Diplomarbeit, 2007
130 Seiten, Note: 2,2
1 Einleitung
2 Psychologie als Profession
2.1 Psychologen in den Medien
2.1.1 Psychologen im Fernsehen
2.2 Psychologen in der Realität
2.2.1 Berufsbild
2.2.2 Image
3 Das Genre Talkshow als Affektfernsehen
3.1 Charakteristika und Definition des Genres
3.2 Die historische Entwicklung der Talkshow im deutschen Fernsehen
3.3 Wer möchte warum in einer Talkshow zu Gast sein?
3.4 Wer schaltet warum ein, wenn eine Talkshow gesendet wird?
3.4.1 Zuschauerprofile
3.4.2 Rezeptionsmotive
4 Kultivierungsforschung
4.1 Cultivation of beliefs
4.2 Drei-Speicher-System
5 Die „Oliver Geissen Show“
5.1 Psychologen in der „Oliver Geissen Show“
6 Anliegen der Untersuchung und Ableitung der Hypothesen
6.1 Hypothese zu den Themen der Sendungen
6.2 Hypothese zur Empfehlung weiterführender Maßnahmen
6.3 Hypothese zum Diskurstypus der Psychologen
6.4 Hypothesen
7 Methode
7.1 Entwicklung des Kategoriensystems
7.1.1 Generierung der Stichprobe
7.1.2 Die Kategorien
7.1.2.1 Themen der Sendungen
7.1.2.2 Empfehlung weiterführender Maßnahmen
7.1.2.3 Diskurstypus der Psychologen
7.1.3 Reliabilität des Kategoriensystems
7.2 Anwendung des Kategoriensystems
7.2.1 Generierung der Stichprobe
7.2.2 Datenanalyse
8 Ergebnisse
8.1 Thematische Analyse: Themen der Sendungen
8.2 Allgemeine Analyse der Statements
8.3 Inhaltliche Analyse: Empfehlung weiterführender Maßnahmen
8.4 Formale Analyse: Diskurstypus der Psychologen
9 Diskussion
9.1 Themen der Sendungen
9.2 Allgemeine Statementanalyse
9.3 Empfehlung weiterführender Maßnahmen
9.4 Diskurstypus der Psychologen
9.5 Diskussion weiterer Befunde, Kritik und Ausblick
10 Zusammenfassung
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Rolle und Präsenz von Psychologen in der deutschen „Daytime-Talkshow“, speziell am Beispiel der „Oliver Geissen Show“. Ziel ist es, mittels einer inhaltsanalytischen Betrachtung das durch dieses Medium vermittelte Bild des „typischen Psychologen“ zu skizzieren und zu erforschen, ob und wie Psychologen dort als Experten agieren und weiterführende Hilfsmaßnahmen empfehlen.
3.1 Charakteristika und Definition des Genres
Es gibt in der deutschsprachigen Literatur recht heterogene Beschreibungen bzw. Definitionen des Genres Talkshow (Semeria, 1999). Hinzu kommt, dass es auch verschiedene Subgenres gibt, die jeweils zum Teil unterschiedliche Merkmale aufweisen.
Eine erste – noch recht allgemeine – Definition der Talkshow nennen von Barloewen und Brandenberg (1975), die drei konstitutive Faktoren des Genres ausmachen: (a) Die Sendung hat Seriencharakter, (b) der Gastgeber ist die zentrale Figur und (c) das Gespräch in der Talkshow ist nicht sach-, sondern personenbezogen.
Nach Bente und Fromm (1997) werden die Talkshows allgemein dem sogenannten Affektfernsehen zugerechnet, das sie durch die folgenden vier zentralen Merkmale charakterisieren: (a) Personalisierung, (b) Authentizität, (c) Intimisierung und (d) Emotionalisierung. Personalisierung entsteht dadurch, dass die Darstellung ausschließlich um das Schicksal der unmittelbar betroffenen Einzelperson zentriert ist. Allgemeines tritt hinter Individuellem zurück und der Moderator schafft ein Klima der (scheinbaren) Vertrautheit und Verlässlichkeit. Authentizität wird erreicht, indem die Geschichten der nicht prominenten Personen entweder erzählt oder vor der Kamera nachgespielt werden, wobei der vorgetäuschte Live-Charakter der Sendung genau diese Authentizität unterstreicht. Intimisierung ist dadurch gegeben, dass sehr private persönliche Belange und Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen öffentlich verhandelt werden. Zur Emotionalisierung schließlich trägt bei, dass Gefühlen und Affekten der Gäste und emotionalen Aspekten der Erzählungen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als Mitteilungen auf der sachlichen Ebene. Teilweise werden die Talkgäste in besonders bewegten Momenten auch in Großaufnahme gezeigt.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Präsenz von Psychologen in Talkshows und die damit verbundenen kritischen Aspekte bezüglich der Setting-Bedingungen und der Professionalität.
