Doktorarbeit / Dissertation, 2001
171 Seiten, Note: cum laude
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
1.0 Was ist Gnosis?
1.1 Weiblichkeit in gnostischen Texten
1.2 Zu Methode und Forschungsstand
2.0 Zu den Quellen
3.0 Weiblichkeit im Kosmos
3.1 Männlich und weiblich: Konträr oder komplementär?
3.2 Weibliche Schöpfer und Schöpfungsmittler
3.3 Die planende Weiblichkeit
4.0 Göttliche Weisheit
4.1 Die neugierige und die gefallene Sophia
4.2 Gerettete und rettende Sophia
4.3 Achamoth oder die „untere Sophia“
5.0 Irdische Weisheit: Eva und Norea
5.1 Eva und Norea im „Wesen der Archonten“
5.2 Eva in „die Apokalypse Adams“
5.3 Eva in der Schlangengnosis: Ophiten und Naassener
6.0 Schlußbemerkung: Die Gnosis und die Frauen
7.0 Bibliographie
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion weiblicher Prinzipien in der spätantiken gnostischen Kosmogonie. Dabei wird analysiert, inwiefern diese Prinzipien – trotz eines patriarchalischen Umfelds – als eigenständige, handelnde Kräfte auftreten und ob sich daraus Rückschlüsse auf die Rolle der Frau in gnostischen Gemeinschaften ziehen lassen.
3.1 Männlich und weiblich: Konträr oder komplementär?
Die Grenzen zwischen männlich und weiblich sind in gnostischen Texten nicht immer scharf gezogen. Funktionen überschneiden sich, viele Beschreibungen sind androgyn. Schon der Ursprung von Allem, der Schöpfer des Kosmos, die präexistente Kraft wird mit männlichen und weiblichen Attributen umschrieben, was sich deutlich von den rein männlichen Eigenschaften des Schöpfergottes der monotheistischen Religionen unterscheidet. Dieser beide Geschlechter umfassende Anfang erinnert eher an die Beschreibungen, mit denen in den altorientalischen Religionen der Schöpfungsprozess beginnt, mit dem Unterschied, daß es sich in den gnostischen Systemen nicht um Götter und auch nicht um ein geschlechtlich differenziertes Paar, sondern um ein beide Geschlechter umfassende, androgynes Wesen handelt. Man findet weder den allmächtigen „Vatergott“ noch die fürsorgliche „Muttergöttin“, obwohl beide Begriffe, Vater und Mutter, in den Beschreibungen vorkommen.
In der Megale Apophasis, der großen Verkündigung, einem Text, der Simon Magus zugeschrieben wird, findet sich eine interessante Beschreibung der präexistenten Kraft: „Es ist eine Kraft, sich scheidend nach oben und unten, sich selbst zeugend, sich selbst mehrend, sich selbst suchend, sich selbst findend, ihre eigene Mutter, ihr eigener Vater, ... ihre eigene Tochter, ihr eigener Sohn..., Eines, die Wurzel des Alls...“
Es handelt sich in dieser Beschreibung um eine Erscheinung, die wechselweise männliche und weibliche Funktionen erfüllt und nicht eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen ist. Eine geschlechtlich undifferenzierte Gestalt also, die in sich alle oder keine (geschlechtlichen und andere) Möglichkeiten beinhaltet. Und weiter heißt es: „Zwei Sprößlinge gibt es unter allen Äonen, die weder Anfang noch Ende haben, aus einer Wurzel stammend, welche ist Kraft, Schweigen, unsichtbar, unfaßbar, deren einer erscheint von oben her, welcher ist die große Kraft, der Allgeist, alles ordnend, männlich, der andere von unten her, der große Gedanke, weiblich gebärend. Von da einander entgegenarbeitend paaren sie sich und bringen den mittleren Raum, die nicht wahrnehmbare Luft, in die Erscheinung, die weder Anfang noch Ende hat.“
1.0 Was ist Gnosis?: Diese Einleitung definiert die Gnosis als komplexe religiöse Strömung, die zwischen Philosophie und Religion angesiedelt ist und sich durch eine revolutionäre Seinsinterpretation auszeichnet.
1.1 Weiblichkeit in gnostischen Texten: Hier wird das Ziel der Arbeit dargelegt, die Rolle und Funktion weiblicher Prinzipien in der gnostischen Kosmogonie zu untersuchen.
1.2 Zu Methodik und Forschungsstand: Dieser Abschnitt beleuchtet die sprachliche Behandlung des Geschlechts und setzt sich kritisch mit feministischen Linguistik- und Sprachphilosophie-Ansätzen auseinander.
