Examensarbeit, 2006
56 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Förderung von Kommunikation im Deutschunterricht
2.1 Terminologische Überlegungen
2.2 Wissenschaftstheoretische Grundlage
2.3 Zusammenhang zwischen Kommunikation und Identität
2.4 Kommunikative Wende in der Deutschdidaktik
2.4.1 Methoden der Kommunikationsförderung in der Schule
3 Grundlagen zum Theaterspiel in der Schule
3.1 Theaterspiel als Eröffnung von Sprach – Handlungs – Spielräumen
3.2 Spielformen innerhalb des Theaterspiels in der Schule
3.3 Szenische Interpretation als eine Spielform des Theaterspiels
3.4 Die Rolle Bertolt Brechts für das Theaterspiel in der Schule
4 Kommunikation bei Schülern mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Hören“
4.1 Bedeutung von Kommunikation für Schüler mit dem Förderschwerpunkt „Hören“
4.2 Entstehung von Sprache und Kommunikation beim schwer hörgeschädigten Kind
4.3 Kommunikationsformen stark hörgeschädigter Kinder
4.4 Kommunikationsförderung bei Schülern mit dem Förderschwerpunkt „Hören“
4.5 Bedingungen zur Kommunikationsförderung innerhalb des Theaterspiels
5 Rahmenplananbindung im Hinblick auf Kommunikation und Theaterspiel sowie den Förderschwerpunkt „Hören“
6 Entwicklung eines Konzeptes zur Kommunikationsförderung durch Theaterspiel bei Schülern mit dem Förderschwerpunkt „Hören“
7 Unterrichtsbeispiele
7.1 Didaktisch – methodische Argumente für Brechts „Der Jasager – Der Neinsager“
7.2 Didaktisch – methodische Entscheidungen zur Durchführung und Planung
7.3 Lernvoraussetzungen der Schüler bezogen auf das zentrale Anliegen der Arbeit
7.3.1 Lernvoraussetzungen der Klasse und sachstruktureller Entwicklungsstand
7.3.2 Lernvoraussetzungen und sachstruktureller Entwicklungsstand ausgewählter Schüler
7.3.3 Ableitung von allgemeinen und individuellen Förderzielen
7.4 Ziel, Verlauf und Reflexion ausgewählter Unterrichtsbeispiele
7.4.1 Erstes Unterrichtsbeispiel
7.4.2 Zweites Unterrichtsbeispiel
8 Gesamtreflexion
Die Arbeit verfolgt das Ziel, ein Konzept zur kommunikativen Förderung von Schülern mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Hören“ zu entwickeln, indem die drei Bereiche Kommunikationsförderung, Theaterspiel und die spezifischen Bedürfnisse hörgeschädigter Schüler verknüpft werden. Die zentrale Forschungsfrage lautet, wie bei diesen Schülern einer zehnten Klasse die kommunikative Kompetenz effektiv gefördert werden kann.
3.1 Theaterspiel als Eröffnung von Sprach – Handlungs – Spielräumen
Theaterarbeit in der Schule bedingt eine andere Pädagogik. Der äußere Rahmen wird verändert durch evtl. einen anderen Raum und eine andere Sitzordnung. Der Unterrichtsrhythmus wird bestimmt durch Erarbeitungs-, Experimentier- und Gestaltungszeit, nicht durch die Schulklingel. Lernziele und Leistungsbeurteilungen verändern sich und werden in Absprache mit den Schülern vorgenommen. Kooperation, Kommunikation und soziales Miteinander lassen Disziplinierungsmaßnahmen im besten Fall unnötig werden. Die Lehrerrolle ist die eines Beraters, eines Anbieters von Übungen und eines Planers von Sprach – Handlungs - Spielräumen (vgl. von Podelwils. 2001) Der Lehrer gibt Sicherheit und den Schülern den Rahmen, um ihre Wahrnehmungen, Vorstellungen, Empfindungen und Verhaltensweisen aktivieren zu können und auszuagieren (vgl. Scheller. 1996).
Die Struktur einer Unterrichtsstunde innerhalb des Theaterspiels kann mit einem ritualisierten Anfang in Form von warm – up – Übungen, Übungen der Lockerung und des Ankommens beginnen, der schon in Zusammenhang stehen sollte mit dem folgenden spielpraktischen Schwerpunkt. Hier ist Zeit für das Erproben von Szenenfolgen, für die Weiterarbeit und für Präsentationen. Abschließend wird die Arbeit wieder ritualisiert beendet, indem Reflexionsphasen, Fragen zur Weiterarbeit und Schlussrituale realisiert werden können (vgl. Hessisches Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung. 2004).
