Magisterarbeit, 2007
134 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Wolfram von Eschenbach
2.1 Der Dichter und sein Publikum
2.2 Wolframs Wirkungsästhetik
2.3 Die Religiosität Wolframs und das Religiöse in seinen Werken
3. Gottesbilder in der mittelalterlichen Dichtung
3.1 Gottesvorstellung und Gottesdienst im hohen Mittelalter
3.2 Gottes Gnade und das Gottesgnadentum
3.3 helfe und triuwe
4. Zwischenmenschliche Beziehungen in der mittelalterlichen Gesellschaft
4.1 Das Lehnswesen
4.2 Die Stellung der Kirche im hohen Mittelalter
5. Parzival: Artusritter oder Ausnahmeheld?
5.1 Parzivals art
5.2 Parzivals Wissen über Gott
5.2.1 Gotteslehre von Herzeloyde
5.2.2 Gotteslehre von Gurnemanz
5.2.3 Gotteslehre von Trevrizent
6. Parzivals Gottesbezug
6.1 Die Ritterbegegnung (Vers 120,11 – 124,24)
6.2 Verfluchung durch Sigune (Vers 251,29 – 255,30)
6.3 Verfluchung durch Cundrîe (Vers 312,2– 319,19)
6.4 Parzivals Aufbruch vom Artushof (Vers 329,14 – 333,30)
6.5 Parzival und der graue Ritter (Vers 446,1 – 452,9)
6.6 Einkehr bei Trevrizent (Vers 452,15 – 502,30)
6.7 Feirefizkampf (Vers 734,18 – 754,30)
6.8 Berufung Parzivals durch Cundrîe (Vers 778,13 – 786,12)
6.9 Anfortas´ Erlösung (Vers 787,1– 799,13)
7. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die narrative Inszenierung der weltlich-geistlichen Beziehung zwischen dem Titelhelden Parzival und Gott als höchster geistlicher Instanz. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie die religiöse Komponente und Parzivals Gottesbild in Wolframs Werk konstruiert sind und inwieweit daraus eine Erklärung für seine Berufung zum Gralskönig abgeleitet werden kann.
6.4 Parzivals Aufbruch vom Artushof (Vers 329,14 – 333,30)
Parzival wurde in seinen bisherigen Gotteslehren jedoch nicht darüber aufgeklärt, was eine Sünde ist. Allerdings muss er wissen, was die Hölle für eine Bedeutung trägt, da ihm Herzeloyde den tiuvel als Herrn der Hölle vorgestellt und gleichsam negativ belegt hat, als Opposition zu Gott. Parzival reagiert nun auf diese Anklage jedoch nicht, indem er auf die Verfluchung zur Hölle eingeht. Laut Huber resultiert dies daraus, „da sich Parzival keiner Schuld bewusst ist.“ Huber berücksichtigt aber nicht, dass Parzival seine Fehlhandlung, die er an dem leidenden Anfortas begangenen hat, und die daraus resultierende Schuld erkennt und reflektieren kann, was wiederum impliziert, dass ihm seine Schuld bewusst ist. Parzival ist daher vielmehr verärgert über Gott, da dieser es zugelassen hat, dass Parzival zu dieser Schuld kommt. Daher kann Parzival bei seinem Aufbruch vom Plimizoel und der Artusrunde den Grund und mit sich selbst den Verantwortlichen für das weitere Leiden Anfortas´ benennen:
(V. 330,29) ay helfelôser Anfortas,
waz half dich daz ich pî dir was?
Den Grund, weshalb Parzival ihm nicht helfen konnte, sieht er jedoch nicht bei sich selbst begründet. Er erkennt zwar, dass er in diesem Moment falsch gehandelt hat, die Verantwortung für sein Handeln weist er jedoch von sich, wodurch Hubers Annahme teilweise zutreffend ist. In diesem Sinne begründet Parzival seine Schuld mit einer weiteren Schuld. Er macht Gott dafür verantwortlich, ihm nicht beigestanden zu haben in einer Notsituation. Enttäuscht und verärgert wendet erklärt er, diesen ab sofort zu hassen:
(V. 332,1) Der Waleis sprach ´we waz ist got?´
wær der gewaldec, sölhen spot
het er uns pêden niht gegebn,
kunde got mit kreften leben.
ich was im diens undertân,
sît ich genâden mich versan.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Problemstellung um Parzivals Erringung des Grals ein und thematisiert das Spannungsfeld zwischen göttlicher Gnade und menschlichem Handeln.
