Examensarbeit, 2003
85 Seiten, Note: 1,0
0 Einleitung
1 Methodischer Aufbau
2 Definition der Gehörlosigkeit
3 Identität und Zwei – Welten - Problematik
3.1 Begriff der Identität
3.2 Identitätsbildung bei Gehörlosen
3.3 Identitätsbildung bei hörenden Kindern gehörloser Eltern
4 Stellung der gehörlosen und hörenden Familienmitglieder
4.1 Rollenbegriff unter dem Aspekt der Behinderung
4.2 Rolle der hörenden Großeltern in Bezug auf die gehörlosen Eltern
4.3 Rolle der hörenden Großeltern in Bezug auf die hörenden Enkelkinder
4.4 Rolle der gehörlosen Eltern und ihrer hörenden Kinder
4.4.1 Rollenumkehr und Dolmetschen
4.4.2 Hilfsangebote für gehörlose Eltern und ihre Schwierigkeiten
5 Sprachentwicklung
5.1 Definition von Sprache
5.2 Charakteristik des familiären Sprachumfeldes hörender Kinder gehörloser Eltern
5.3 Sprachentwicklung hörender Kinder gehörloser Eltern
6 Darstellung der eigenen Untersuchung
6.1 Zielstellung
6.2 Wissenschaftliche Fragestellung
6.3 Hypothesen
6.4 Untersuchungsdesign
6.5 Darstellung der Ergebnisse
6.6 Diskussion der Ergebnisse
7 Möglichkeiten der Förderung hörender Kinder gehörloser Eltern
7.1 Bedeutung der Hörgeschädigtenpädagogik
7.2 Bedeutung der Sprachbehindertenpädagogik
7.3 Rechtliche Grundlagen
8 Zusammenfassung und Ausblick
9 Literatur- und Medienverzeichnis
Die Arbeit untersucht die komplexe familiäre Dynamik und die Persönlichkeitsentwicklung von hörenden Kindern gehörloser Eltern. Ziel ist es, die Problemlage dieser Kinder aufzuzeigen, die oft vernachlässigt wird, und dabei die Wechselwirkungen zwischen drei Generationen – Großeltern, Eltern und Kindern – sowie die Rolle der Sprachentwicklung kritisch zu analysieren.
3.3 Identitätsbildung bei hörenden Kindern gehörloser Eltern
Interessant im Sinne der Arbeit ist die Fragestellung, ob und inwieweit die hörenden Kinder der gehörlosen Eltern ebenso wie diese selbst mit der Zwei – Welten – Problematik konfrontiert werden. Sie nehmen meist eine besondere Position ein und müssen den Ansprüchen der hörenden und der gehörlosen Welt genügen. Sie sind durch Blutsverwandtschaft mit den Gehörlosen verbunden, verfügen über das kulturelle und sprachliche Wissen dieser Gruppe und treten doch auch mittels Lautsprache in der hörenden Welt auf (vgl. Padden/Humphries. 1991).
Betrachtet man die Identitätsbildung der hörenden Kinder in den ersten Lebensjahren, so erkennt man, dass sie sich mit zum Teil anderen Faktoren auseinander setzen müssen als Kinder, die von hörenden Eltern großgezogen werden. So bleibt auf der sprachlichen Ebene das Lallen der Kinder oft unbemerkt, erste Sprechversuche ebenso, so dass die Motivation für weitere Sprechübungen sinkt. Die ersten wahrnehmbaren Sprachmuster, die die Kinder selbst von ihren Eltern hören, sind meist falsch, verkürzt und melodielos. Die Verständigung zwischen Eltern und Kind läuft über den Sehsinn ab, weshalb Handeln und Sprechen gleichzeitig meist nicht möglich ist (vgl. Duc, zitiert nach Fengler. 1990). Die Identitätsentwicklung beeinflussenden Umweltbeziehungen und die soziale Interaktion sowie die Kompetenzen auf der Handlungsebene heben sich so von den Erfahrungen hörender Kinder hörender Eltern ab. Doch nehmen die Kinder diese Unterschiede wahr?
