Examensarbeit, 2005
68 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Stand der Forschung
3. Merkmale der sozialistischen Staatsideologie
3.1. Gesellschaft und Erziehung
3.1.1. FDJ und Pionierorganisation
3.1.2. Die Schule
3.1.2.1. Die Schulbücher
3.1.2.2. Die Stellung der Lehrer
3.2. Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat
3.2.1. Die Jugendweihe
4. Die Christenlehre als Religionsunterricht ohne Schule
4.1. Die Diskussion um Lehrpläne und Konzeption der Christenlehre
4.1.1. Die katechetische Neuorientierung
4.1.1.1. „Das konfirmierende Handeln der Gemeinde“
4.2. „Die Christenlehre. Zeitschrift für das katechetische Amt“
4.3. Die Entwicklung des Katechetenstands
4.4. Die Anforderungen an den Katecheten
4.5. Aufgaben und Ziele der Christenlehre
4.6. Die Umsetzung in der Praxis
4.6.1. Die einzelne Christenlehrestunde
4.7. Der Aspekt der Seelsorge
4.8. Die Bedeutung der Eltern für die Christenlehre
4.9. Beweggründe für die Teilnahme
5. Das Spannungsfeld zwischen christlicher Pädagogik und staatlicher Volksbildung
5.1. Die Kinder zwischen Kirche und Schule
5.2. Die Eltern zwischen Kirche und Staat
5.3. Die Kirche als Kollaborateur oder als Opponent?
6. Bilanz
7. Ausblick
Diese Arbeit analysiert die Entwicklung, Konzeption und gesellschaftliche Einbettung der evangelischen Christenlehre in der DDR. Ziel ist es, zu untersuchen, wie die Kirche unter den Bedingungen eines totalitären Staates und einer atheistischen Staatsideologie ein eigenständiges pädagogisches Profil entwickeln konnte und wie sich das Spannungsfeld zwischen kirchlicher Bildungsverantwortung und staatlichem Bildungsmonopol gestaltete.
3.1.2.1. Die Schulbücher
An dieser Stelle wäre zu hinterfragen, ob es einen vergleichbaren Ersatz zum Religionsunterricht an den Schulen gegeben hat. Wie sind religiöse Werte vermittelt worden oder wurde auf diese Art von Wertevermittlung gänzlich verzichtet?
Im Jahre 1986/87 hat es hierzu eine umfassende Schulbuchanalyse gegeben, die von der „Kommission für Kirchliche Arbeit mit Kindern und Konfirmanden“ (KKKK) durchgeführt wurde. Analysiert wurden Bücher der Fächer Heimatkunde, Geschichte, Staatsbürgerkunde und Deutsch. Der Fokus lag hierbei auf den Aspekten Religion und Kirche. Da kein Anspruch einer direkten, eigenständigen Verantwortung der gesellschaftlichen Institution Kirche für das öffentliche Bildungssystem bestand, beschränkte sich die Zielgruppe der Interessenten auf kirchliche Mitarbeiter und christliche Eltern. Somit blieben die Ausführungen unveröffentlicht und liegen heute dem Archiv des sächsischen Landeskatecheten in maschinenschriftlicher Form als Hektographie vor.
Bezüglich der Ergebnisse im Hinblick auf die Gesichtspunkte Religion und Kirche hat sich die Kommission wie folgt geäußert: „Kirchen und der Beitrag der Christen zur Gestaltung der Gesellschaft werden aus dem Gesellschaftsbild ausgeblendet. Die Negativbeschreibung der Rolle von Kirche und Religion in der Vergangenheit überwiegt. Die Schuldgeschichte der (mittelalterlichen) Kirche wird ausgebreitet. Die Rolle der Priester wird fast ausschließlich in ökonomischer Hinsicht beschrieben und bewertet. Bei der Darstellung der Entstehung des Christentums und der Reformationszeit dominieren ausschließlich sozial-ökonomische Aspekte. Die innere Dynamik wird nicht aufgegriffen. Für das 19. Jahrhundert werden Kirche und Christen als Randerscheinung der Geschichte behandelt. Traditionell christliche Feste werden umgedeutet“.
