Doktorarbeit / Dissertation, 2007
362 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
1.1 Hintergrund
1.2 Problemstellung und Vorgehensweise
2. Vertrauen
2.1 Begriffsabgrenzung
2.1.1 Multidimensionalität
2.1.2 Charakteristika
2.1.2.1 Grundlagen
2.1.2.2 Vertrauen als Verhaltenstypus oder Disposition
2.1.3 Misstrauen
2.1.4 Verwandte Begriffe
2.2 Abschlussprüfer
2.2.1 Abschlussprüfer als Vertrauensnehmer
2.2.1.1 Grundlagen
2.2.1.2 Kompetenz
2.2.1.3 Motivationale Disposition
2.2.1.4 Erwartungslücke
2.2.1.5 Prüfungsqualität
2.2.2 Vertrauensgeber
2.2.2.1 Investorenfokus
2.2.2.2 Kleinaktionäre
2.2.2.3 Großaktionäre
2.2.2.4 Aufsichtsratsmitglieder
2.2.3 Vertrauensobjekte
2.2.3.1 Personen
2.2.3.2 Organisationen
2.2.3.3 Systeme
3. Nutzenaspekte von Vertrauen in den Abschlussprüfer
3.1 Begrenzte Rationalität
3.2 Komplexitätsreduktion
3.2.1 Schaffung von Handlungsfähigkeit
3.2.2 Schaffung von Handlungssicherheit
3.2.2.1 Beziehungsrisiko
3.2.2.1.1 Opportunismus
3.2.2.1.2 Konkrete Beziehungsrisiken
3.2.2.2 Reduzierung des Beziehungsrisikos
3.2.2.2.1 Vermeidung
3.2.2.2.2 Integration
3.2.2.2.3 Beziehungsabhängige Konstrukte auf Vertrauensbasis
3.2.2.2.4 Verträge
3.2.2.2.4.1 Gesetzlich verpflichtende Verträge
3.2.2.2.4.2 Beziehungsabhängige implizite Verträge und Vereinbarungen
3.2.2.2.4.3 Beziehung von Vertrag und Vertrauen
3.2.2.2.4.3.1 Komplementarität von Vertrag und Vertrauen
3.2.2.2.4.3.2 Substituierbarkeit von Vertrag und Vertrauen
3.2.2.2.5 Netzwerkstrukturen
3.2.2.2.6 Intermediäre
3.2.3 Blindes Vertrauen
3.3 Effizienzsteigerung
3.4 Intrinsischer Wert
3.5 Theoretische Erklärungsansätze zur ökonomischen Vorteilhaftigkeit von Vertrauen
3.5.1 Entscheidungstheoretischer Ansatz
3.5.2 Spieltheorie
3.5.2.1 Klassische Spieltheorie
3.5.2.2 Evolutionäre Spieltheorie
3.5.3 Neue Institutionenökonomik
3.5.3.1 Transaktionskostentheorie
3.5.3.2 Prinzipal-Agententheorie
4. Entscheidungskalkül des Vertrauensnehmers
4.1 Motivationstypen
4.2 Egoismus
4.2.1 Zwang und Selbstinteresse
4.2.2 Institutionelle Rahmenbedingungen und Verträge
4.2.3 Selbstdurchsetzende Vereinbarungen
4.2.3.1 Beziehungsabhängigkeit
4.2.3.2 Spezifische Investitionen
4.2.3.3 Vertrauen als Vermögensgegenstand
4.2.3.4 Generierung von Sozialkapital
4.2.3.5 Reputationsmechanismen
4.2.3.6 Sicherheiten
4.2.3.7 Anreizstrukturen
4.3 Altruismus
4.3.1 Grundlegende Möglichkeit uneigennützigen Verhaltens
4.3.2 Gemeinschaftliche Werte und soziale Normen
4.3.3 Beziehungsabhängige Gründe
4.4 Reziprozität
5. Vertrauensentstehung
5.1 Grundsätzliche Vertrauensbereitschaft
5.1.1 Persönlichkeitsorientierte Vertrauensforschung
5.1.2 Entwicklungspsychologische Konzeption des Urvertrauens
5.1.3 Vertrauen als Erwartungshaltung
5.2 Vertrauensentstehung in sozialen Systemen
5.2.1 Emergenz
5.2.2 Soziale Komplexitätsreduktion
5.2.3 Gesellschaftlicher Verhaltensstandard
5.2.4 Moderne Gesellschaftsformen
5.3 Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit
5.3.1 Spezifische Vertrauenserwartung
5.3.2 Wahrnehmung der Vertrauenswürdigkeit
