Doktorarbeit / Dissertation, 2005
296 Seiten, Note: 2
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
1. Einführung
1. 1 Aufgabenstellung
1. 2 Vorgehensweise
1. 3 Forschungsstand
2. Preußens Integrationspolitik im Schatten der schwedischen Landesherrschaft
2. 1 Die Genese eines vorpommerschen Sonderbewusstseins
2. 1. 1 Schweden und Pommern auf politisch-institutioneller Ebene
2. 1. 2 Schwedisch-pommersche Begegnungen auf gesellschaftlicher Ebene
2. 2 Schwedisch-Pommern unter dem Absolutismus Gustav IV. Adolfs
2. 2. 1 Schweden und Pommern im Zeichen der politischen Wandlungsprozesse gegen Ende des 18. Jahrhunderts
2. 2. 2 Die Bedeutung des Staatsstreichs von 1806
2. 3 Das Preußenbild in Schwedisch-Pommern
2. 4 Zusammenfassung
3. Integration auf staatlicher Ebene: Verfassung, Verwaltung und Rechtssystem
3. 1 Schwedisch-Pommern im Blickfeld preußischer Machtpolitik
3. 2 Die neuvorpommersche Verfassungsfrage
3. 2. 1 Staatsrechtliche Prämissen
3. 2. 2 Verfassungsdebatten auf regionaler und gesamtstaatlicher Ebene
3. 2. 3 Die Einführung der neuständischen Provinzialverfassung von 1823
3. 2. 4 Der neuvorpommersche Kommunallandtag von 1825
3. 3 Integration mittels Adaption der staatlichen Verwaltung
3. 3. 1 Die Errichtung des Regierungsbezirks Stralsund
3. 3. 2 Die Reorganisation der Behörden nebst Personal
3. 4 Der Versuch einer Rechtsangleichung
3. 4. 1 Organisationsbemühungen unter dem Regime Hardenbergs
3. 4. 2 Der Einfluss der allgemeinen Gesetzesrevision
3. 5 Oberpräsident Johann August Sack – Mittler zwischen Zentrum und Peripherie
3. 6 Zusammenfassung
4. Integration auf gesellschaftlicher Ebene: Veränderungen in Stadt und Land
4. 1 Die ländliche Welt
4. 1. 1 Die Wirksamkeit preußischer Agrar- und Sozialgesetzgebung
4. 1. 2 Die Regulierung des Hypothekenwesens
4. 1. 3 Fürst Wilhelm Malte zu Putbus – Exponent und Importeur preußischen Kultur- und Gedankengutes
4. 2 Die bürgerlich-städtische Welt
4. 2. 1 Die Reform der städtischen Verfassungen
4. 2. 2 Die Einführung des preußischen Zoll- und Steuersystems
4. 2. 3 Akademie zu Greifswald – Wissenschaft im Dienste des Staates
4. 3 Zusammenfassung
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht detailliert die Integration des vormaligen Schwedisch-Pommerns in das staatliche und gesellschaftliche Gefüge Preußens nach 1815. Im Zentrum steht die Frage, wie es dem preußischen Staat gelang, das ehemals unter schwedischer Hoheit stehende Gebiet administrativ, wirtschaftlich, sozial und kulturell in den Gesamtstaat sowie die bestehende Provinz Pommern zu integrieren, wobei die Auswirkungen der laufenden tiefgreifenden europäischen Wandlungsprozesse des 18. und 19. Jahrhunderts berücksichtigt werden.
2. 1 Die Genese eines vorpommerschen Sonderbewusstseins
Ein Gedicht von Ludwig Gotthard Kosegarten (1758-1818) beschreibt auf prägnante Art und Weise die Gefühlslage der Menschen in Schwedisch-Pommern unmittelbar nach dem Wechsel der Landesherrschaft. Im Namen der Studierenden der Universität Greifswald widmete Kosegarten am 27. November 1815 dem ersten Oberpräsidenten der Provinz Pommern Freiherr von Ingersleben (1753-1831) folgende Verse:
„Was Gott zusammengefügt, das soll der Mensch nicht scheiden! Hinfort soll Pommern nicht zwiespältig Pommern neiden; Ewig sei eins hinfort, was Sprach` und Abkunft eint! Wohl unter den drei Kronen Ließ sich´s gemächlich wohnen; Doch mag das Band nicht dauern, Was die Natur verneint.“
Die Intention des Verfassers ist nur zu deutlich. Mit einer Anspielung auf das schwedische Wappen, das seit der Kalmarer Union von 1297 die Verbindung der drei skandinavischen Königreiche versinnbildlicht, verwies Kosegarten auf die eigentümliche Tradition der Region Vorpommern und Rügen. Zugleich war es ein Appell des Dichters an den neuen Landesherrn Preußen, auf die Eigenheiten des ehemaligen schwedischen Pommerns Rücksicht zu nehmen. Der Dichter wusste um die Prägekraft der 185 Jahre Schwedenzeit; und er ahnte, dass eine Eingliederung des Landes in den preußischen Staat nicht ohne Reibungsverluste zu absolvieren war. Schließlich beruhte die Verbindung Vorpommerns mit Schweden nicht allein auf Gesetzen, sondern auch zu einem Großteil auf wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen. Die Überwindung vorpommerscher beziehungsweise schwedischer Rechts- und Verwaltungsnormen bildete daher nur einen Teil der von Preußen zu leistenden Integrationspolitik. Insofern ist es von Bedeutung neben der politisch-institutionellen Ebene, gleichfalls die mentale Sphäre des schwedisch-pommerschen Verhältnisses eingehend zu betrachten. Beide Ebenen beeinflussten auf ganz unterschiedliche Weise das Bewusstsein, die Identität der vorpommerschen Landeseinwohner.
