Magisterarbeit, 2007
125 Seiten, Note: 1.0
Magisterarbeit
1. Einleitung
2. Ballstaedts Konzeption – Texte verstehen, Texte gestalten
2.1 Resümee
3. Schema-Begriff: Schema, Frame und Script
3.1 Bartletts Schemata
3.2 Schank und Abelsons Scripts
3.3 Minskys Frames
3.4 Frames bei Goffman und bei der Kontextualisierungstheorie
3.4.1 Goffmans Rahmen
3.4.2 Kontextualisierung
3.5 Resümee
4. Schemata – Erwerb, Struktur, Lernen
4.1 Erwerb von Schemata
4.2 Struktur von Schemata
4.2.1 Repräsentation von Begriffsrelationen im LZG
4.2.1.1 Der Teachable Language Comprehender
4.2.1.2 Das Aktivationsausbreitungsmodell
4.2.1.3 Das PDP-Modell
4.2.2 Konzepte
4.2.2.1 Repräsentation von Konzepten im LZG
4.2.2.2 Konzepte als Schemata
4.2.3 Schemata als konnektionistische Netzwerke
4.2.3.1 Wissenserwerb
4.2.3.2 Lernen in neuronalen Netzwerken
4.3 Funktionen von Schemata für den Wissenserwerb
4.3.1 Aufmerksamkeitssteuerung
4.3.2 Integrationsfunktion
4.3.3 Modalität der gespeicherten Informationen
4.4 Resümee
5. Bedeutungskonstitution
5.1. Der Prozess der Bedeutungskonstitution
5.2 Ein interaktives Aktivierungsmodell der Worterkennung
5.2.1 PDP-Modelle und Worterkennung: Der CID-Mechanismus
5.3 Die Satzebene
5.3.1 PABLO (Programmable Blackboard Model)
5.3.2 Semantische Analyse bei PDP-Modellen
5.4 Die Beziehung lexikalischer Einheiten zu konzeptuellen Strukturen
5.5 Resümee
6. Ein schematheoretisches Lesemodell: Das zyklische Modell der Textverarbeitung
6.1 Das Modell von Kintsch & van Dijk (1978)
6.1.1 Die Struktur des semantischen Gedächtnisses
6.1.2 Die Textbasis
6.1.3 Inferenzen
6.1.4 Zyklische Textverarbeitung
6.1.5 Die Makrostruktur
6.1.6 Die Rolle von Schemata bei der Erstellung von Makrostrukturen
6.1.7 Kritik
6.2 Die Top-down-Variante des zyklischen Modells
6.2.1 Strategiegeleitete Textverarbeitung
6.2.1.1 Kontextuelle Strategien
6.2.1.2 Sprachliche Strategien
6.2.2 Lokale und globale Kohärenz
6.2.3. Kontextuelle und textuelle Makrostrategien
6.2.4 Schematische Strategien: Superstrukturen
6.2.5 Das Situationsmodell
6.3 Resümee
7. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie schematheoretische Wissensstrukturen den Leseprozess und das Textverstehen maßgeblich beeinflussen und steuern. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der Leser durch die Aktivierung von gespeichertem Vorwissen in Form von Schemata, Frames und Scripts in die Lage versetzt wird, explizite sowie implizite Informationen eines Textes zu verarbeiten, Inferenzen zu bilden und die Kohärenz des Gelesenen sicherzustellen.
1. Einleitung
Wenn man einen Satz oder einen zusammenhängenden Text liest, oder gar ein ganzes Gespräch zwischen zwei oder mehreren Interaktanten verfolgt, dann wird schnell klar, dass es nicht allein das semantische und lexikalische Wissen ist, das benötigt wird, um die Bedeutung dessen zu verstehen, was da gelesen oder gehört wird. Dazu ein Beispiel (nach Schwarz 1992: 93): „Müllers sahen die Alpen, als sie nach Italien flogen“. Hier stößt das semantisch-lexikalische Wissen an seine Grenzen, denn durch die Ambiguität des Pronomens „sie“ wird aus dem Satzwissen allein nicht klar, wer oder was da fliegt. Für einen halbwegs kompetenten Sprecher des Deutschen birgt dieser Satz dennoch keine Schwierigkeiten, denn er weiß nun einmal, dass die Alpen ein Gebirge sind und dass diese nicht fliegen können.