5.3.2.1 Wahrnehmbarkeit der Leistung
5.3.2.2 Berücksichtigung von eigenen und fremden Erfahrungen
5.3.2.3 Beobachtungsebenen
5.3.2.4 Indikatoren für Vertrauenswürdigkeit
5.3.2.4.1 Direkte Wahrnehmung der Vertrauenswürdigkeit
5.3.2.4.2 Erfahrungsquellen für die Abschlussprüferleistung
5.3.2.4.3 Indikatoren für Leistungspotenzial
5.3.2.4.4 Indikatoren für Leistungsbereitschaft
5.3.2.4.4.1 Intrinsische und extrinsische Dimension
5.3.2.4.4.2 Unabhängigkeit
5.3.2.4.4.3 Sanktionierung
5.3.2.4.4.3.1 Grundlagen
5.3.2.4.4.3.2 Berufsaufsicht
5.3.2.4.4.3.3 Zivilrechtliche Haftung
5.3.2.4.4.3.4 Externe Qualitätskontrollen
5.3.3 Wahrnehmungs-/Erwartungsvergleich
5.3.3.1 Kognitiver Vergleichsprozess
5.3.3.2 Kognitive Dissonanz
5.3.4 Erwartungsenttäuschungen
5.4 Vertrauensgewährung im weiten Sinn
5.4.1 Kalkulation und Vertrauen
5.4.2 Systemisches Vertrauen
5.4.3 Grenzen kalkulierten Vertrauens
5.4.3.1 Abwesenheit von Toleranzschwellen
5.4.3.2 Zulässigkeit des kalkulierten Vertrauensbegriffs
5.5 Vertrauensgewährung im engen Sinn
5.5.1 Eingrenzung
5.5.2 Interaktionsbezug
5.5.3 Affektivität
5.5.3.1 Selbstkonzept
5.5.3.2 Kognition und Emotion
5.5.3.3 Wahrnehmung von Emotionen und Wohlverhalten
5.5.4 Symmetrische Abhängigkeit
5.5.5 Prozess der Vertrauensbildung im engen Sinn
5.5.5.1 Zeitbezug
5.5.5.2 Zusammenhang von Vertrauen im engen und weiten Sinn
5.5.5.2.1 Stufenmodell des Vertrauens
5.5.5.2.2 Wechselwirkungen
5.5.6 Potenzieller Nutzen
5.5.6.1 Individual- und Gesellschaftsebene
5.5.6.2 Belastbarkeit der Beziehung
5.5.7 Grenzen engen Vertrauens
6. Schaffung von Vertrauen in den Abschlussprüfer durch den Staat
6.1 Grundsätzliche Möglichkeit der Vertrauensproduktion
6.2 Ausgewählte Maßnahmen der Bundesregierung
6.2.1 Entwicklung im internationalen Kontext
6.2.2 Bilanzrechtsreformgesetz
6.2.2.1 Regelungsinhalt und Zielsetzung
6.2.2.2 Auswirkungen auf Vertrauen in den Abschlussprüfer
6.2.3 Bilanzkontrollgesetz
6.2.3.1 Regelungsinhalt und Zielsetzung
6.2.3.2 Auswirkungen auf Vertrauen in den Abschlussprüfer
6.2.4 Abschlussprüferaufsichtsgesetz
6.2.4.1 Regelungsinhalt und Zielsetzung
6.2.4.2 Auswirkungen auf Vertrauen in den Abschlussprüfer
6.2.5 Berufsaufsichtsreformgesetz
6.2.5.1 Regelungsinhalt und Zielsetzung
6.2.5.2 Auswirkungen auf Vertrauen in den Abschlussprüfer
6.3 Zusammenfassende Beurteilung der Gesetzesinitiativen
7. Fazit
Das Hauptziel dieser Dissertation ist es, den Begriff des Vertrauens im Kontext der Abschlussprüfung präzise einzugrenzen und den Nutzen sowie die Notwendigkeit von Vertrauen für Vertrauensgeber (wie Investoren) und Vertrauensnehmer (Abschlussprüfer) zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche Faktoren die Vertrauensentstehung beeinflussen und wo deren Grenzen liegen, um daraus Ansatzpunkte für eine vertrauensvolle Beziehung zwischen diesen Akteuren abzuleiten. Des Weiteren untersucht die Arbeit kritisch, ob von der Bundesregierung verabschiedete gesetzliche Maßnahmen zur Stärkung des Vertrauens in Abschlussprüfer tatsächlich geeignet sind, dieses Ziel zu erreichen.
