Diplomarbeit, 2002
112 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
Teil I - Foucaults theoretisches und methodisches Instrumentarium
2. Das Problem der Problematisierung – von der Archäologie zur Genealogie
2.1 Die Methode der Archäologie
2.1.1 Die Archäologie des Schweigens
2.1.2 Die Produktivität des Wissens
2.1.3 Diskursive Regelhaftigkeit als produktive Kraft
2.2 Die Methode der Genealogie
2.2.1 Diskurs und negative Macht
2.2.2 Genealogie und Nietzsche
2.3 Die Produktivität der Macht
2.3.1 Die Mikrophysik der Macht und Disziplinierung des individuellen Körpers
2.3.2 Biomacht und Normierung der Gesellschaft
2.3.3 Macht, Wissen und Dispositiv
2.4 Probleme der Analytik der Macht
3. Problematisierung des Subjekts und Integration der Freiheit
3.1 Problematisierung der äußeren Subjektkonstitution
3.1.1 Nicht-diskursive Praktiken der Subjektivierung
3.1.2 Diskursive Praktiken der Subjektivierung
3.2 Das Subjekt als Produkt des Selbst
3.2.1 Ethische Selbstkonstitution und Politik
3.2.2 Trennung von Ethik und Politik
3.2.3 Die Pastoralmacht
3.2.4 Subjektivierung zwischen Selbstkonstitution und Macht
3.3 Von der Macht zur Gouvernementalité
3.3.2 Der Begriff der Führung
3.3.3 Perspektivenwechsel zur Gouvernementalité
Teil II – Der Begriff der Gouvernementalité
4. Gouvernementalité – Problematisierung des Politischen
4.1 Genealogie der Gouvernementalité
4.1.1 Staatsräson und Polizei
4.1.2 Der Liberalismus
4.1.3 Die Problematisierung des Sozialen
4.2 Methodologisch theoretische Implikationen der Gouvernementalité
4.2.1 Singularisierung und anonyme Netzwerke
4.2.2 Politische Rationalität
4.2.3 Produktivität der politischen Rationalität
4.2.4 Abgrenzung und Anwendung der Methode der Gouvernementalité
Teil III – Anwendung der gouvernementalen Analytik auf die Gegenwart
5. Problematisierung der politischen Gegenwart
5.1 Anonyme Netzwerke gegenwärtiger Problematisierung
5.1.1 Der ökonomische Diskurs
5.1.2 Der Diskurs sozialer Bewegungen
5.1.3 Politische Programme
5.2 Politische Rationalität der Gegenwart
5.2.1 Konstituierung der Freiheit
5.2.2 Das gouvernementale Subjekt
5.2.3 Erkenntnisgewinn der Analyse der gouvernementalen Gegenwart
5.3 Das Konzept der Gouvernementalité als kritische Analytik?
6. Fazit
7. Literaturangaben
7.1 Werke Michel Foucaults
7.2 Andere Literatur
Die Arbeit untersucht Michel Foucaults Konzept der Gouvernementalität, um es als methodisches Analyseraster für gegenwärtige politische Prozesse und Machtverhältnisse fruchtbar zu machen. Ziel ist es, die theoretischen Implikationen des Foucaultschen Werkes, insbesondere den Übergang von der Archäologie zur Genealogie und die Problematisierung des Subjekts, für eine Analyse moderner Regierungsweisen nutzbar zu machen.
Die Produktivität der Macht
In den Büchern der siebziger Jahre in „Surveillir et punir. Naissance de la prison“ von 1975 und in “La volonté de savoir. Histoire de la sexualité, tome 1“ von 1976 realisiert Foucault seine Methode der Genealogie. Er fragt jetzt danach, wie sich kulturelle Praktiken im Rahmen anonymer Kräfteverhältnisse verändern und durch welche Mechanismen sie auf Dauer gestellt werden. Hier nimmt schließlich die Analytik der Macht Kontur an und wird in Abgrenzung zu einem traditionellen Verständnis des Phänomens der Macht entwickelt:
„Die Macht ist nicht eine Institution, ist nicht eine Struktur, ist nicht eine Mächtigkeit einiger Mächtiger. Die Macht ist der Name, den man einer komplexen strategischen Situation in einer Gesellschaft gibt“ (1998b, 114).