1. Einführung: Darstellung der Aufgabenstellung, Vorgehensweise und des Forschungsstandes zur Integration Schwedisch-Pommerns in Preußen.
2. Preußens Integrationspolitik im Schatten der schwedischen Landesherrschaft: Analyse der Ursprünge eines regionalen Sonderbewusstseins, der Auswirkungen des schwedischen Absolutismus unter Gustav IV. Adolf und der Wahrnehmung Preußens vor 1815.
3. Integration auf staatlicher Ebene: Verfassung, Verwaltung und Rechtssystem: Untersuchung des Eingliederungsvorgangs mit Fokus auf verfassungsrechtliche Debatten, verwaltungstechnische Reorganisation und den Versuch einer Rechtsangleichung.
4. Integration auf gesellschaftlicher Ebene: Veränderungen in Stadt und Land: Erörterung des sozialen Wandels durch preußische Reformen, die Auswirkungen auf Agrarstrukturen, städtische Verfassungen sowie die Rolle von Bildung und Wissenschaft.
5. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse zum Scheitern einer vollständigen Integration unter Berücksichtigung der innenpolitischen und rechtlichen Restriktionen.
Schwedisch-Pommern, Neuvorpommern, Preußen, Integration, Transformationsprozesse, Verwaltungsreform, Landständische Verfassung, Agrarreformen, Rechtsangleichung, Identität, Johann August Sack, Wilhelm Malte zu Putbus, Ständegesellschaft, 19. Jahrhundert, Regierungsbezirk Stralsund.
Die Dissertation befasst sich mit dem historischen Prozess der Eingliederung Schwedisch-Pommerns in den preußischen Staatsverband nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses im Jahr 1815 und den damit einhergehenden tiefgreifenden Transformationsprozessen in Verwaltung, Gesellschaft und Wirtschaft.
Zu den Schwerpunkten gehören die verfassungsrechtliche Integration, die Modernisierung der staatlichen Verwaltung, die Anpassung des Rechtswesens, soziale Reformen im ländlichen Raum sowie Veränderungen in der städtischen Selbstverwaltung.
Ziel ist es, detailliert aufzuzeigen, wie Preußen versuchte, das über 180 Jahre schwedisch geprägte Territorium in sein preußisches Gefüge zu integrieren, und dabei zu analysieren, inwieweit dieser Prozess aufgrund von Widerständen, Traditionen und politischer Zielkonflikte als geglückt oder gescheitert zu bewerten ist.
Die Arbeit basiert auf einer breit angelegten, komparativen Auswertung umfangreicher, teils bisher wenig beachteter Aktenbestände aus verschiedenen Archiven in Deutschland, Polen und Schweden, eingebettet in den Kontext der europäischen Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts.
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Er analysiert einerseits die staatliche Ebene mit den Themen Verfassung, Verwaltung und Justiz sowie andererseits die gesellschaftliche Ebene mit Fokus auf Veränderungen in der ländlichen und bürgerlich-städtischen Lebenswelt.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Integration, Transformation, preußische Reformpolitik, Sonderbewusstsein, Landständische Verfassung und administrative Modernisierung definiert.
Der Fürst zu Putbus war ein einflussreicher Mittler zwischen der alten schwedischen Ordnung und der neuen preußischen Verwaltung. Er fungierte als Exponent für preußisches Kulturgut und trug maßgeblich zur kulturellen Integration und zur touristischen Entwicklung der Region bei.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Integration auf staatlicher Ebene nur teilweise gelang. Gründe hierfür waren unter anderem preußische innenpolitische Personal- und Sachzwänge sowie die anhaltende Resistenz der altständischen Kräfte, die eine tiefgreifende Modernisierung und Rechtsangleichung über lange Zeiträume verhinderten.
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