Diplomarbeit, 2003
176 Seiten, Note: 1,00
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
I. Einleitung
II. Hauptteil
1) Katholische Kirche und Nationalsozialismus in Deutschland und im Erzbistum Köln
Die Situation in Deutschland bis zum Abschluss der Reichskonkordats 1933
Die Situation im Erzbistum Köln bis zum Frühjahr 1935
Katholisches Milieu: Begriffsgehalt, Historischer Ort
2) „Katholisches Milieu“
„ Katholische Mentalität“ - Fühlen und Denkweise deutscher Katholiken
Sozialstruktur deutscher Katholiken
Die sozialpsychologische Dimension: Genese einer stabilen Lebenswirklichkeit
Die Pfarrei Dattenfeld als Beispiel einer dörflich-katholischen Lebenswelt
Bevölkerung und wirtschaftlich-infrastrukturelle Lage in der Gemeinde
Kirchliche Infrastruktur und religiöses Leben in der Pfarrei Dattenfeld
3) Ernst Moritz Roth: Seelsorger und NS-Gegner
Persönlichkeit und Leben
Ernst Moritz Roth im Urteil von Zeitzeugen
Der katholische Klerus im Siegkreis, Vikar Roth und seine Gemeinde in der nationalsozialistischen Wahrnehmung
Die Berichte des Landrates in Siegburg an die Geheime Staatspolizei Köln
Die Berichte des Dattenfelder Bürgermeisters an den Landrat in Siegburg
Ernst Moritz Roth in der Sicht seiner kirchlichen Vorgesetzten
4) „Ein ganzes Dorf vor Gericht.“ – Ein Aufstand des katholischen Gewissens in Ursachen, Verlauf und Folgen
Der Schulkampf in Deutschland und im Erzbistum Köln bis 1937
Die Situation in der Pfarrei Dattenfeld und in Dreisel an der Sieg
Der Vorfall in Dreisel an der Sieg – Unterschriften gegen den Glaubensfeind
Die Folgen – Reaktionen von Presse, Kirche und den sonstigen Beteiligten
III. Schlussteil
Im Konflikt: Milieu, Geistlichkeit und NS-Organe
Gab es ähnliche Fälle junger Geistlicher und milieuverhafteten Widerstandes?
War das betrachtete Fallbeispiel ein qualifizierter Fall von Widerstand?
Ausblick -Weiterführende Forschungsfragen aufgrund der erzielten Ergebnisse
Die Arbeit untersucht das Verhalten der katholischen Kirche und der „einfachen Menschen“ aus einem dörflich-katholischen Milieu gegenüber dem Nationalsozialismus am Beispiel der Pfarrei Dattenfeld. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, ob und wie die spezifische katholische Mentalität und das soziale Umfeld als „Resistenz“ oder Widerstand gegen die NS-Ideologie und den totalitären Anspruch des Regimes fungierten, wobei die Person des Vikars Ernst Moritz Roth als zentrale Leitfigur und Katalysator für den „Aufstand des katholischen Gewissens“ betrachtet wird.
Persönlichkeit und Leben
Ernst Moritz Roth wurde am 31. 01. 1902 als drittes von fünf Kindern als Sohn des Dekorationsmalers Wilhelm Roth und seiner Frau Margaretha, geborene Kuth in Köln geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte Ernst Moritz Roth in Köln im sogenannten „Belgischen Viertel“ in der nördlichen Kölner Innenstadt nahe der Pfarrkirche Sankt Michael in einer streng katholischen Umgebung; sein Vater, Wilhelm Roth, seines Zeichens Kirchenmaler und streng gläubig, hatte mit seiner Frau Margarethe noch vier weitere Kinder, davon zwei Söhne, Wilhelm, geboren 1906 und Karl Gustav, geboren 1898, die genau wie ihr Bruder den Priesterberuf ergriffen und zwei jüngere Schwestern, Elisabeth und Ada. Über die prägenden Erfahrungen Ernst Moritz Roths in seiner Kindheit kann begründeterweise vermutet werden, dass ihm bereits damals eine tiefe Frömmigkeit und die Grundzüge des katholischen Glaubens vermittelt wurden, war doch das Köln der damaligen Zeit ein Musterbeispiel einer katholisch-rheinischen Stadt mit festen, kirchlichen Strukturen.
Sein Verhältnis zu seinen Geschwistern kann als innig und vertraut angenommen werden, finden sich doch zahllose Briefe gerade an seine jüngere Schwester Elisabeth aus sämtlichen Lebensstationen Ernst Moritz Roths. Der ältere Bruder Willi mochte wohl den kleinen Bruder nach Kräften gefördert und ihm auch im späteren als gutes Beispiel gedient haben, findet sich doch im Nachlass Karl Gustav Roths ein „Zeugnis“ für den noch nicht schulpflichtigen Ernst Moritz, ausgestellt von seinem älteren Bruder als „Rektor“ und „Lehrer“ und ordnungsgemäß unterschrieben von Vater Wilhelm Roth.