Dabei fällt vor allem der Begriff der „Strategie“ als zentrale Kategorie der Analytik auf, die sich von dem Gedanken absetzen will, die Macht mit Gesetz und Verbot zu identifizieren und nach dem Schema einer vertraglich legitimierten Herrschaft der Instanz des Staates in Form juridischer Macht zuzuordnen (vgl. Kammler 1986, 138). Ein Modell dieses Machtkonzeptes, stelle der „Leviathan“ (vgl. Foucault 1978d, 81f) dar, der die vertraglich abgetretene Macht in Form eines Besitzes halte. Foucault will dagegen, dass „Macht nicht als Eigentum, sondern als Strategie aufgefaßt wird, daß ihre Herrschaftswirkungen nicht einer ‚Aneignung‘ zugeschrieben werden, sondern Dispositionen, Manövern, Techniken, Funktionsweisen“ (Foucault 1998a, 38).
1. Einleitung: Foucaults Werk wird als notwendiges Instrumentarium für eine kritische Analyse aktueller politischer Prozesse vorgestellt.
2. Das Problem der Problematisierung – von der Archäologie zur Genealogie: Die methodische Entwicklung von der Wissensanalyse zur Macht- und Dispositivanalyse wird dargelegt.
3. Problematisierung des Subjekts und Integration der Freiheit: Der Fokus liegt auf der Rolle des Subjekts und der Selbstkonstitution innerhalb der Machtbeziehungen.
4. Gouvernementalité – Problematisierung des Politischen: Der Begriff der Gouvernementalität wird als analytisches Konzept für moderne Regierungsweisen eingeführt und historisch hergeleitet.
5. Problematisierung der politischen Gegenwart: Die analytische Perspektive der Gouvernementalität wird exemplarisch auf den Neoliberalismus und aktuelle politische Programme angewandt.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz zur Nutzbarmachung des Foucaultschen Analyserasters für die Untersuchung gegenwärtiger Machtkonstellationen.
Gouvernementalität, Machtanalytik, Genealogie, Diskurs, Subjektivierung, Dispositiv, politische Rationalität, Liberalismus, Neoliberalismus, Biopolitik, Selbsttechniken, Wissens-Macht-Komplex, Herrschaft, Widerstand, Post-Panoptismus
Die Arbeit analysiert Michel Foucaults Begriff der Gouvernementalität, um diesen als methodisches Instrument für eine kritische politische Gegenwartsanalyse nutzbar zu machen.
Die zentralen Felder umfassen die Genealogie der Macht, die Transformation vom Liberalismus zum Neoliberalismus sowie das Verhältnis zwischen Subjektkonstitution und politischer Regierung.
Ziel ist es zu zeigen, dass Foucaults Schriften – entgegen gängiger Interpretationen – kein Abkehr von der Politik darstellen, sondern ein kohärentes Analyseraster für die Untersuchung heutiger politischer Rationalitäten bieten.
Es wird eine interpretative Analytik angewandt, die Foucaults archäologische und genealogische Methoden verknüpft, um historische Problematisierungsweisen offenzulegen.
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Grundlagen (Teil I), die Ausarbeitung des Begriffs der Gouvernementalität (Teil II) und die Anwendung auf gegenwärtige politische Diskurse (Teil III).
Wichtige Begriffe sind Gouvernementalität, Macht, Wissen, Subjektivierung, Dispositiv, politische Rationalität und Biopolitik.
Der Autor argumentiert, dass Foucaults Hinwendung zur Ethik und den Selbsttechniken in den 80er Jahren keine Abkehr von der Machtanalytik ist, sondern deren notwendige Weiterentwicklung, um Widerstand und Subjektivität integrieren zu können.
Macht wird als bewegliches, zentrumsloses Netz von Kräfteverhältnissen beschrieben, während Herrschaft den Zustand blockierter oder erstarrter Machtbeziehungen markiert.
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