Magisterarbeit, 2007
93 Seiten, Note: 1,3
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Einleitung
Die Arbeit von Eric Dunning
Die Soziogenese des Hooliganismus
Die Psychogenese der Hooligans
Kritik
Ein neuer Ansatzpunkt in der Hooliganforschung
Dichte Beschreibung der Hooligangewalt
Vergleich der untersuchten Gewaltform
Olympia und Delphi
Tacitus und Pompeji
Factiones
Gewalttätige Jugendgruppen in der Frühen Neuzeit
Auf dem Land
In der Stadt
Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Zivilisationstheorie eine geeignete analytische Schablone zur Erklärung des Hooliganismus darstellt, wobei der Fokus insbesondere auf dem konkreten Ablauf der Gewalthandlungen anstelle rein soziologischer Motivforschung liegt.
Dichte Beschreibung der Hooligangewalt
Der eigentliche Zeitpunkt des Kampfes spielt an sich keine Rolle. Ein Kampf kann vor, während oder nach einem Spiel stattfinden. Der Augenblick ist nicht von Bedeutung, weil er am Ablauf der Gewalt nichts ändert. Bevor sich die beiden Hooligangruppen überhaupt gegenüberstehen heißt es zunächst, den Gegner ausfindig machen und die anwesende Polizei abzuschütteln. Zur Ankurbelung des Adrenalinspiegels dienen der Gruppe Schramms sowohl reichlicher Alkoholkonsum als auch die scheinbar endlosen Jagden und Ruhephasen durch die Stadt auf der Suche nach den Gegnern.
"... und wir fühlen uns großartig. irre, dieses kribbeln im bauch. die stimmung steigt proportional zur spannung und ist kurz vor dem überkochen. alles reckt die Faust in die Luft, irgendein schlachtruf ertönt, und dann sind wir da."
Die Schilderungen von Schramm spiegeln dabei die Situation der späten 80er und frühen 90er Jahre in Deutschland wider. Heute stellt sich ein zustande kommen eines Treffens zwischen Hooligangruppen schwieriger dar. Durch die Strategien der Ordnungskräfte ein Aufeinandertreffen von zwei Hooligangruppen zu verhindern sind diese gezwungen worden, sich gründlich, beinahe konspirativ, vorzubereiten. Damit entstand die Notwendigkeit, Hooligankämpfe durch eine strategische Planung herbeizuführen, die meistens beide Gruppen mit einbezieht. Das heißt nichts anderes, als dass ein Kampf von der Gruppe ein beträchtliches Maß an Planung, Organisation und vom einzelnen Hooligan einen entsprechenden Vorsatz zur Schlägerei erfordert. Schon allein aufgrund dieser Voraussetzung ist die noch immer teilweise vertretene Annahme nicht haltbar, dass die Gewalt der Hooligans allein auf Frustrationserlebnisse, wie Monotonie, Langeweile, Alkoholkonsum und Deprivation als Motivgrundlage zurückgeführt werden kann. Für einfache Formen des Vandalismus mag dies zwar gelten, aber für ein bewusstes Treffen an dessen Endpunkt eine Schlägerei steht, in der man selbst Opfer werden kann, ist dies nicht plausibel.
Einleitung: Der Autor erläutert seine Motivation, das Phänomen Hooliganismus über soziologische Standarderklärungen hinaus durch eine Analyse des tatsächlichen Gewaltablaufs zu erforschen.
Die Arbeit von Eric Dunning: Dieses Kapitel analysiert Dunnings Anwendung der Zivilisationstheorie auf das Fußballphänomen und seine daraus abgeleiteten Erklärungsmodelle für Hooligangewalt.
Ein neuer Ansatzpunkt in der Hooliganforschung: Der Autor plädiert für einen Methodenwechsel weg von rein deduktiven Ursachenanalysen hin zu einer "Dichten Beschreibung" der konkreten Gewalthandlung.
Vergleich der untersuchten Gewaltform: Historische Beispiele, von antiken Wagenrennen bis zu frühneuzeitlichen Burschenschaften, werden herangezogen, um den Gewalttypus des Hooliganismus einzuordnen.
Fazit: Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Hooliganismus keinem einfachen Zivilisationsprozess folgt und dass Gewalt in Gruppen als konstantes historisches Phänomen betrachtet werden muss.
Hooliganismus, Gewaltforschung, Zivilisationstheorie, Eric Dunning, Dichte Beschreibung, Fußballgewalt, Männlichkeit, Fan-Kultur, Soziogenese, Psychogenese, Kampf, Jugendgruppen, Geschichte, Gewaltpraxis, Interdependenz.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Hooliganismus als Gewaltphänomen unter besonderer Berücksichtigung des tatsächlichen Ablaufs von Auseinandersetzungen.
Im Zentrum stehen die Kritik an soziologischen Erklärungsmodellen, die Erforschung der Gewaltpraxis und der historische Vergleich mit früheren Formen kollektiver Gewalt.
Das Ziel ist es zu prüfen, ob die Zivilisationstheorie nach Elias und Dunning zur Erklärung des Hooliganismus taugt, indem eine "Dichte Beschreibung" des Gewaltgeschehens angewandt wird.
Der Autor nutzt eine induktive Vorgehensweise, gestützt auf die Methode der "Dichten Beschreibung" nach Clifford Geertz, sowie historische Vergleiche.
Der Hauptteil analysiert das theoretische Konstrukt von Eric Dunning, kritisiert dessen Schwächen und untersucht gewalttätige Auseinandersetzungen in der Antike und der Frühen Neuzeit.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Hooliganismus, Zivilisationstheorie, Gewaltpraxis, Männlichkeit und historische Kontinuität.
Da eine teilnehmende Beobachtung bei heutigen Hooligans kaum möglich ist, liefert Schramms zeitnaher, authentischer Bericht eine seltene empirische Basis für eine "Dichte Beschreibung".
Obwohl der Kampfmodus (zwei Gruppen ohne Waffen) historisch ähnlich ist, ist der heutige Hooliganismus in eine spezifische subkulturelle, durch Massenmedien geprägte Struktur eingebettet.
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