2.0 Zu den Quellen: Die historische Situation der Gnosis und die Bedeutung zentraler Quellengruppen, wie Kirchenväterberichte und Nag-Hammadi-Texte, werden analysiert.
3.0 Weiblichkeit im Kosmos: Dieses Kapitel vergleicht gnostische Vorstellungen mit frühen Kulturen und betont die Eigenständigkeit weiblicher Hypostasen als planende Kräfte.
3.1 Männlich und weiblich: Konträr oder komplementär?: Die Androgynität des göttlichen Ursprungs und das Prinzip der paarweisen Anordnung werden als komplementär statt hierarchisch analysiert.
3.2 Weibliche Schöpfer und Schöpfungsmittler: Es wird die zentrale schöpferische Rolle weiblicher Gestalten wie Barbelo und Protennoia herausgearbeitet.
3.3 Die planende Weiblichkeit: Dieser Teil ordnet den Bereich des Denkens, der Planung und des Wissens eindeutig dem weiblichen Prinzip zu.
4.0 Göttliche Weisheit: Die Figur der Sophia als göttlicher Äon und ihr ambivalenter Fall werden als zentraler Schöpfungsmythos beleuchtet.
4.1 Die neugierige und die gefallene Sophia: Die Untersuchung der Neugier und des Strebens nach Erkenntnis als Ursache für den "Fall" der Sophia.
4.2 Gerettete und rettende Sophia: Die Rolle der Sophia als erlösende Instanz für die geschaffene Menschheit wird dargestellt.
4.3 Achamoth oder die „untere Sophia“: Die Unterscheidung zwischen der im Pleroma verbleibenden Sophia und der "unteren" Sophia, Achamoth, wird erläutert.
5.0 Irdische Weisheit: Eva und Norea: Die Rolle von Eva und Norea als irdische Trägerinnen der pneumatischen Weisheit steht hier im Vordergrund.
5.1 Eva und Norea im „Wesen der Archonten“: Analyse der Funktion Evas und ihrer Tochter Norea als Wissensvermittlerinnen gegen die Archonten.
5.2 Eva in „die Apokalypse Adams“: Untersuchung der spezifischen Rolle Evas als Übermittlerin göttlicher Erkenntnis an Adam.
5.3 Eva in der Schlangengnosis: Ophiten und Naassener: Eva und die Schlange werden hier in ihrer positiven, aufklärerischen Funktion neu gedeutet.
6.0 Schlußbemerkung: Die Gnosis und die Frauen: Fazit über die Bedeutung der Gnosis als spirituellen Befreiungsraum für Frauen in einer patriarchalischen Umwelt.
7.0 Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur.
Gnosis, Weiblichkeit, Sophia, Kosmogonie, Achamoth, Demiurg, Pleroma, Eva, Norea, Sprachphilosophie, Feministische Linguistik, Erkenntnis, Pneumatisch, Androgynität, Barbelo.
Die Arbeit untersucht, wie weibliche Prinzipien in gnostischen Texten dargestellt werden und welche Bedeutung ihnen in der Kosmogonie beigemessen wird, insbesondere im Hinblick auf deren Stärke und Selbständigkeit.
Sophia fungiert als zentrale, ambivalente Figur: Einerseits als göttlicher Äon, dessen Neugier zur Weltschöpfung führt, andererseits als rettende Instanz für die Menschheit.
Die Autorin sieht Gnosis und Christentum als zeitgleich entstandene, konkurrierende Strömungen, wobei sich das Christentum durch Kanonbildung als orthodox abgrenzte und die Gnosis als Häresie brandmarkte.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche und historische Analyse, ergänzt durch sprachphilosophische und feministische Ansätze, um die Bedeutung der weiblichen Benennungen im gnostischen Kontext zu erschließen.
Gestützt auf feministische Linguistinnen wird argumentiert, dass der Gebrauch maskuliner Begrifflichkeiten in der Theologie bewusste weltanschauliche Setzungen sind, die das Weibliche als abgeleitet darstellen.
In der Gnosis ist Eva nicht die "Sünderin", sondern eine weise, pneumatische Frau, die Adam Erkenntnis vermittelt und damit eine positive, aufklärerische Rolle einnimmt.
Es bezeichnet einen geistigen Kern oder Funken, der den Menschen mit dem göttlichen Pleroma verbindet und ihn befähigt, die materielle, vom Demiurgen geschaffene Welt zu transzendieren.
Norea erscheint als Tochter Evas und verkörpert eine eigenständige, göttlich stammende Weisheit, die sich erfolgreich der Verfügungsgewalt der Archonten entzieht.
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