2.1.1 Multidimensionalität
Vertrauen ist ein äußerst vielschichtiger Begriff. Dieser wird insbesondere von der Verhaltens- und Sozialwissenschaft, sowie inzwischen auch der Betriebswirtschaftslehre aufgegriffen und rückt zunehmend in den Fokus wissenschaftlichen Interesses. Unterschiedliche Vertrauensarten, verschiedene Dimensionen und Quellen der Beeinflussung sind auszumachen, wobei eine verwirrende Begriffsvielfalt und widersprüchliche Verwendung vorherrschen, die eine durchgängig stringente, systematische Untersuchung erschweren. Die Notwendigkeit der Vertrauensgewährung zur Komplexitätsreduktion ist ebenso unbestritten wie die Gefahr, die ungerechtfertigtes Vertrauen mit sich bringt. Selbst für die alltäglichsten Interaktionen ist Vertrauen notwendig, jedoch fehlen oft konkrete Untersuchungsansätze und der Vertrauensbegriff bleibt diffus.
„Trust is central to all transactions and yet economists rarely discuss the notion. It is treated rather as a background environment, present whenever called upon, a sort of ever-ready lubricant that permits voluntary participation in production and exchange.” Vertrauen wird als Blackbox verwendet, deren Inhalt undurchsichtig ist aber gleichzeitig als bekannt vorausgesetzt wird. So wird Vertrauen zwar regelmäßig als Explanans für kooperatives Verhalten herangezogen, aber selbst nicht als Explanandum, als zu erklärendes Phänomen, betrachtet. Dieses ist jedoch eine wesentliche Voraussetzung, um bspw. institutionelle Rahmenbedingungen in sozialen Systemen zu gestalten und Vertrauen als effizientes Organisationsprinzip zu fördern. Auch wenn Vertrauen in verschiedenen Disziplinen wie Psychologie, Soziologie, Politologie, Ökonomie, Anthropologie, Geschichte und Soziobiologie untersucht wird, wurden in der Vergangenheit wenige Anstrengungen unternommen, die unterschiedlichen Sichtweisen zu integrieren, und verschiedene theoretische Positionen stehen unverbunden nebeneinander.
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den Hintergrund des Vertrauensverlusts in Abschlussprüfer durch Bilanzdelikte und definiert die Forschungsziele sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Vertrauen: Dieses Kapitel nähert sich dem komplexen Vertrauenskonstrukt an, grenzt den Begriff ab und analysiert die Vertrauensentstehung, Vertrauensgeber und Vertrauensobjekte im spezifischen Kontext der Abschlussprüfung.
3 Nutzenaspekte von Vertrauen in den Abschlussprüfer: Hier wird die ökonomische Relevanz von Vertrauen als Mechanismus zur Komplexitätsreduktion und Effizienzsteigerung unter Bedingungen begrenzter Rationalität anhand ökonomischer Theorien kritisch hinterfragt.
4 Entscheidungskalkül des Vertrauensnehmers: Das Kapitel untersucht, warum ein Vertrauensnehmer (hier der Abschlussprüfer) sich vertrauenswürdig verhalten sollte, indem verschiedene Motivationstypen wie Egoismus und Altruismus analysiert werden.