2. Wolfram von Eschenbach: Dieses Kapitel widmet sich der historischen Person des Dichters, seinem Publikum und den allgemeinen literarischen Bedingungen seines Schaffens.
3. Gottesbilder in der mittelalterlichen Dichtung: Hier werden die theologischen und gesellschaftlichen Grundlagen mittelalterlicher Gottesvorstellungen untersucht, insbesondere im Kontext von Gnade, Gottesdienst und der Rolle der Kirche.
4. Zwischenmenschliche Beziehungen in der mittelalterlichen Gesellschaft: Dieses Kapitel erläutert das mittelalterliche Lehnswesen und dessen soziale Interaktionsmuster, um diese auf die Beziehung zwischen Mensch und Gott zu übertragen.
5. Parzival: Artusritter oder Ausnahmeheld?: Hier wird Parzival als Protagonist analysiert, seine Herkunft beleuchtet und die Lehren seiner verschiedenen Mentoren (Herzeloyde, Gurnemanz, Trevrizent) im Hinblick auf sein Gottesbild untersucht.
6. Parzivals Gottesbezug: Das zentrale Kapitel analysiert anhand konkreter Textstellen, wie sich Parzivals Verhältnis zu Gott im Verlauf der Erzählung durch verschiedene Begegnungen und Krisen entwickelt.
7. Schlussbetrachtung: Dieses Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Resultat, dass Parzivals Gottesverhältnis nicht primär auf christlicher Gnadenlehre, sondern eher auf einem auf Treue und Reziprozität basierenden Lehnswesen-Schema beruht.
Wolfram von Eschenbach, Parzival, Gral, Mittelalter, Gottesgnadentum, Lehnswesen, Religiosität, Literaturanalyse, Artusroman, Schuld, Sünde, Gnade, Triuwe, Helfe, Heilsgeschichte.
Die Hausarbeit untersucht, wie die Beziehung zwischen dem Titelhelden Parzival und Gott narrativ inszeniert wird und welche Rolle diese Beziehung für seine Berufung zum Gralskönig spielt.
Die Arbeit fokussiert sich auf religiöse Fragestellungen im Mittelalter, die Bedeutung von Lehnswesen und Reziprozität sowie die literarische Analyse von Wolframs Parzival.
Das Ziel ist es, zu klären, warum Parzival trotz seiner Sünden und seines "Gotteshasses" dennoch Gottes Gnade erfährt und zum Gral berufen wird, indem die Entwicklung seines Gottesbildes analysiert wird.
Es erfolgt eine literaturwissenschaftliche Analyse zentraler Textstellen unter Einbeziehung von mediävistischer Forschungsliteratur sowie soziologischer Modelle zum Verständnis mittelalterlicher Interaktionsformen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wolframs Dichterkontext, mittelalterlichen Gottesbildern, sozialen Strukturen (Lehnswesen) und der detaillierten Analyse von Parzivals Handeln in verschiedenen Schlüsselszenen.
Wichtige Begriffe sind Parzival, Gral, Gottesgnadentum, Lehnswesen, Triuwe, Schuld und mittelalterliche Religiosität.
Weil Wolfram das Konzept der Reziprozität – das Geben und Nehmen von Dienst und Schutz – aus dem Lehnswesen auf die Interaktion zwischen Mensch und Gott überträgt, was Parzival in seinem Handeln widerspiegelt.
Der Autor argumentiert, dass Parzival kein klassischer Heiliger ist, da er keine innere Bußgesinnung zeigt, sondern bis zum Ende eher den Mustern eines Artusritters folgt, dessen Glück und Ehre von göttlicher Fügung abhängen.
Die Arbeit stellt fest, dass Parzival Trevrizents Lehren nur oberflächlich aufnimmt und sie in seinen eigenen, ritterlich geprägten Denkrahmen integriert, ohne sein grundlegendes Gottesverständnis substanziell zu wandeln.
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