Examensarbeit, 2007
122 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Themenstellung
1.2. Darstellung der derzeitigen fachwissenschaftlichen Literatur
1.3. Methodisches Vorgehen der Arbeit/ Aktenlage in den Archiven
2. Der internationale und nationale Rahmen
2.1. Begriffsdefinition „Prager Frühling“
2.2. Reflektion der politischen Entwicklung in der Tschechoslowakei
2.3. ČSSR im Fokus der sozialistischen Staaten
2.4. Ablauf der Ereignisse in Prag
2.5. Rolle der SED
2.6. Verhältnis Prager Frühling und NVA
3. Die Reaktionen im Bezirk Karl-Marx-Stadt
3.1. Aktivitäten im Bezirk bis zum 21.08.1968
3.1.1. SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt
3.1.2. Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt des MfS
3.1.3. Verhalten der Bevölkerung
3.2. Informationsquellen der DDR-Bevölkerung
3.3. Auswirkungen des Einmarsches
3.3.1. Lage an den Grenzen
3.3.2. Innerhalb der SED
3.3.3. In den Kirchen
3.3.4. Unter den Werktätigen – in den Betrieben
3.3.5. Innerhalb der Intelligenz
3.3.6. Wahrnehmbare Aktivitäten von staatlicher Seite als (Gegen-) Reaktion
3.4. Schwerpunkte der Veränderungsforderungen aus der Gesellschaft
4. Schluss
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Reaktionen auf den „Prager Frühling“ von 1968 und dessen militärische Niederschlagung innerhalb des DDR-Bezirks Karl-Marx-Stadt. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, ob die Bevölkerung des Grenzbezirks aufgrund der räumlichen Nähe Sympathien für die tschechoslowakischen Reformbestrebungen hegte und wie sich diese eventuell in Denkweisen oder Aktivitäten äußerte.
1.1. Themenstellung
1968 – ein sehr ereignisreiches Jahr in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts? Überall auf der Welt wird man mit Brennpunkten konfrontiert; denkt man dabei an das Vorgehen der Vereinigten Staaten von Amerika in Vietnam, gegen welches sich weltweite Proteste erhoben. Ebenso rief die Ermordung des Bürgerrechtlers Martin Luther King große Anteilnahme hervor. In Frankreich kommt es zu Maiunruhen und einem Generalstreik. Die Bundesrepublik, seit jenem Jahr erstmals von einer Großen Koalition aus CDU (Kanzler Kurt Georg Kiesinger) und SPD (Außenminister Willy Brandt) regiert, muss sich mit den Studentenprotesten auseinandersetzen. Weiter östlich fährt Leonid Breschnew in der Sowjetunion einen harten Kurs gegen jegliche liberale Tendenzen.
Ausgehend von dieser globalen Perspektive richtet sich der Blick auf Mitteleuropa, genauer die Deutsche Demokratische Republik (DDR) und die Tschechoslowakei (ČSSR). Bedingt durch die Herkunft des Autors aus dem mittleren Erzgebirge und der damit einhergehenden direkten Grenzlage zur heutigen Tschechischen Republik, liegt eine lokale Studie zu den regionalen Ereignissen im Jahr 1968 nahe. Die vorliegende Abhandlung ist insofern als Fortsetzung meiner Semesterarbeit zu den Ereignissen rund um den 17. Juni 1953 zu betrachten. Wurden im Frühsommer 1953 jegliche Reformbestrebungen in der DDR durch den Staatsapparat mit Unterstützung der sowjetischen Besatztruppen unterbunden, so regten sich 15 Jahre später in der ČSSR Veränderungsbestrebungen. In jenem Staat des „realen Sozialismus“ vollzogen sich im Frühjahr und Sommer 1968 Reformprozesse, „die das neostalinistische Herrschaftssystem ins Wanken brachten.“ Seitens der Parteiführungen in der Sowjetunion, DDR, Polen, Bulgarien und Ungarn wurde mit Misstrauen und Ablehnung reagiert. Nicht zuletzt stellte der Einmarsch der verbündeten Armeen am 21. August 1968 die größte militärische Aktion in Europa nach Ende des Zweiten Weltkriegs dar.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das historische Umfeld des Jahres 1968 ein und formuliert die spezifischen Forschungsfragen zur lokalen Wahrnehmung und Reaktion im Grenzbezirk Karl-Marx-Stadt.
2. Der internationale und nationale Rahmen: Dieses Kapitel definiert den „Prager Frühling“, beleuchtet die politischen Entwicklungen in der ČSSR sowie die Haltung der sozialistischen Staaten, der SED und der NVA gegenüber den Reformen.
3. Die Reaktionen im Bezirk Karl-Marx-Stadt: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Aktivitäten der SED-Bezirksleitung und des MfS sowie die Reaktionen der Bevölkerung, die Rolle der Informationsquellen und die Auswirkungen des Einmarsches auf verschiedene gesellschaftliche Schichten.
4. Schluss: Das Schlusskapitel greift die eingangs formulierten Leitfragen auf und führt diese basierend auf der durchgeführten Aktenauswertung zu einer fundierten Lösung.
Prager Frühling, DDR, Bezirk Karl-Marx-Stadt, ČSSR, SED, MfS, NVA, Reformprozess, 1968, Intervention, Warschauer Pakt, Grenzbezirk, politischer Widerstand, staatliche Überwachung, Sozialismus mit menschlichem Antlitz
Die Arbeit analysiert die spezifischen Auswirkungen des „Prager Frühlings“ von 1968 und dessen militärischer Niederschlagung auf den DDR-Bezirk Karl-Marx-Stadt.
Die Themen umfassen den internationalen politischen Rahmen, die Reaktionen von SED und Staatssicherheit vor Ort, die Stimmungslage der Bevölkerung sowie die Rolle der NVA.
Das Ziel ist es zu klären, inwieweit die Bevölkerung im Grenzbezirk Karl-Marx-Stadt Sympathien für die Reformen in der ČSSR entwickelte und wie sich dies in individuellen oder organisierten Reaktionen niederschlug.
Der Autor stützt sich primär auf die Auswertung von Archivbeständen des Staatsarchivs Chemnitz und der BStU-Außenstelle Chemnitz (MfS-Akten), ergänzt durch fachwissenschaftliche Literatur.
Der Hauptteil gliedert sich in Aktivitäten der SED- und MfS-Bezirksleitungen vor und nach dem Einmarsch, die Rolle der Kirche, die Situation unter der Arbeiterschaft und der Intelligenz sowie die staatlichen Gegenmaßnahmen.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Prager Frühling, SED, MfS, NVA, Grenzbezirk Karl-Marx-Stadt, Konterrevolution und Sozialismus mit menschlichem Antlitz.
Der Bezirk nahm durch seine direkte Grenzlage zur Bundesrepublik und zur Tschechoslowakei eine Sonderstellung ein, was ihn besonders für die Überwachung durch das MfS und für den Reiseverkehr relevant machte.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es keine großflächigen organisierten Widerstandsbewegungen gab, sich jedoch im Privaten und in den kritischen Äußerungen der Jugend sowie der Intelligenz eine „innere Opposition“ und weitreichende Sympathie mit den Reformern in Prag zeigte.
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