5 Vertrauensentstehung: Dieses umfangreiche Kapitel widmet sich dem Prozess der Vertrauensgewährung, der Unterscheidung von Vertrauen im weiten und engen Sinn sowie den Faktoren, die die Wahrnehmung von Vertrauenswürdigkeit bestimmen.
6 Schaffung von Vertrauen in den Abschlussprüfer durch den Staat: Das Kapitel evaluiert gezielte gesetzliche Maßnahmen der Bundesregierung (BilReG, BilKoG, APAG, BARefG) hinsichtlich ihres Potenzials, das Vertrauen in den Berufsstand der Abschlussprüfer zu stärken.
7 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und kritisiert die oft intuitive, unreflektierte Herangehensweise bei der Konzeption vertrauensfördernder Maßnahmen.
Vertrauen, Abschlussprüfer, Vertrauenswürdigkeit, Abschlussprüfung, Bilanzdelikte, Erwartungslücke, Vertrauensentstehung, Kompetenz, Integrität, regulatorische Maßnahmen, ökonomische Theorie, Spieltheorie, Neue Institutionenökonomik, Wirtschaftsprüfung, Berufsaufsicht
Die Arbeit untersucht das Konstrukt „Vertrauen“ im Kontext der Abschlussprüfung. Sie beleuchtet, wie Vertrauen entsteht, welchen Nutzen es für die Beteiligten hat und welche Rolle staatliche Regulierung bei der Wiederherstellung oder Stärkung dieses Vertrauens spielt.
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung des Vertrauensbegriffs, das Entscheidungskalkül des Abschlussprüfers, die psychologischen Prozesse der Vertrauensentstehung sowie die kritische Analyse aktueller gesetzlicher Aufsichts- und Qualitätskontrollmaßnahmen.
Ziel ist es, den Vertrauensbegriff zu präzisieren, den Nutzen des Vertrauens für Investoren und Abschlussprüfer herauszuarbeiten und zu untersuchen, ob gesetzliche Maßnahmen der Bundesregierung zur Stärkung des Vertrauens in Abschlussprüfer tatsächlich wirksam sind.
Die Arbeit nutzt einen multidisziplinären theoretischen Bezugsrahmen, der Erkenntnisse aus der Betriebswirtschaftslehre, Psychologie, Soziologie und Ökonomie integriert. Die Untersuchung erfolgt primär auf theoretischer und konzeptioneller Ebene, gestützt durch eine fundierte Literaturanalyse.
Im Hauptteil erfolgt eine tiefgehende Analyse des Vertrauenskonstrukts, des Entscheidungskalküls von Akteuren, der psychologischen Grundlagen der Vertrauensentstehung und der Auswirkungen spezifischer Gesetzesinitiativen (z.B. BilReG, BilKoG, APAG) auf die Reputation und Integrität von Abschlussprüfern.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Vertrauen, Abschlussprüfer, Vertrauenswürdigkeit, Bilanzdelikte, Erwartungslücke, Vertrauensentstehung, Wirtschaftsprüfung und regulatorische Aufsicht charakterisieren.
Vertrauen im engen Sinn basiert auf der Überzeugung einer geringen Opportunismusneigung des Partners und verzichtet weitgehend auf explizite Sicherungsmaßnahmen. Vertrauen im weiten Sinn hingegen wird gewährt, wenn durch Verträge, Kontrollen oder Sanktionen die Anreize für opportunistisches Verhalten so weit reduziert werden, dass das Beziehungsrisiko akzeptabel ist.
Der Staat greift durch Regelungen wie das Bilanzkontrollgesetz (BilKoG) oder das Abschlussprüferaufsichtsgesetz (APAG) ein, um durch Transparenz und Kontrolle das Vertrauen zu stärken. Die Arbeit warnt jedoch davor, dass eine zu starke Regulierung kontraproduktiv wirken kann, da sie den Raum für intrinsisch motiviertes, integres Handeln einschränken und ein Klima des Misstrauens fördern kann.
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