Diplomarbeit, 2002
81 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
THEORETISCHER TEIL
2. Homosexualität
2.1. Was ist Homosexualität?
2.2. Homosexualität - ein gesellschaftliches Reizthema
2.3. Homosexualität - ein kirchliches Reizthema
2.3.1. „Mit Spannungen leben“ - die offizielle Stellungnahme der EKD zur Homosexualität
2.3.2. Die Bewertung der Homosexualität in der kirchlichen sozialethischen Debatte um verschiedene Lebensformen
2.4. Homosexualität - ein theologisches Kontroversthema
2.4.1. Biblische Hermeneutik zur Homosexualität
2.4.2. Verschiedenheiten im Bibelverständnis
3. Kasualpraxis
3.1. Die Segnung homosexueller Paare als Kasualgottesdienst
3.2. Der Segen im Rahmen eines Kasualgottesdienstes
3.3. Die Trauung, oder: Die quasisakramentale Überhöhung einer ganz gewöhnlichen Segenshandlung
4. Zusammenfassung der Ergebnisse des Theorieteils: Spannungen wahrnehmen, oder: Der lange Weg von der Theorie zur Praxis
PRAKTISCHER TEIL
5. Eine Darstellung der Debatte
5.1. Überblick über die Diskussion in den Gliedkirchen der EKD
5.2. Kock, „Homosexuelle und Kirche“, Steinacker - Drei exemplarische Perspektiven innerhalb der Debatte
5.2.1. Der Kock-Brief
5.2.1.1. Darstellung
5.2.1.2. Bewertung
5.2.2. Die Reaktion der „Homosexuelle und Kirche“ (HuK) auf den Kock-Brief
5.2.2.1. Darstellung
5.2.2.2. Bewertung
5.2.3. Steinackers Rede auf der EKHN-Synode
5.2.3.1. Darstellung
5.2.3.2. Bewertung
5.3. Zusammenfassung
6. Resümee
Die Diplomarbeit untersucht die innerkirchliche Debatte der evangelischen Kirche in Deutschland zur Segnung homosexueller Paare. Zentrales Ziel ist es, die verschiedenen Spannungsfelder und Argumentationslinien zu analysieren, um die Frage zu beantworten, ob der kirchliche Widerspruch gegen eine solche Segnung heute noch theologisch und ethisch zu rechtfertigen ist.
2.1. Was ist Homosexualität?
Noch im Jahre 1794 konnte Homosexualität „wegen ihrer Abscheulichkeit ... nicht genannt werden“ (Preußisches Allgemeines Landrecht, zitiert in: Lautmann, in: Puff 1993, 15), 1869 tauchte die Bezeichnung zum ersten Mal auf, seit letztem Jahrhundert (also die 1900er Jahre) habe sie sich richtig eingebürgert (vgl. Lautmann, in: Puff 1993, 15). Wichtig ist die Frage: „Welche Homosexualität meinen wir, wenn wir das Wort verwenden?“ (ebd., 18) Es sei „längst nicht mehr sicher, daß wir mit demselben Wort auf dieselbe Angelegenheit zielen.“ (ebd.) Der Begriff „Homosexualität“ ist - ebenso wie seine inhaltliche Füllung und mit Sicherheit in Wechselwirkung damit - in der Diskussion: Oft grenzen sich Lesben von der Bezeichnung „Homosexuelle“ ab, da damit oftmals nur Schwule assoziiert würden. Die allgemeine Kritik am Begriff „Homosexuelle“ bemerkt, daß dieser einzig die sexuelle Ausrichtung bezeichne. Übersehen werde oft, daß Lesbisch- und Schwulsein mehr ist als nur eine sexuelle Ausrichtung: es kann identitätsstiftend sein und betrifft somit die gesamte Ausgestaltung des Lebens.
Dagegen wendet sich bspw. seit den 1990er Jahren der dekonstruktivistische Teil der lesbisch-feministischen Bewegung, der deutlich macht, was den Positionsbestimmungen lesbischer Identität oft fehlt: „Die Anerkennung der komplexen und komplizierten sozialen, psychischen und politischen Prozesse und Praxen der Konstitution von Identität ebenso wie der konstruierten und fragilen ‘Natur’ lesbischer Identität. Investiert wird dagegen oft nur in deren Auspolsterung und in die Überwachung der Identitätsgrenze.“ (Martin, zitiert in: Hark 1996, 11) Ich möchte damit zeigen, daß „Homosexualität“ nicht einfach definiert werden kann. Genau betrachtet müßte man wohl sagen: Wer sich selbst als homosexuell (lesbisch/schwul) betrachtet, die/der ist es auch - zumindest für sich selbst.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Debatte um die Segnung homosexueller Paare in den evangelischen Kirchen Deutschlands und Formulierung der leitenden Forschungsfrage.
2. Homosexualität: Theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen, den gesellschaftlichen und kirchlichen Reizthemen sowie den theologischen Kontroversen und dem Bibelverständnis.
3. Kasualpraxis: Untersuchung der gottesdienstlichen Begleitung und Segnung, insbesondere der Frage, wie diese in der modernen Kasualtheorie verortet werden können.
4. Zusammenfassung der Ergebnisse des Theorieteils: Spannungen wahrnehmen, oder: Der lange Weg von der Theorie zur Praxis: Synthese der theoretischen Erkenntnisse als Vorbereitung auf die praktische Analyse.
5. Eine Darstellung der Debatte: Analyse der aktuellen Diskussionslage in den Landeskirchen und vertiefte Betrachtung dreier exemplarischer Perspektiven.
6. Resümee: Abschließende Beantwortung der Leitfrage und Ausblick auf die Notwendigkeit einer zeitgemäßen theologischen Reflexion.
Homosexualität, Segnung, Kasualpraxis, EKD, Bibelverständnis, Lebenspartnerschaftsgesetz, Eheschließung, Segenshandlung, kirchliche Debatte, Hermeneutik, Segen, soziale Ethik, Identität.
Die Arbeit befasst sich mit der innerkirchlichen Debatte innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) über die Frage, ob und wie homosexuelle Paare kirchlich gesegnet werden können.
Die zentralen Felder sind die theologische Interpretation der Bibel in Bezug auf Homosexualität, die kirchliche Kasualpraxis (Gottesdienste zu Lebenswendepunkten) und der aktuelle kirchenpolitische Diskussionsstand innerhalb der Gliedkirchen.
Ziel ist es, die verschiedenen Spannungsfelder innerhalb der Kirche aufzuzeigen und zu prüfen, ob der kirchliche Widerspruch gegen eine Segnung homosexueller Paare theologisch noch zu rechtfertigen ist.
Die Arbeit nutzt eine systematische Analyse theologischer Literatur, offizieller Stellungnahmen der EKD und dokumentiert den Diskussionsverlauf anhand exemplarischer Fallbeispiele und Synodenprotokolle.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil, der biblische und kasualtheoretische Grundlagen klärt, und einen praktischen Teil, der die konkrete Debatte in den Landeskirchen anhand von Dokumenten und Briefen exemplarisch darstellt.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Homosexualität, Segnung, Kasualpraxis, EKD, Bibelverständnis, Hermeneutik und christliche Ethik.
Die Orientierungshilfe "Mit Spannungen leben" dient als zentrale Referenzgrundlage für die offizielle ablehnende Haltung der EKD gegenüber der Segnung homosexueller Partnerschaften.
Der Brief dient als Beispiel für einen kirchenpolitischen Versuch, eine einheitliche, ablehnende Linie innerhalb der Gliedkirchen der EKD durchzusetzen, und wird als ein zentraler Kulminationspunkt der Debatte bewertet.
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