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den historischen Hintergrund der DDR-Entstehung und die zunehmende Verdrängung des Religionsunterrichts aus staatlichen Schulen zugunsten einer sozialistischen Pädagogik.
2. Stand der Forschung: Das Kapitel gibt einen Überblick über relevante Quellen und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der DDR-Katechetik, wobei die Zeitschrift "Die Christenlehre" als zentrale Quelle hervorgehoben wird.
3. Merkmale der sozialistischen Staatsideologie: Hier werden die ideologischen Grundlagen des SED-Staates, insbesondere der Marxismus-Leninismus und der damit verbundene Atheismus, sowie deren Auswirkungen auf Schule und Erziehung dargelegt.
4. Die Christenlehre als Religionsunterricht ohne Schule: Dieses Hauptkapitel befasst sich mit der inhaltlichen und konzeptionellen Ausgestaltung der Christenlehre als kirchliche Antwort auf den Ausschluss aus dem öffentlichen Bildungswesen.
5. Das Spannungsfeld zwischen christlicher Pädagogik und staatlicher Volksbildung: Die Analyse konzentriert sich auf die praktischen und emotionalen Konflikte, in die Kinder, Eltern und Kirche durch die parallele Existenz von staatlichen Vorgaben und christlicher Unterweisung gerieten.
6. Bilanz: Das Kapitel resümiert die Entwicklung der Christenlehre von einer Protesthaltung hin zu einem pädagogisch ausdifferenzierten Angebot innerhalb der kirchlichen Gemeinde.
7. Ausblick: Hier wird diskutiert, inwiefern die ostdeutschen Erfahrungen für die gegenwärtige religionspädagogische Debatte, etwa zur Kontaktstunde zwischen Kirche und Schule, relevant sein können.
Christenlehre, DDR, Katechetik, Sozialismus, SED, Kirche, Religionsunterricht, Marxismus-Leninismus, Jugendweihe, Gemeindepädagogik, Erziehung, Seelsorge, Rahmenplan, Konfirmation, DDR-Geschichte
Die Arbeit analysiert die Geschichte und die pädagogische Konzeption der evangelischen Christenlehre in der DDR, die als Reaktion auf die Verbannung des Religionsunterrichts aus staatlichen Schulen entstand.
Zentrale Themen sind der Einfluss der sozialistischen Ideologie auf das Bildungssystem, die Versuche der Kirche, ein alternatives Konzept für den Religionsunterricht zu etablieren, sowie das alltägliche Spannungsfeld für Kinder und Eltern zwischen Staat und Glaube.
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, wie die Kirche unter totalitären Bedingungen ein eigenständiges pädagogisches Profil entwickelte und wie die Christenlehre zur Unterstützung der Gläubigen in ihrer "Doppelexistenz" beitrug.
Die Arbeit basiert auf dem Konzept der "Qualitativen Inhaltsanalyse", ergänzt durch Literaturstudien und die Auswertung von Zeitzeugenberichten in Form von Interviews.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der sozialistischen Staatsideologie, die detaillierte Untersuchung der verschiedenen Lehrplan-Entwürfe (wie den "Modell-Plan" oder den "Rahmenplan") und die praktische Umsetzung der Christenlehre als seelsorgerliche und gemeinschaftsbildende Aufgabe.
Wichtige Begriffe sind Christenlehre, DDR, Katechetik, Sozialismus, SED, Kirche, Religionsunterricht, Jugendweihe und Gemeindepädagogik.
Die Jugendweihe diente als staatlich erzwungene, atheistische Alternative zur Konfirmation und führte zu einem massiven Rückgang kirchlicher Bindungen, da sie vom Staat aktiv als Druckmittel gegenüber Eltern und Jugendlichen eingesetzt wurde.
Die Katecheten entwickelten sich von einer Laien-basierten Gruppe zu einem professionelleren Berufsstand, der schließlich durch die Einführung der Gemeindepädagogik ergänzt wurde, wobei die Akteure oft mit Überforderung und mangelnder Unterstützung durch kirchenleitende Instanzen zu kämpfen hatten.
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