Magisterarbeit, 2006
97 Seiten, Note: 1,5
Einleitung
1. Das Symmetrieprinzip der Akteur-Netzwerk-Theorie
1.1 Die Entstehung des Symmetrieprinzips in der Wissenschaftsforschung
1.1.1 Die Nachahmung des Sozialkonstruktivismus in der Technikforschung
1.2 Das generalisierte Symmetrieprinzip
1.3 Netzwerkbilden als Erklärungsanspruch
1.3.1 Vom Öffnen und Schließen schwarzer Kisten
1.3.1.1 Aktanten als Agenten des Netzwerkbildens
1.3.1.2 Aktanten als Resultat des Netzwerkbildens
1.3.2 Die Dauerhaftigkeit von Netzwerken
1.4 Das Scheitern des symmetrischen Anspruchs
1.4.1 Das Symmetrieprinzip in der Selbstanwendungsfalle
1.4.2 Eine ungerechtfertigte Symmetrisierung
1.5 Vom Symmetrieprinzip zu einer Soziologie der Technik?
2. Agency: Auf dem Weg zu einer Handlungstheorie der Technik
2.1 Die Soziologie und die Technik
2.1.1 Überblick über die Genese der Techniksoziologie
2.1.2 Überblick über techniksoziologische Theorieperspektiven
2.1.2.1 Technik als Materialität, Medium und in der Praxis
2.2 Techniksoziologie als Sozialtheorie
2.2.1 Technik und Gesellschaftstheorie: ein vierter Weg?
2.2.2 Vorbereitung: Klassifikationen zum Verhältnis von Technik und Handeln
2.2.2.1 Die Be- und Zuschreibungsperspektive
2.2.2.2 Die Beobachtungsperspektive
2.2.3 Erster Schritt: Das Konzept gradualisierten Handelns
2.2.3.1 Zuschreibung und Beobachtung als Objektivierungen
2.2.4 Zweiter Schritt: Technik in Aktion als distributed actions
3. Untersuchungen zur Handlungsbeteiligung von Technik
3.1 Begrenzung der Handlungsfähigkeit durch Zuschreibung
3.2 Zuschreibung versus Beobachtung: ein Scheinproblem?
3.2.1 Eine kritische Begrenzung des Sozialen?
3.2.2 Deutungspraktiken und technische Handlungsträgerschaft
3.3 Eingrenzung der Handlungsfähigkeit durch den Kontext
3.3.1 Softwareagenten: verkörpert und körperlos
3.3.2 Software im engen Kontext der Teilchenphysik
3.4 Zwischenfazit: Stufen der Handlungsbeteiligung
4. Ähnlichkeiten und Unterschiede I: Sachtechnik
4.1 Ressourcen des Handelns als Dualität von Ressourcen und Routinen
4.2 Die soziale Bedeutung gegenständlicher Technik
4.2.1 Das soziale Verhältnis zwischen Experten und Laien
4.2.2 Analogie zwischen Expertenhandeln und Sachtechnik
4.3 Über die besondere Mitwirkung der Dinge
4.4 Fazit: Die Grenzen der Äquivalenz
5. Ähnlichkeiten und Unterschiede II: Künstliche Intelligenz
5.1 Die Paradigmen der klassischen KI-Forschung
5.2 New Artificial Intelligence und die Robotik
5.2.1 Grundlagen des verhaltensbasierten Ansatzes
5.2.1.1 Autonomie, Embodiment und Situiertheit
5.2.2 Koordiniertes Spiel?: Die Architektur der Fußballroboter
5.3 Distributed Artificial Intelligence und die Sozionik
5.3.1 Sozionik: An der Schnittstelle von Soziologie und VKI
5.3.2 Innovation durch Konzepttransfer: Multiagentensysteme
5.3.2.1 BDI-Architektur und Offene Systeme
5.4 Fazit: Ähnlichkeit als Konstruktionsprinzip
Schluss
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Verhältnisses von menschlichen und technischen Aktivitäten in der neueren deutschen Techniksoziologie. Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage zu klären, welche Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen diesen beiden Formen von Aktivität bestehen und wie die Handlungsfähigkeit technischer Artefakte soziologisch erfasst werden kann.
1.3.1.1 Aktanten als Agenten des Netzwerkbildens
Wird der Übersetzungsprozess über die Aktanten erschlossen, welche auf die Bildung von Netzwerken Einfluss ausüben, dann spricht man vom Schließen einer black box. Als Beispiel dafür gilt Latours Beschreibung eines Schlüsselanhängers.
