Diplomarbeit, 2002
115 Seiten, Note: sehr gut
I PRÄMISSE
1. BIOGRAPHISCHER HINTERGRUND
1.1. Kindheit und Jugend
1.2. Roths Zeit im Krieg
1.3. Roth als Starjournalist in Deutschland
1.4. Sozialismus - Koketterie oder Überzeugung?
1.5. Exil-Monarchismus
2. DIE DONAUMONARCHIE UND IHRE ROLLE IN ROTHS WERK UND LEBEN
2.1. Die Welt der Zeichen: Österreich-Ungarns letzte Jahre
2.2. Die große Illusion: Peripherie und Zentrum bei Joseph Roth
2.3. Melancholie und ihre Masken
2.3.1. Die Melancholie
2.3.2. Der Gehorsam
2.3.3. Die Ehre
2.3.4. Die Entfremdung
2.3.5. Die Ordnung
2.3.6. Die Disziplin
3. DAS FALSCHE GEWICHT
3.1. Personenkreis
3.2. Wiederkehrende Figuren bei Joseph Roth
3.3. Anselm Eibenschütz als tragisch-melancholische Figur
3.4. Leibusch Jadlowker und Kapturak als Eichmeisters Gegenpole
4. RADETZKYMARSCH
4.1. Der Personenkreis
4.2. Die schweigsamen Helden
4.3. Die Trottas
4.4. Carl Joseph
4.5. Der Bezirkshauptmann und sein Verhältnis zu seinem Sohn
5. DIE KAPUZINERGRUFT
5.1. Der Personenkreis
5.2. Franz Ferdinands Melancholie
5.3. Zerbrochene Welt der Illusionen
6. SCHLUSSBEMERKUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Melancholie in Joseph Roths späten Romanen (Das falsche Gewicht, Radetzkymarsch, Die Kapuzinergruft). Ziel ist es, die verborgenen melancholischen Strukturen, die Hintergründe der Romanfiguren sowie ihre „Masken“ als Bewältigungsstrategien gegenüber einer als zerbrechend wahrgenommenen Welt zu analysieren.
Die Melancholie
Μelancholie (griech. µελανχολία, lat. melancolia) ist als Begriff schon seit der frühen Antike bekannt. Zum ersten Mal tritt dieser Begriff in einer der ältesten hippokratischen Schriften auf (etwa im letzten Drittel des 5. Jhs. v. Chr.). Hippokrates hat die Melancholie als die „Verfassung, die durch die schwarze (d.h. krankhafte) Verfärbung des Saftes `Galle` bestimmt ist” erklärt. [schwarze Galle = µέλαινα χολή] Ein Melancholiker leidet an einer ganzen Reihe somatischer und psychischer Krankheiten, darunter auch an Depressionen. Etwa im 3. Jh. v. Chr. erklärte Theophrast, dass Melancholie charakteristisch sei für Genies, für außergewöhnliche Menschen in Dichtung, Politik, Philosophie und den Künsten.
Im Mittelalter wird die Melancholie vor allem auf der moralisch-theologischen Ebene gedeutet als acedia oder die sog. Mönchskrankheit, die meist negativ verstanden und zu den Hauptsünden gezählt wurde.
I PRÄMISSE: Einführung in die melancholische Grundstruktur der Figuren Roths und die Bedeutung ihrer schützenden Masken.
1. BIOGRAPHISCHER HINTERGRUND: Überblick über Roths Leben, seine journalistische Karriere und seine Entwicklung vom Pazifisten zum exilierten Monarchisten.
2. DIE DONAUMONARCHIE UND IHRE ROLLE IN ROTHS WERK UND LEBEN: Analyse des Zerfalls der Monarchie und der Bedeutung von Begriffen wie Gehorsam, Ehre und Entfremdung.
3. DAS FALSCHE GEWICHT: Untersuchung des Schicksals des Eichmeisters Anselm Eibenschütz im Kontext von Heimatverlust und Moralverfall.
4. RADETZKYMARSCH: Analyse des Untergangs der Familie Trotta und der damit einhergehenden Auflösung gesellschaftlicher Identitäten.
5. DIE KAPUZINERGRUFT: Betrachtung des Lebens von Franz Ferdinand Trotta und seines Scheiterns in der modernen Welt der Nachkriegszeit.
6. SCHLUSSBEMERKUNG: Synthese der vier Ebenen (geschichtlich, gesellschaftlich, persönlich, räumlich) und Fazit zum literarischen Werk.
Joseph Roth, Melancholie, Masken, Donaumonarchie, Habsburger, Exil, Identität, Entfremdung, Radetzkymarsch, Das falsche Gewicht, Die Kapuzinergruft, Literaturgeschichte, Kulturpessimismus, Österreich, Moderne.
Die Arbeit analysiert die thematische Durchdringung von Melancholie und den Gebrauch von „Masken“ in den späten Romanen Joseph Roths.
Zentral sind der Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie, der Identitätsverlust des Individuums und die Flucht in nostalgische Vergangenheitsbilder.
Das Ziel ist es, die melancholische Struktur hinter dem Verhalten der Romanfiguren aufzudecken, die ihre Ängste und ihre Mediokrität hinter sozialen Rollen verbergen.
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analyseansätze, wobei primär die Werke selbst sowie ergänzend psychologische und philosophische Begriffsdefinitionen herangezogen werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung (Melancholie, Gehorsam etc.) sowie eine detaillierte textimmanente Analyse der Romane Das falsche Gewicht, Radetzkymarsch und Die Kapuzinergruft.
Wichtige Begriffe sind Melancholie, Identität, Habsburgerreich, Exil, Entfremdung und Maskierung.
Die Arbeit verdeutlicht, wie Roths eigene traumatisierende Erfahrung als Soldat zur „verlorenen Generation“ in seine Texte einfließt und Figuren entstehen lässt, die am Zusammenbruch ihrer Welt leiden.
Die Sprachnot der Protagonisten ist ein zentrales Motiv; das Schweigen oder das Unvermögen, Gefühle auszudrücken, verdeutlicht die existenzielle Isolation der Romanfiguren.
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