Diplomarbeit, 2008
148 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Politische Sozialisation — Ein Überblick
2.1 Begriffsbestimmung
2.2. Zur Entwicklung politischer Einstellungen bei Kindern und Jugendlichen
2.2.1 Familie
2.2.2 Gleichaltrige
2.2.3 Massenmedien
2.2.4 Schule
2.2.5 Entstehungsmuster politischer Orientierungen
2.2.6 Zusammenfassung
2.3 Das Ziel politischer Sozialisation
3. Politische Sozialisation in der DDR
3.1 Politische Beeinflussung in Krippe und Kindergarten
3.2 Die Einheit von Erziehung und Bildung — Politische Sozialisation in der Schule
3.2.1 Theorie
3.2.2 Praxis
3.2.2.1 Der polytechnische Unterricht
3.2.2.2 Der Staatsbürgerkundeunterricht
3.2.2.3 Wehrerziehung
3.3 Einflußnahme des Staates auf die politische Sozialisation in der Familie
3.4 Die Rolle der Massenmedien
3.5 Die Jungpioniere
3.6 Die Freie Deutsche Jugend (FDJ)
3.7 Wirksamkeit der politischen Sozialisation durch staatliche Einrichtungen
4. Politische Sozialisation in der BRD
4.1 Bildungspolitik
4.2 Einübung demokratischer Verhaltensweisen im Kindergarten
4.3 Das öffentliche Bildungswesen
4.3.1 Politische Bildung in der Grundschule: Der Sachunterricht
4.3.2 Politische Bildung als Unterrichtsfach der Sekundarstufen
4.4 Außerschulische politische Sozialisation
4.4.1 Die Zentralen für politische Bildung als Einrichtungen für außerschulische politische Sozialisation in staatlicher Verantwortung
4.5 Wirksamkeit der politischen Sozialisation durch staatliche Einrichtungen
4.5.1 Wertorientierungen als Indikator erfolgreicher politischer Sozialisation
4.5.2 Die Effekte des politischen Unterrichts
4.5.3 Das dreigliedrige Schulsystem als Symbol der Leistungsgesellschaft und seine Widersprüchlichkeit zum Gleichheitsgrundsatz
4.5.4 Exkurs: Selbstdarstellung der Jugendorganisationen als Ergänzung, Korrektiv und Kritiker staatlicher Sozialisation und ihrer Grundlagen
5. Zusammenfassender Vergleich der Strukturen politischer Sozialisation und der Wertesysteme in DDR und BRD
6. Auswirkungen der unterschiedlichen politischen Sozialisation
6.1 Wertemuster
6.2. Politische Einstellungen
6.3 Bürgerschaftliches Engagement
6.4 Gerechtigkeitsvorstellungen
6.5 Deutsches Selbstverständnis
6.6 Rechtsextremismus als Folge der DDR-Sozialisation?
7. Schlußbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht vergleichend die politische Sozialisation von Kindern und Jugendlichen in der BRD und der DDR durch staatliche Einrichtungen sowie deren Auswirkungen auf die heutige Gesellschaft und die Identitätsbildung.
1. Einleitung
Kinder und Jugendliche sollen durch Erziehung bzw. Formung befähigt werden, gemeinsam mit den Älteren eine funktionierende Gesellschaft durch ein geregeltes Zusammenleben zu bilden – im Sinne aller oder vordringlich im Sinne des Staates und seines Herrschaftsanspruchs: Diese grundlegende Unterschiedlichkeit kennzeichnet die Jugenderziehung der BRD auf der einen Seite und die der DDR auf der anderen und wird, daraus ableitend, diese Arbeit im Kern begleiten.
Allein die sozialgeschichtliche Betrachtung des politischen Gemeinwesens in Deutschland, angefangen in der Kaiserzeit, über die Weimarer Republik und Hitler-Diktatur bis hin zur Nachkriegszeit, zeigt eine abrupte Abfolge politischer Ordnungen und der Möglichkeiten, in ihnen eigenständige politische Meinungen zu entwickeln. Daran wird deutlich, daß es die jeweiligen Rahmenbedingungen, als auch die in ihnen gelebte politische Kultur sind, von denen die politische Sozialisation abhängt – und welche Folgen für die politische Orientierung und das politische Interesse letztlich daraus erwachsen.