Das Ausgangsproblem, das dieser Aktant lösen soll, besteht darin, dass ein Hotelier seine Gäste dazu bringen möchte, beim Verlassen des Hotels ihre Schlüssel an der Rezeption abzugeben. Ob die mündliche Aussage genügt, die der Hotelier mit dem Imperativ der französischen Sprache auflädt bzw. befrachtet, hängt von der Disziplin und der Moral der Hotelgäste ab, dieser Aufforderung nachzukommen. Ist diese nur schwach ausgeprägt, wird der Hotelier z. B. Hinweisschilder aufstellen und weitere Befrachtungen vornehmen müssen, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. Eine davon ist der Schlüsselanhänger, der als „dicke gusseiserne Kugel“ die einfache Aussage ersetzt und vom Verbündeten des Hoteliers, einem Neuerer, eingeführt wird. Die Gegenprogramme der Gäste, also die Angewohnheit, den Schlüssel mitzunehmen und ggf. zu verlieren, werden auf neuartige Weise durchkreuzt. Die Aufforderung des Schlüsselabgebens ist „in ein anderes Material übertragen“ und somit „übersetzt und transformiert“ worden. Für die Gäste steht nicht mehr im Vordergrund, aus Pflichtgefühl einen Schlüssel abzugeben, sondern aus egoistischen Gründen einen lästigen, weil schweren Gegenstand loszuwerden. Daraus folgt, dass die ‚starke Moral’ des Schlüsselanhängers die schwache Moral der Menschen ergänzt hat.
1. Das Symmetrieprinzip der Akteur-Netzwerk-Theorie: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge des Symmetrieprinzips in der Wissenschaftsforschung und diskutiert die Netzwerkbildung als zentralen Erklärungsanspruch innerhalb der Akteur-Netzwerk-Theorie.
2. Agency: Auf dem Weg zu einer Handlungstheorie der Technik: Hier wird der techniksoziologische Diskurs skizziert und ein Konzept für eine Handlungstheorie der Technik vorgestellt, das auf gradualisiertem Handeln und verteilter Aktion basiert.
3. Untersuchungen zur Handlungsbeteiligung von Technik: Dieses Kapitel vertieft die Analyse durch Fallbeispiele, in denen die Handlungsfähigkeit von Technik durch Zuschreibung, Kontext und Beobachtung näher bestimmt wird.
4. Ähnlichkeiten und Unterschiede I: Sachtechnik: Der Fokus liegt auf der sozialen Bedeutung von Sachtechnik, wobei diese als Dualität von Ressourcen und Routinen im Sinne einer Arbeitsteilung zwischen Experten und Laien konzipiert wird.
5. Ähnlichkeiten und Unterschiede II: Künstliche Intelligenz: Die abschließende Analyse widmet sich den avancierten Technologien, insbesondere der Robotik und der Multiagentensysteme, und diskutiert Konstruktionsprinzipien wie Ähnlichkeit und Kooperation.
Akteur-Netzwerk-Theorie, Symmetrieprinzip, Techniksoziologie, Handlungsfähigkeit, Agency, Sachtechnik, Künstliche Intelligenz, Roboter, Softwareagenten, Sozionik, Ressourcen, Routinen, Übersetzung, Kooperation, Handlungsträgerschaft.
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von menschlichen und technischen Aktivitäten aus soziologischer Sicht und hinterfragt die traditionelle Trennung zwischen handelnden Menschen und bloß funktionalen Maschinen.
Die zentralen Themen sind die Akteur-Netzwerk-Theorie, der Begriff der technischen Handlungsfähigkeit (Agency), die soziale Rolle von Sachtechnik sowie die Entwicklung autonomer Systeme in der KI-Forschung.
Ziel ist es, Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen menschlichen und technischen Aktivitäten empirisch begründet zu erfassen, ohne dabei auf apriorische Dualismen zwischen Gesellschaft und Technik zurückzugreifen.
Die Autorin nutzt eine theoretisch-soziologische Analyse, kombiniert mit der Aufarbeitung von Fallstudien aus der Wissenschaftsforschung, Informatik und Techniksoziologie, um eine konsistente Theorieperspektive zu entwickeln.
Im Hauptteil werden Konzepte wie das Symmetrieprinzip, die Gradualisierung von Handeln sowie die soziale Einbettung von Technik durch Ressourcen und Routinen in verschiedenen Anwendungsfeldern diskutiert.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Akteur-Netzwerk-Theorie, Sachtechnik, Handlungsbeteiligung, künstliche Interaktionen, Multiagentensysteme und die soziale Konstruktion von Technik.
Sachtechnik funktioniert primär nach kausalen Prinzipien und entlastet Laien durch ihre funktionale Fixierung, während avancierte Systeme wie Softwareagenten durch Kontingenz und interaktive Anpassung eine komplexere, oft intentional gedeutete Handlungsbeteiligung aufweisen.
Der Begriff beschreibt eine Situation, in der ein technisches System zwar kein Akteur im menschlichen Sinne ist, ihm aber durch das Handeln realer Akteure ein Akteursstatus zugeschrieben wird, um soziale Interaktionsprozesse zu strukturieren.
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