Kommunikationssysteme sind die zwischen den Spielern, zwischen Spielern und Helfern und zwischen Spielern und Publikum: „Ein Schauspieler weiß wohl um das untrennbare Band, das ihn mit dem Zuschauer verknüpft, wenn beide von ein und derselben Atmosphäre ergriffen sind. Der Zuschauer fängt dabei von sich aus an, mit dem Schauspieler mitzuspielen. […] Ein Schauspiel entsteht aus der Wechselwirkung zwischen Schauspieler und Zuschauer.“
1 Einleitung: Darstellung der Ausgangslage in zehnten Klassen von Schulen mit dem Förderschwerpunkt „Hören“ sowie die Herleitung der Leitfrage zur kommunikativen Förderung durch Theaterspiel.
2 Förderung von Kommunikation im Deutschunterricht: Theoretische Klärung des Kommunikationsbegriffs und der kommunikativen Wende in der Deutschdidaktik, ergänzt um ausgewählte Methoden wie das Training nach Klippert.
3 Grundlagen zum Theaterspiel in der Schule: Erläuterung des Theaterspiels als pädagogisches Werkzeug sowie Vorstellung spezifischer Spielformen und des Einflusses von Bertolt Brecht auf die szenische Interpretation.
4 Kommunikation bei Schülern mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Hören“: Untersuchung der besonderen Kommunikationsbedingungen hörgeschädigter Schüler und Analyse gängiger Sprachvermittlungsverfahren in der Gehörlosenpädagogik.
5 Rahmenplananbindung im Hinblick auf Kommunikation und Theaterspiel sowie den Förderschwerpunkt „Hören“: Einordnung des Konzepts in den schulischen Rahmenlehrplan und die dort verankerten Kompetenzstandards.
6 Entwicklung eines Konzeptes zur Kommunikationsförderung durch Theaterspiel bei Schülern mit dem Förderschwerpunkt „Hören“: Vorstellung des eigenen Modells, das die Elemente Kommunikation, Theaterspiel und Individualität der Schüler zu einer „sozialen Plastik“ verbindet.
7 Unterrichtsbeispiele: Praxisbericht zur Umsetzung des Konzepts anhand der Arbeit mit Brechts „Der Jasager – Der Neinsager“, inklusive Lernvoraussetzungen, Zielplanung und Reflexion.
8 Gesamtreflexion: Zusammenfassende Auswertung der praktischen Ergebnisse, Bestätigung der Konzeptidee und Ausblick auf zukünftige Optimierungsmöglichkeiten im Unterricht.
Kommunikationsförderung, Förderschwerpunkt Hören, Theaterspiel, Szenische Interpretation, Inklusion, Bertolt Brecht, Sprachhandlung, Identitätsbildung, Konstruktivismus, Soziale Plastik, Klippert-Modell, Hörgeschädigtenpädagogik, Schülerorientierung, Projektunterricht, Mündliche Kommunikation.
Die Arbeit befasst sich mit der Förderung kommunikativer Kompetenzen bei Schülern mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Hören“ im Deutschunterricht der zehnten Klasse durch die gezielte Anwendung des Theaterspiels.
Die zentralen Felder sind die moderne Kommunikationsdidaktik, die spezifischen Anforderungen an die Pädagogik bei Hörgeschädigten sowie die Möglichkeiten der szenischen Interpretation im schulischen Kontext.
Das Ziel ist die Entwicklung und Erprobung eines integrativen Modells, das Kommunikation und Theaterarbeit verbindet, um die Sprachhandlungsfähigkeit von gehörlosen oder schwer hörgeschädigten Jugendlichen zu verbessern.
Die Autorin stützt sich auf konstruktivistische Ansätze und das Kommunikationsmodell von Klippert, wobei sie dieses zu einem phasenbasierten Konzept weiterentwickelt, das individuell auf die Bedürfnisse der Schüler angepasst ist.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Kommunikationsbegriffe, die Darstellung der Bedingungen für hörgeschädigte Schüler und einen umfangreichen praktischen Teil mit Unterrichtsbeispielen basierend auf Bertolt Brechts „Der Jasager – Der Neinsager“.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Kommunikationsförderung, Theaterspiel, Förderschwerpunkt Hören, Szenische Interpretation und Identitätsbildung im konstruktivistischen Sinne.
Während Klippert mit starren Stufen arbeitet, transformiert die Autorin diese in flexiblere „Phasen“, die ein Zurückgehen oder Überspringen erlauben, um gezielter auf die individuellen Lernvoraussetzungen der Schüler einzugehen.
Die Gebärdensprache wird nicht nur als Kommunikationsmedium akzeptiert, sondern im Unterrichtsbeispiel sogar als „Gebärdenchor“ künstlerisch inszeniert, um die positive Identität der Schüler als Gehörlose zu stärken.
Die Reflexion zeigt, dass die Schüler durch den ritualisierten Aufbau an Sicherheit gewinnen, ihre Sprechbereitschaft steigt und sie den Lehrer zunehmend als Berater statt als dominante Instanz wahrnehmen.
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