Bleiben nur noch Müllers, wovon er ersteinmal wissen muss, dass dieses Wort auf eine Gruppe von Personen verweist, die zusammen eine Familie bilden, die zwar auch nicht ohne weiteres fähig sind zu fliegen, weil diese Möglichkeit nur denjenigen Tieren und Insekten vorbehalten ist, die Flügel haben oder die leicht genug sind, vom Wind getragen zu werden. Aber immerhin ist es auch menschlichen Personen möglich zu fliegen – und zwar mittels eines Fluggeräts, das normalerweise ein Flugzeug sein wird. Doch all diese Informationen, die hier explizit gemacht worden sind, standen gar nicht im obigen Beispielsatz, sondern wurden inferiert – und zwar auf der Grundlage von Wissen, das es möglich macht, auch einzelne Satzfragmente innerhalb eines Kontextes zu verstehen.
1. Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht anhand von Beispielen, dass für das Textverstehen weit mehr als nur semantisches und lexikalisches Wissen erforderlich ist, nämlich die Aktivierung von umfangreichem Hintergrundwissen.
2. Ballstaedts Konzeption – Texte verstehen, Texte gestalten: Dieses Kapitel gibt einen ersten Überblick über schematheoretische Lesemodelle und diskutiert Ballstaedts Definition eines Schemas als konzeptuelles Teilsystem im semantischen Netzwerk.
3. Schema-Begriff: Schema, Frame und Script: Hier werden die zentralen Begriffe der Schematheorie anhand ihrer Vertreter Bartlett (Schemata), Schank & Abelson (Scripts), Minsky (Frames) sowie Goffman (Rahmen) detailliert differenziert und gegenübergestellt.
4. Schemata – Erwerb, Struktur, Lernen: Dieses Kapitel analysiert, wie Schemata strukturell aufgebaut sind, wie sie erworben werden und welche prozessualen Eigenschaften sie im Kontext konnektionistischer Netzwerke besitzen.
5. Bedeutungskonstitution: Der Fokus liegt hier auf den kognitiven Operationen, die von der reinen Wahrnehmung eines Wortes zur Aktivierung korrelierender Konzepte und zur Bedeutungskonstitution auf Satzebene führen.
6. Ein schematheoretisches Lesemodell: Das zyklische Modell der Textverarbeitung: Dieses Kapitel erörtert das Modell von Kintsch & van Dijk (1978) und dessen Top-down-Variante, um aufzuzeigen, wie Wissen auf Satz- und Makrostrukturebene das Verständnis steuert.
7. Schluss: Der Schluss fasst die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont das Textverstehen als hochgradig interaktiven Prozess zwischen Textinformationen und kognitiven Wissensstrukturen.
Textverstehen, Schematheorie, Frame, Script, Kognitive Netzwerke, Bedeutungskonstitution, Wissenserwerb, Modell von Kintsch & van Dijk, Inferenz, Arbeitsgedächtnis, Propositionen, Makrostruktur, Konnektionismus, Semantisches Gedächtnis.
Die Arbeit untersucht, wie kognitive Schemata als Wissensstrukturen den Prozess des Textverstehens ermöglichen und steuern, indem sie über rein semantisches Wissen hinausgehen.
Die Untersuchung umfasst die begriffliche Abgrenzung von Schemata, Frames und Scripts sowie deren Rolle beim Wissenserwerb und der parallelen Informationsverarbeitung durch den Leser.
Ziel ist es, die Beteiligung schematisch organisierter Wissensstrukturen am Leseprozess zu ergründen und die notwendigen kognitiven Operationen zur Bedeutungskonstitution darzulegen.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse psycholinguistischer Modelle der Textverarbeitung und der Verknüpfung dieser mit konnektionistischen Netzwerkmodellen der Kognitionspsychologie.
Der Hauptteil analysiert intensiv die Struktur von Schemata, ihre Rolle im Gedächtnis, das zyklische Modell der Textverarbeitung nach Kintsch & van Dijk und die Bedeutung von Kontextualisierung für das Verstehen.
Wesentliche Begriffe sind Textverstehen, Schematheorie, Kognitive Netzwerke, Bedeutungskonstitution, Inferenzbildung und das zyklische Modell der Textverarbeitung.
Die Arbeit stellt heraus, dass "Scripts" eher dynamisches Handlungswissen beschreiben, während "Schemata" und "Frames" statischere Wissenspakete über Gegenstände und Sachverhalte repräsentieren.
Kontextualisierungshinweise (wie Satzzeichen oder Überschriften) dienen im geschriebenen Text als Signale, die dem Leser helfen, das passende Schema als Interpretationsrahmen zu aktivieren.
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