Diplomarbeit, 2007
157 Seiten, Note: 1,0
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1. EINFÜHRUNG
2. THEORETISCHER UND EMPIRISCHER HINTERGRUND
2.1 Gedächtnis und Erinnerungen
2.1.1 Definition Gedächtnis und Erinnerung
2.1.2 Zwei-Komponenten-Theorie des Gedächtnisses (Atkinson & Shiffrin, 1968)
2.1.3 Ansätze zur Differenzierung des Langzeitgedächtnisses
2.1.4 Theorie der Verarbeitungstiefe (Craik & Lockhardt, 1972)
2.1.5 Aktueller Stand der Forschung zum Gedächtnis
2.1.6 Autobiografisches Gedächtnis (ABG)
2.1.6.1 Definition des autobiografischen Gedächtnisses
2.1.6.2 Abgrenzung autobiografisches (Brewer) vs. episodisches Gedächtnis (Tulving)
2.1.6.3 Aktueller Stand der Forschung zum autobiografischen Gedächtnis: Das bio-psycho-soziale Entwicklungsmodell des autobiografischen Gedächtnisses (Markowitsch & Welzer, 2006)
2.1.7 Erinnerbarkeit von Ereignissen
2.1.7.1 Partiell-rekonstruktivistische Position (Brewer, 1986)
2.1.7.2 Rekonstruktivistische Position (Barclay, 1986)
2.1.7.3 Aktueller Stand der Forschung zur Erinnerbarkeit von Ereignissen
2.2 Schmerz
2.2.1 Definition von Schmerz
2.2.2 Schmerz und Gedächtnis
2.3 Zahnbehandlungsangst und Zahnbehandlungsphobie
2.3.1 Definitionen
2.3.2 Prävalenzen
2.3.3 Korrelate
2.3.4 Ätiologie
2.3.5 Aktueller Stand der Forschung zur Zahnbehandlungsangst
2.3.6 Angst und Gedächtnis
2.4 Zusammenhang zwischen Angst und Schmerz im zahnärztlichen Setting
3. FRAGESTELLUNGEN UND HYPOTHESEN
3.1 Zusammenhang zwischen erinnertem Angstniveau und berichtetem Angstausmaß zum Zeitpunkt des Erstbesuchs
3.2 Vorhersagbarkeit von erinnerter Art der Behandlung, erinnertem Schmerzniveau und erinnertem Angstniveau durch die Zeit zwischen Erstbesuch und Interview
3.3 Zusammenhang zwischen Angstniveau und Schmerzniveau
3.4 Explorative Fragestellungen
4. BESCHREIBUNG DER METHODE
4.1 Versuchsdesign und Rekrutierung der Probanden
4.2 Erhebungsinstrumente
4.2.1 Telefonisches Interview
4.2.1.1 Grundlagen
4.2.1.2 Konstruktion des Interviews
4.2.2 Anamnesebogen
4.2.3 DMFT-Index
4.3 Beschreibung der angewandten statistischen Verfahren
4.3.1 Vergleich der in die Studie aufgenommenen vs. der aus der Studie ausgeschlossenen Probanden
4.3.2 Auswertungsdesign für die erste Forschungshypothese
4.3.3 Auswertungsdesign für die zweite Forschungshypothese
4.3.4 Auswertungsdesign für die dritte Forschungshypothese
4.3.5 Auswertungsdesign für die vierte Forschungshypothese
4.3.6 Auswertungsdesign für die fünfte Forschungshypothese
4.4 Zusätzliche erklärende Variablen
4.5 Umgang mit Störfaktoren während des Interviews
5. ERGEBNISSE
5.1 Stichprobenbeschreibung
5.2 Vergleich der Teilnehmer und Nichtteilnehmer der Untersuchung
5.3 Deskriptive Befunde
5.3.1 Gründe für Nichtbesuch des Zahnarztes
5.3.2 Ursachen für Zahnbehandlungsangst
5.3.3 Angstauslösende Faktoren
5.4 Prüfung der einzelnen Forschungshypothesen
5.4.1 Prüfung der ersten Forschungshypothese
5.4.2 Prüfung der zweiten Forschungshypothese
5.4.3 Prüfung der dritten Forschungshypothese
5.4.4 Prüfung der vierten Forschungshypothese
5.4.5 Prüfung der fünften Forschungshypothese
6. DISKUSSION
6.1 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
6.1.1 Zusammenhang zwischen erinnertem und zum Zeitpunkt des Erstbesuchs berichtetem Angstniveau (Hypothese 1)
6.1.2 Zeit als Prädiktor für den Zusammenhang zwischen erinnerter und beim Erstbesuch erhaltener Hypnoseart (Hypothese 2)
6.1.3 Zeit als Prädiktor für das erinnerte Angstniveau (Hypothese 3)
6.1.4 Zeit als Prädiktor für das erinnerte Schmerzniveau (Hypothese 4)
6.1.5 Zusammenhänge zwischen Angstniveau und Schmerzniveau (Hypothese 5)
6.1.6 Zusammenfassung
6.2 Methodenkritische Aspekte
6.3 Ausblick
Die Diplomarbeit untersucht rekonstruktive Effekte des Gedächtnisses für Angst und Schmerz bei Patienten einer Zahnarztpraxis. Das primäre Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen dem Angst- und Schmerzerleben bei der ersten Behandlung und späteren Erinnerungen daran zu analysieren, wobei insbesondere der zeitliche Abstand zwischen Erstbesuch und Interviewtermin als Prädiktor betrachtet wird.