Daß die Verfassung eines Staatswesens mit der Verfassung seiner Bürger zu tun hat, ist ein klassisch-kontroverses Thema in den Sozialwissenschaften und der Philosophie seit Plato. Darauf gründet sich die politische Sozialisationsforschung, deren eigentlicher Ursprung in den Untersuchungen zum Autoritären Charakter in den 1930er Jahren zu verorten ist. Unter anderem mit der Hoffnung, eine demokratische Persönlichkeit erziehen zu können und um Bürger eines Staates auf Konflikte und auf sozialen Wandel durch neue Wertorientierungen vorzubereiten, wurde in den frühen 60er Jahren diese neue Disziplin in den USA endgültig angestoßen – wobei hier auch die Auseinandersetzung mit dem ideologischen Gegner UdSSR eine entscheidende Rolle spielte.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Unterschiede der politischen Sozialisation zwischen BRD und DDR und deren Langzeitfolgen für die politische Identität der Bürger.
2. Politische Sozialisation — Ein Überblick: Dieses Kapitel definiert den Begriff der politischen Sozialisation und erörtert verschiedene Einflussfaktoren wie Familie, Gleichaltrige und Medien.
3. Politische Sozialisation in der DDR: Der Fokus liegt auf der staatlichen Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit durch Krippen, Schulen und Jugendorganisationen wie die FDJ.
4. Politische Sozialisation in der BRD: Es wird die Erziehung zum mündigen Bürger in einem föderalen, pluralistischen System sowie die Bedeutung des politischen Unterrichts analysiert.
5. Zusammenfassender Vergleich der Strukturen politischer Sozialisation und der Wertesysteme in DDR und BRD: Ein systematischer Vergleich der staatlichen Steuerungsversuche und der jeweiligen Zielvorstellungen von Staat und Gesellschaft.
6. Auswirkungen der unterschiedlichen politischen Sozialisation: Dieses Kapitel diskutiert die langfristigen Folgen der verschiedenen Sozialisationserfahrungen, etwa bezüglich Wertevorstellungen, politischen Einstellungen und Rechtsextremismus.
7. Schlußbetrachtung: Das Fazit fasst die methodischen Herausforderungen zusammen und bewertet den Erfolg staatlicher Sozialisation kritisch unter Einbeziehung des Transformationsprozesses.
Politische Sozialisation, DDR, BRD, Politische Bildung, Sozialistische Persönlichkeit, Mündiger Bürger, Wertewandel, Staatsbürgerkunde, FDJ, Erziehungsdiktatur, Politische Identität, Transformation, Gesellschaft, Pädagogik, Demokratieverständnis.
Die Arbeit vergleicht die staatlich gelenkte politische Erziehung in der ehemaligen DDR mit der demokratischen politischen Sozialisation in der Bundesrepublik Deutschland und untersucht deren nachhaltige Auswirkungen auf die Bevölkerung.
Zu den Kernbereichen gehören das Bildungssystem, die Rolle der Jugendorganisationen (wie der FDJ), der Einfluss von Familie und Medien sowie die langfristige Prägung durch politische Wertesysteme.
Ziel ist es zu klären, inwieweit die unterschiedlichen Erziehungssysteme zur Herausbildung eigenständiger Identitäten beigetragen haben und welche Rolle diese heute noch im wiedervereinigten Deutschland spielen.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie die Auswertung empirischer Studien zur politischen Sozialisation und zum Wertewandel in Ost- und Westdeutschland.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Strukturen politischer Sozialisation in beiden deutschen Staaten, vergleicht diese direkt miteinander und untersucht schließlich die gesellschaftlichen Auswirkungen nach 1989.
Zentrale Begriffe sind politische Sozialisation, sozialistische Erziehung, demokratische Bildung, Transformationsprozess, Wertewandel und politische Identität.
Die Arbeit deutet darauf hin, dass die DDR-Sozialisation durch spezifische mentale Prägungen und eine "sozialistische" Erwartungshaltung an den Staat nachwirkt, wenngleich heutige politische Einstellungen primär auch durch die Erfahrungen des Umbruchs selbst geprägt sind.
Während die DDR die "allseitig entwickelte sozialistische Persönlichkeit" anstrebte, die Loyalität zum System und Kollektivität forderte, zielte die BRD auf den "mündigen Bürger", der durch kritisches Denken und Teilhabe an demokratischen Prozessen stabilisierend auf das System einwirkt.
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