2 Psychologie als Profession: Dieses Kapitel analysiert das mediale Dilemma der Psychologie, ihre wissenschaftliche Komplexität einem breiten Publikum verständlich zu machen, sowie das reale Image und Berufsbild von Psychologen.
3 Das Genre Talkshow als Affektfernsehen: Der Autor beschreibt das Genre der Talkshow, seine historische Entwicklung in Deutschland und die verschiedenen Motivtypen von Talkshow-Gästen.
4 Kultivierungsforschung: Hier wird der theoretische Rahmen des „Cultivation-of-beliefs“-Ansatzes nach Gerbner erläutert, um die langfristige Wirkung von Fernsehinhalten auf die Weltwahrnehmung der Zuschauer zu verstehen.
5 Die „Oliver Geissen Show“: Das Kapitel widmet sich spezifisch der „Oliver Geissen Show“ als Untersuchungsgegenstand, ihrer Produktion und der Einbindung von Psychologen als festes Expertenteam.
6 Anliegen der Untersuchung und Ableitung der Hypothesen: Basierend auf der Theorie werden die zentralen Hypothesen zur Themenwahl, Empfehlung von Maßnahmen und dem Diskurstypus der Psychologen formuliert.
7 Methode: Dieser Abschnitt beschreibt detailliert die Entwicklung und Anwendung des Kategoriensystems zur Inhaltsanalyse der Psychologen-Statements sowie die Reliabilitätsprüfung.
8 Ergebnisse: Die statistische Auswertung der gesammelten Daten und Statements wird hier präsentiert, inklusive der formalen und inhaltlichen Analyse der Psychologen-Beiträge.
9 Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, kritisch gewürdigt und in den bestehenden Forschungsstand eingeordnet, wobei auch Implikationen für die Praxis abgeleitet werden.
10 Zusammenfassung: Abschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit kurz und prägnant zusammengefasst.
Psychologen, Talkshow, Oliver Geissen Show, Medienpsychologie, Affektfernsehen, Kultivierungsforschung, Inhaltsanalyse, Experten, Fernsehberatung, Diskurs, Gesprächstechnik, Image, Zuschauerbedürfnisse, Problemlösung, mediale Darstellung.
Die Arbeit analysiert die Rolle und die inhaltliche sowie formale Art der Statements von Psychologen, die regelmäßig als Experten in der „Oliver Geissen Show“ auftreten.
Die Untersuchung konzentriert sich primär auf die Themengebiete Beziehungen/Partnerschaft und Familie, da hier die Mehrheit der Sendungen mit psychologischer Beteiligung verortet ist.
Ziel ist es, das Bild des „typischen Psychologen“, das durch das Medium Fernsehen vermittelt wird, inhaltsanalytisch zu erfassen und zu skizzieren.
Es wurde eine inhaltsanalytische Methode mit der Entwicklung und Anwendung eines spezifischen Kategoriensystems genutzt, kombiniert mit statistischen Auswertungen der transkribierten Statements.
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen (Kultivierungsforschung, Genre Talkshow), die Vorstellung der untersuchten Sendung, die Methodik der Datenerhebung sowie die detaillierte Ergebnispräsentation und Diskussion.
Zu den zentralen Begriffen zählen Medienpsychologie, Affektfernsehen, parasoziale Beziehung, Diskursstrategien und die mediale Verengung auf den klinisch-therapeutischen Bereich.
Die Analyse zeigt, dass die Psychologen individuell unterschiedliche Ansätze verfolgen: Während einige stärker zu autoritär-belehrender Objektivierung neigen, setzen andere vermehrt auf aufklärerische Subjektivierung.
Die Arbeit beschreibt, dass Zuschauer eine pseudo-persönliche Bindung zu den im Fernsehen auftretenden Psychologen aufbauen, was deren Aufforderungen zu professionellen Schritten eine besondere Wirkungskraft verleiht.
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