Examensarbeit, 2007
88 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Sprache als Lebensaufgabe
2.1 Biografische Notizen
2.2 Die Situation der Sprache und Literatur zur Zeit Tucholskys
2.2.1 Literatur und Presse in der Weimarer Republik
2.2.2 DER ANGRIFF- Die Machtergreifung der Nationalsozialisten
2.3 Philosophische und kulturelle Einflüsse auf Tucholsky
2.3.1 „Vom weisesten aller Menschen, dem alten Herrn Schopenhauer“
2.3.2 „Der gute alte Wustmann!“
2.3.3 „Mein Lehrmeister Siegfried Jacobsohn“
3 Tucholskys Kritik an der Sprache seiner Zeit
3.1 Zum Begriff der Sprachkritik
3.2 Kritikpunkte Tucholskys
3.2.1 Modeerscheinungen
3.2.1.1 Modewörter
3.2.1.2 Fremd- und Fachwörter
3.2.1.3 Zusammenfügungen und Verkürzungen
3.2.1.4 Die aufgeblähte Ausdrucksweise
3.2.1.5 „Die Adverbialkrankheit“
3.2.1.6 Formalia & Rhetorik
3.2.2 Dialekte und Fremdsprachen
3.2.3 Die Militärsprache
3.2.4 Beamten- und Bürokratensprache
3.2.5 Die Sprache des Bürgertums
3.3 Mehr als Sprachkritik? - Fazit
3.4 Tucholskys Sprachideal
3.5 Strategien der Kritik
3.5.1 Variation der Textsorten
3.5.1.1 Die Glosse
3.5.1.2 Das Gedicht
3.5.1.3 Der Brief
3.5.1.4 Das Gebet
3.5.1.5 Die Rezension
3.5.1.6 Die Prosa
3.5.2 Subjektivität
3.5.3 Das schlechte Beispiel
3.5.4 Parodie und Satire
3.5.5 Vom Besonderen zum Allgemeinen
3.5.6 „Gesprochene Schrift“
3.6 Das „hochverehrte Publikum“
3.7 Zur Wirkung der Sprachkritik Tucholskys
4 Schlussbemerkungen
Diese Arbeit untersucht die Sprachkritik Kurt Tucholskys in seinem Gesamtwerk und analysiert, inwiefern seine polemischen Äußerungen als gezieltes Instrument der gesellschafts- und kulturkritischen Auseinandersetzung fungierten.
3.2.1.1 Modewörter
„Modewörter...? Meine Einstellung ist rein menschlich irgendwie die, daß das Wort `hundertprozentig` eine hundertundeinprozentige Sprachdummheit ist.“
Den Modewörtern hatte Wustmann ein ganzes Kapitel gewidmet und Tucholsky übernahm den Begriff. Er erlegt bei seiner „Jagd“ auf diese einzelne Wörter, wie z.B. die Angelegenheit, das Problem oder die Einstellung. Mit diesen wiederum verbindet sich eine gezielte Kritik an ihren Benutzern, wie weiter unten näher erläutert werden wird. So z.B. „schnoddert [in dem Wort Angelegenheit] so viel Offizierskasino, und dorther kommt es wohl auch.“ Tucholsky beschreibt die adäquate Nutzung des Wortes bis vor ein paar Jahren, die Ausdehnung des Gebrauchs und die schlussendliche wahllose Anwendung auf „halbfertiggedachte Begriffe“.
1 Einleitung: Darstellung der Ausgangslage und der Forschungsfrage bezüglich der vernachlässigten Rolle Tucholskys als Sprachkritiker.
2 Sprache als Lebensaufgabe: Beleuchtung der biografischen Hintergründe und philosophischen Einflüsse, die Tucholskys Verhältnis zu Sprache und Politik prägten.
3 Tucholskys Kritik an der Sprache seiner Zeit: Kernstück der Arbeit, das Tucholskys spezifische Kritikpunkte, seine Stilmittel und die strategische Anwendung von Textsorten analysiert.
4 Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Bewertung der Wirksamkeit Tucholskys Sprachkritik und Einordnung seines Wirkens als „konstruktive“ Polemik.
Kurt Tucholsky, Sprachkritik, Weimarer Republik, Sprachglosse, Stilistik, Modewörter, Satire, Bürgertum, Militärsprache, Beamtensprache, Sprachideal, Publizistik, Kulturkritik, Neudeutsch.
Die Arbeit analysiert das sprachkritische Werk Kurt Tucholskys und zeigt auf, dass seine Kritik an der Sprache seiner Zeit stets eng mit gesellschafts- und kulturkritischen Anliegen verknüpft war.
Zentrale Themen sind die Einflüsse auf Tucholsky (z.B. Schopenhauer, Wustmann, Jacobsohn), seine Kritik an den Sprachgewohnheiten von Militär, Beamten und Bürgertum sowie seine eigene Strategie als „Stil-Virtuose“.
Die Arbeit untersucht, was hinter Tucholskys Sprachkritik steckt und ob er ein explizites sprachkritisches Theoriegebäude entwickelte oder seine Positionen eher polemisch und situationsbezogen vertrat.
Die Autorin kombiniert eine biografische Kontextualisierung mit einer detaillierten Analyse von Tucholskys Sprachglossen und nutzt fachwissenschaftliche Literatur zur Sprachkritik, um Tucholskys Vorgehensweise zu systematisieren.
Im Hauptteil werden Tucholskys spezifische Kritikpunkte wie Modewörter, Fachbegriffe und die „Adverbialkrankheit“ detailliert beleuchtet sowie seine Anwendung verschiedener Textsorten (Glosse, Gedicht, Brief, Rezension) analysiert.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachkritik, Sprachideal, Neudeutsch, Satire, Modewörter und das soziale Milieu der Weimarer Zeit definiert.
Tucholsky identifiziert das Wort als hohle Phrase, die in einem „verfachlichten“ Deutschland dazu dient, tatsächliche soziale Probleme oder den Mangel an Menschlichkeit in Institutionen zu verschleiern.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Tucholskys Sprachkritik „wirkungslos“ im Sinne einer tatsächlichen Veränderung der Sprachgewohnheiten blieb, aber als hochwirksame Form der Unterhaltung und moralischen Positionierung fungierte.
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