Seine erste Heilige Kommunion feierte Ernst Moritz Roth am 29. Oktober 1911 in seiner Pfarrkirche St. Michael in Köln, war Mitglied der „Ehrenwache Mariens“ und wurde am 28. August des Jahres 1916, vierzehnjährig, als Mitglied Nr. 7172 in den „Verein des ewigen Rosenkranzes“ aufgenommen, welcher regelmäßig jeden Monat eine „Gebetsstunde“ abhielt.
I. Einleitung: Die Einleitung begründet den Fokus auf die Alltags- und Sozialgeschichte der „einfachen Menschen“ im katholischen Milieu unter dem NS-Regime und stellt die Pfarrei Dattenfeld als Untersuchungsraum sowie Vikar Ernst Moritz Roth als zentrale Akteursfigur vor.
II. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in vier Kapitel, die zunächst das allgemeine Verhältnis von Kirche und Nationalsozialismus beleuchten, dann das „Katholische Milieu“ und seine Mentalität theoretisch und anhand der Pfarrei Dattenfeld praktisch untersuchen, die Rolle von Ernst Moritz Roth als Seelsorger und NS-Gegner detailliert analysieren und schließlich den konkreten Fall des „Aufstands des katholischen Gewissens“ um den Schulstreit in Dattenfeld/Dreisel behandeln.
III. Schlussteil: Der Schlussteil reflektiert die Ergebnisse zum Milieu, zur Geistlichkeit und zum Widerstand, vergleicht das Fallbeispiel mit ähnlichen Priesterschicksalen und diskutiert, inwieweit es sich um qualifizierten Widerstand handelte.
Katholisches Milieu, Nationalsozialismus, Erzbistum Köln, Ernst Moritz Roth, Widerstand, Resistenz, Dattenfeld, Dreisel, Seelsorge, Kirchenkampf, katholische Mentalität, Sozialgeschichte, Dorfbevölkerung, NS-Schulpolitik, Konfessionsschule
Die Arbeit untersucht das Verhalten der katholischen Kirche und der gläubigen Dorfbevölkerung im rheinischen Dattenfeld während der frühen NS-Zeit, wobei der Widerstand gegen das Regime aus einem fest gefügten katholischen Sozialmilieu im Mittelpunkt steht.
Die Arbeit fokussiert auf das „katholische Milieu“, die katholische Mentalität, die Rolle des Klerus als „geistiger Führer“ der Gemeinde und die Auseinandersetzungen mit NS-Organen (insbesondere im Schulkampf).
Ziel ist es, den „Widerstand von unten“ zu erforschen und zu zeigen, dass ein homogenes katholisches Milieu durch die Prägung seiner Menschen eine Barriere gegen totalitäre NS-Indoktrination darstellte.
Der Autor nutzt einen mikroanalytischen Ansatz unter Auswertung von Originalquellen wie Pfarrchroniken, Visitationsbögen, Berichten der NSDAP-Ortsgruppen, Meldungen der Landräte an die Gestapo sowie privater Priesternachlässe.
Der Hauptteil analysiert das theoretische Verständnis des katholischen Milieus, die soziologische Struktur von Dattenfeld, das Wirken von Vikar Ernst Moritz Roth und den konkreten „Aufstand des katholischen Gewissens“ bei der Unterschriftenaktion gegen einen NS-Lehrer in Dreisel.
Katholisches Milieu, Nationalsozialismus, Erzbistum Köln, Widerstand, Ernst Moritz Roth, Dattenfeld, Resistenz, Kirchenkampf, katholische Mentalität, NS-Schulpolitik.
Roth war ein junger Vikar in Dattenfeld, der als engagierter Seelsorger und „geistiger Führer“ seiner Jugendgruppe agierte. Er fungierte als Katalysator und Kristallisationspunkt für den Widerstand der Bevölkerung gegen NS-Einflüsse und -Behörden.
Beim Fall Dreisel handelte es sich um eine gemeinschaftliche Unterschriftenaktion der katholischen Eltern gegen einen nationalsozialistischen Lehrer, die in einen Schulkampf mündete und schließlich zu einer gerichtlichen Verhandlung vor dem Schöffengericht Siegburg führte.
Die Arbeit zeigt eine Diskrepanz zwischen der „Schutzpolitik“ (Zurückhaltung und Schadensbegrenzung) des Kölner Kardinals Schulte und der kämpferischen Haltung vieler junger Geistlicher, die sich von ihrer Amtsführung oft im Stich gelassen fühlten.
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