Edward Said, um die Konstruktion von Identitäten und das Verhältnis von Wissen und Macht zu untersuchen.
Im Hauptteil werden die Schriften und Theorien von vier prägenden Denkern – Al-e Ahmad, Ali Schariati, Motahhari und Khomeini – analysiert und in den historischen Kontext der iranischen Moderne eingeordnet.
Schlüsselbegriffe sind Identität, Nativismus, Orientalismus, schiitische Religion, Macht, Revolution, Dekolonisierung und das Verhältnis von Religion und Staat im Iran.
Der Begriff beschreibt eine „Verwestlichungsseuche“, die laut Al-e Ahmad die iranische Gesellschaft kulturell entfremdet und die ursprüngliche Identität durch oberflächliche westliche Konsummuster ersetzt.
Die ‚Rote Schia’ steht für eine revolutionäre, befreiende Kraft und Tatkraft, während die ‚Schwarze Schia’ von Schariati als erstarrtes, korrumpiertes System der Geistlichkeit beschrieben wird, das lediglich zur Machtkonservierung dient.
Es beschreibt die Herrschaft des religiösen Rechtsgelehrten, die Khomeini als absolute notwendige Statthalterschaft während der Verborgenheit des Imams interpretiert, um die Umsetzung göttlicher Gesetze politisch durchzusetzen.
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