Bachelorarbeit, 2007
69 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung - Der Armutsstreit aus heutiger Sicht
2. Der Orden der Minderbrüder im 13. Jahrhundert
2.1 Die frühen Konflikte
2.2. Bonaventura (1221-74) und Thomas von Aquin(1225-74)
2.3. Exiit qui seminat und Exivi in paradiso
3. Quorundam exigit und die Folgen
3.1 Quorundam exigit
3.2 Quia nonnunquam und das Kapitel von Perugia
4. Die minoritischen Argumente
4.1 Vital du Four (1260-1327)
4.2 Bertrand de la Tour (1262-1332)
4.3 Bonagratia von Bergamo (1265-1340)
4.4 Ubertino de Casale (1259-ca.1330) und König Robert von Neapel (1309-1323)
4.5 Zusammenfassung
5. Die Gegenargumente
5.1 Hervaeus Natalis (1250-1323)
5.2 Durandus de Sancto Portiano (1275-1334)
5.3 Guido Terreni (1270-1342)
5.4 Zusammenfassung
6. Ad conditorem canonum
6.1 Die erste Redaktion
6.2 Verteidigungsrede Bonagratias von Bergamo und zweite Redaktion
7. Cum inter nonullos und Quia quorundam
8. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht den sogenannten theoretischen Armutsstreit unter dem Pontifikat von Johannes XXII. (1316-1334), der das grundlegende Selbstverständnis des Franziskanerordens in Frage stellte. Dabei wird analysiert, wie sich der Orden in einer heilsgeschichtlich unterfütterten Armutskonzeption verrennen konnte, die zwangsläufig zur Konfrontation mit der Kurie führte, und wie beide Seiten ihre jeweiligen Positionen theologisch sowie ekklesiologisch legitimierten.
2.1 Die frühen Konflikte
Die Wurzeln des Konfliktes, der von Johannes XXII. auf radikale Weise gelöst werden sollte, finden sich am Beginn des dreizehnten Jahrhunderts. Vermiede man es einen Abriss der frühen Geschichte des Minoritenordens zu geben, dessen Selbstbild so stark mit der Figur des Heiligen Franziskus verbunden ist, die Schärfe des späteren Streits wäre kaum verständlich. Giovanni Bernardone, der von seinem Vater den Beinamen Franziskus erhielt, erblickte 1181 oder 1182 in Assisi das Licht der Welt. Hineingeboren wurde er in ein Jahrhundert stürmischer Entwicklungen. Die Bevölkerung und die Wirtschaftskraft des lateinischen Europas stiegen im zwölften und dreizehnten Jahrhundert sprunghaft an. Erstmals seit vielen Jahrhunderten konnte zumindest in Oberitalien und Südfrankreich wieder von städtischer Kultur und städtischem Bürgertum gesprochen werden. Jenseits von Adel und Klerus entstanden neue, wohlhabende Bevölkerungsschichten – jene der Händler und Geldverleiher.
Aus eben einer solchen Familie – einer Tuchhändlerfamilie - stammte Franziskus. Nach einer ausschweifenden Jugend und einem Jahr Kriegsgefangenschaft in Perugia begann er sich um 1204 dem geistigen Leben zuzuwenden und gab in der Folge große Summen aus dem Vermögen seines Vaters für die Restauration kleiner Kirchen aus. Der unausweichliche Familienstreit endete damit, dass Franziskus sich von seinen Eltern lossagte und unter den Schutz des Bischofs von Assisi begab, um fortan als Einsiedler außerhalb der Stadtmauern zu leben. Inspirierend waren für Franz vor allem die Anweisungen, die Christus laut Matthäus 10/9 an seine Jünger ausgab:
„Geht aber und predigt [...]. Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt es auch. Ihr sollt nicht Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben. Auch keine Tasche zur Wegfahrt, auch nicht zwei Röcke, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn der Arbeiter ist seine Speise wert.“
1. Einleitung - Der Armutsstreit aus heutiger Sicht: Einführung in die Thematik des Armutsstreits und die Forschungsfrage zur heilsgeschichtlichen Konzeption des Ordens.
2. Der Orden der Minderbrüder im 13. Jahrhundert: Darstellung der historischen Wurzeln des Ordens sowie die Entwicklung der päpstlichen Interventionen bis hin zu den Bullen Exiit und Exivi.
3. Quorundam exigit und die Folgen: Analyse der Verschärfung des Konflikts unter Johannes XXII. und die Reaktion der Spiritualen.
4. Die minoritische Argumente: Detaillierte Untersuchung der Stellungnahmen namhafter Minoriten zur Verteidigung der Armut Christi.
5. Die Gegenargumente: Darstellung der dominikanischen und kurialen Positionen, die den juristischen Eigentumsbegriff in den Vordergrund stellen.
6. Ad conditorem canonum: Erörterung der päpstlichen Bulle von 1322, die den minoritischen Besitzanspruch de jure aufhob.
7. Cum inter nonullos und Quia quorundam: Analyse der finalen dogmatischen Entscheidung des Papstes und der Eskalation in den kirchenpolitischen Streit.
8. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Fazit zum Scheitern des Ausgleichs zwischen Ordensideal und päpstlicher Autorität.
Theoretischer Armutsstreit, Johannes XXII., Franziskanerorden, Minderbrüder, Minoriten, Evangelische Armut, Exiit qui seminat, Ad conditorem canonum, Apostolische Nachfolge, Besitz, Eigentum, Gebrauch, Spiritualen, Mendikantenstreit, Scholastik.
Die Arbeit analysiert den historischen Konflikt des 14. Jahrhunderts zwischen dem Papsttum und dem Franziskanerorden über die Interpretation der evangelischen Armut.
Im Zentrum stehen die Entwicklung des franziskanischen Armutsideals, die juristische Auseinandersetzung um Besitz und Gebrauch sowie der kirchenpolitische Machtkampf um die päpstliche Autorität.
Die Arbeit untersucht, warum der Orden so strikt an seinem Armutskonzept festhielt, dass eine Konfrontation mit der Kurie unausweichlich wurde, und ob es alternative Möglichkeiten zur Konfliktlösung gab.
Der Autor nutzt eine historisch-theologische Analyse von Primärquellen, insbesondere päpstlichen Bullen und den Verteidigungsschriften maßgeblicher Scholastiker jener Zeit.
Es werden die frühen Konflikte im 13. Jahrhundert, die Argumentationen führender Minoriten, die dominikanische Gegenposition sowie die zentralen päpstlichen Dekretalen dieser Epoche ausführlich dargestellt.
Theoretischer Armutsstreit, Minoriten, evangelische Armut, Eigentum, Gebrauch (usus), päpstliche Autorität und Apostelnachfolge.
Sie gilt als jene Dekretale, die am nachdrücklichsten auf der evangelischen Armut des Ordens beharrte und für die Minoriten zum normativen, fast dogmatischen Bezugspunkt wurde, was spätere Konflikte unter Johannes XXII. erst ermöglichte.
Sie bemühten juristische Spitzfindigkeiten wie den "einfachen Gebrauch" (simplex usus facti), der vom Eigentum (proprietas) getrennt sei, um den Orden formal arm zu halten, während er dennoch Güter nutzte.
Der Rückgriff auf einen angenommenen paradiesischen Zustand vor dem Sündenfall diente dazu, zu belegen, dass Besitz etwas "Unnatürliches" sei und Christus sowie die Apostel daher notwendigerweise besitzlos gelebt haben müssten.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