Im Säuglingsalter sind die Kinder noch eng verbunden mit der Lebens- und Kommunikationsweise ihrer gehörlosen Eltern. Die Gehörlosigkeit der Eltern wird oft spät und in bestimmten Bedeutungszusammenhängen entdeckt. So gibt es Beispiele dafür, dass Kinder erst mit Eintritt in das Schulalter bemerken, dass sie hörend sind: „Es kam mir gar nicht in den Sinn, dass ich anders sein könnte als meine Eltern und Geschwister.“ (Padden/Humphries1991. 27) Erst dann wird die Gehörlosigkeit der Eltern zu einem bedeutenden Merkmal für das Leben des Kindes, zu einem Charakteristikum, zu einem Element, welches eng mit der Identität des Kindes gekoppelt zu sein scheint. Andererseits merken hörende Kinder instinktiv und sehr schnell, wie die Kommunikation und die Kommunikationsbedingungen im Elternhaus gestaltet werden müssen, um einen Gedankenaustausch erfolgreich zum Abschluss bringen zu können.
0 Einleitung: Beleuchtung der bisherigen Vernachlässigung hörender Kinder gehörloser Eltern in der Forschung und Festlegung der Ziele.
1 Methodischer Aufbau: Darlegung des strukturellen Vorgehens und der thematischen Schwerpunkte der Arbeit.
2 Definition der Gehörlosigkeit: Abgrenzung verschiedener Begriffsdefinitionen und Einordnung in einen sozialen Kontext.
3 Identität und Zwei – Welten - Problematik: Theoretische Grundlagen der Identitätsentwicklung mit Fokus auf die spezifische Grenzsituation der Kinder.
4 Stellung der gehörlosen und hörenden Familienmitglieder: Analyse der Rollenverteilung innerhalb der drei Generationen und Probleme der Rollenumkehr.
5 Sprachentwicklung: Diskussion des sprachlichen Umfelds und der Sprachentwicklungsprozesse bei hörenden Kindern gehörloser Eltern.
6 Darstellung der eigenen Untersuchung: Präsentation des Untersuchungsdesigns, der Hypothesen und Ergebnisse der eigenen Studie.
7 Möglichkeiten der Förderung hörender Kinder gehörloser Eltern: Diskussion der Rolle von Hörgeschädigten- und Sprachbehindertenpädagogik sowie rechtlicher Grundlagen.
8 Zusammenfassung und Ausblick: Fazit der wesentlichen Erkenntnisse und ein Blick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Gehörlosigkeit, Identitätsbildung, hörende Kinder, Zwei-Welten-Problematik, Dolmetschen, Rollenumkehr, Sprachentwicklung, Hörgeschädigtenpädagogik, Familiendynamik, Identitätskrise, Frühförderung, Zweisprachigkeit, Integrationspädagogik, Erziehungsbeistand, Sozialpädagogische Familienhilfe
Die Arbeit befasst sich mit der Lebenssituation und der Identitätsentwicklung von Kindern, die hörend sind, aber in einem Elternhaus mit gehörlosen Eltern aufwachsen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Identitätsbildung, der familiären Rollenverteilung zwischen drei Generationen und der Sprachentwicklung der Kinder.
Ziel ist es, einen Überblick über die Problemlage zu geben, die bisherigen Forschungsergebnisse zu hinterfragen und die Wichtigkeit einer spezifischen Förderung durch die Hörgeschädigtenpädagogik zu unterstreichen.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer eigenen explorativen Untersuchung mittels Fragebögen in verschiedenen Familien.
Der Hauptteil analysiert detailliert Rollenkonflikte, das Phänomen der Dolmetschtätigkeit (Rollenumkehr) sowie die sprachlichen Bedingungen und Auffälligkeiten im Alltag dieser Kinder.
Wichtige Begriffe sind Identitätsbildung, Rollenumkehr, Sprachumfeld, Gehörlosigkeit, Familiendynamik und pädagogische Förderkonzepte.
Diese Kinder sind mit einer erhöhten Belastung durch den gleichzeitigen Erwerb mehrerer Sprachen konfrontiert, was sich oft negativ auf die Schulleistungen und die sprachliche Kompetenz in Deutsch auswirkt.
Ja, die Arbeit beschreibt eindrücklich, wie Kinder oft schon früh als „Außenminister“ oder „Dolmetscher“ für ihre Eltern fungieren und dadurch eine für ihr Alter oft überfordernde Verantwortung tragen.
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