2.1.7 Erinnerbarkeit von Ereignissen
In einem Artikel von Fuchs (1992) wird Erinnerung definiert als „spezifischer intentionaler Bewusstseinsakt, der auf die persönliche Vergangenheit gerichtet ist“ (S.282). Bartlett (1932) zufolge ist Erinnerung allerdings eher eine „imaginative Rekonstruktion“ (S.213; zit. aus Fuchs, 1992), als ein bloßes Hervorkramen von Inhalten aus dem Gedächtnis. Die ursprüngliche „Kopie-Theorie“ (Fuchs, 1992, S.283) des autobiografischen Gedächtnisses kann heute nur noch bei Erinnerungen an erst kürzlich stattgefundene Ereignisse angewendet werden. Denn es werden zusätzlich zu den reinen Wahrnehmungsdaten die Interpretation und subjektive Erfahrung eines Ereignisses gespeichert (Linton, 1975; Neisser, 1982; Brewer, 1986). Somit kommt die rekonstruktive Komponente immer mehr zur Geltung, je mehr zeitlicher Abstand zum Ereignis besteht (Fuchs, 1992). Empirische Belege, die diese These stützen, sind u.a. bei Nigro und Neisser (1983) nachzulesen. Die Autoren (ebd., 1983) zeigten, dass je mehr Zeit zwischen dem Ereignis und der abgerufenen Erinnerung besteht, diese Erinnerungen immer weniger dem ursprünglichen Blickwinkel der Person entsprechen, sondern stattdessen neu konstruiert werden. Auch Rubin, Wetzler und Nebes (1986) erörtern Belege dafür, dass autobiografische Erinnerungen umso schlechter erinnert werden, je mehr Zeit seit dem Ereignis vergangen ist. Personen haben demnach eher Erinnerungen an Erlebnisse, die vor einem Monat oder einem Jahr stattfanden, als an Ereignisse, die länger zurückliegen.
1. EINFÜHRUNG: Die Arbeit leitet in die Problematik des Angst- und Schmerzerlebens bei Zahnbehandlungen ein und skizziert die Zielsetzung, rekonstruktive Gedächtniseffekte bei Patienten zu untersuchen.
2. THEORETISCHER UND EMPIRISCHER HINTERGRUND: Dieses Kapitel liefert eine fundierte Übersicht zu Gedächtnismodellen, den Phänomenen Schmerz und Zahnbehandlungsangst sowie deren bisher erforschten Interaktionen.
3. FRAGESTELLUNGEN UND HYPOTHESEN: Hier werden die fünf spezifischen Forschungshypothesen der Diplomarbeit hergeleitet, die den Zusammenhang zwischen Zeit, Angst und Schmerzgedächtnis fokussieren.
4. BESCHREIBUNG DER METHODE: Es wird das Versuchsdesign beschrieben, welches auf einer telefonischen Befragung von 85 Angstpatienten basiert, inklusive der verwendeten Messinstrumente und statistischen Auswertungsverfahren.
5. ERGEBNISSE: In diesem Teil werden die deskriptiven Daten der Stichprobe sowie die statistische Prüfung der aufgestellten Hypothesen unter Einbeziehung der erhobenen Daten präsentiert.
6. DISKUSSION: Das abschließende Kapitel interpretiert die Ergebnisse kritisch vor dem Hintergrund bestehender Theorien, diskutiert methodische Aspekte und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsnotwendigkeiten.
Zahnbehandlungsangst, Schmerzgedächtnis, autobiografisches Gedächtnis, rekonstruktive Erinnerung, zahnärztliche Behandlung, Angstniveau, Schmerzniveau, Zeitfaktor, Hypnose, Patientenbefragung, Gedächtnisverzerrung, Compliance, Angstpatienten, Schmerzverarbeitung, psychologische Faktoren.
Die Arbeit untersucht, wie Patienten ihr Angst- und Schmerzerleben bei zahnärztlichen Behandlungen im Gedächtnis speichern und ob diese Erinnerungen mit der Zeit durch rekonstruktive Prozesse verzerrt werden.
Die zentralen Themen sind das autobiografische Gedächtnis, die psychologischen Aspekte von Schmerz, die Ätiologie von Zahnbehandlungsangst und die Bedeutung von Zeitabständen für das korrekte Erinnern dieser Erlebnisse.
Das Ziel ist es zu klären, inwiefern der Faktor "Zeit zwischen Erstbesuch und Interview" die Erinnerung an Angstniveau, Schmerz und begleitende Hypnosetechniken bei Zahnbehandlungspatienten beeinflusst.
Es wurde ein strukturiertes telefonisches Interview mit einer Stichprobe von 85 Angstpatienten durchgeführt, deren Angaben deskriptiv ausgewertet und mittels linearer sowie logistischer Regressionsanalysen statistisch überprüft wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende theoretische Fundierung, die Ableitung von fünf Hypothesen, die genaue Beschreibung der methodischen Vorgehensweise und die Darstellung der empirischen Ergebnisse.
Zahnbehandlungsangst, Schmerzgedächtnis, autobiografisches Gedächtnis, rekonstruktive Erinnerung, Angstniveau und Schmerzniveau.
Die Studie zeigt einen bedeutsamen Einfluss: Je mehr Behandlungstermine ein Patient wahrnimmt, desto intensiver erinnert er sich an seine Angst beim ersten Zahnarztbesuch, was mit dem psychologischen Konzept des „Überlernens“ erklärt wird.
Störungen während der Telefonbefragung zeigten einen signifikanten mediierenden Effekt, der dazu führt, dass das damalige Angstniveau in der Erinnerung geringer eingestuft wird.
Obwohl ein Zeiteffekt nachweisbar war, entsprach die Richtung der Veränderung nicht den Erwartungen der Literatur, da der Schmerz beim Erstbesuch mit zunehmender Zeit in der Erinnerung paradoxerweise höher eingestuft wurde.
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