Magisterarbeit, 2006
92 Seiten, Note: 2,3
0 Einleitung
1. Schillers Lebenssituation
1.1 Situation in Württemberg
1.2 Direkte Einflüsse auf Schillers politische Einstellung
1.2.1 Zeit auf Karlsschule
1.2.2 Der Einfluss politischer Philosophen auf Friedrich Schiller
1.3 Schillers politische Einstellung
2. Don Karlos
2.1 Die politischen Ideale
2.1.1 Posa
2.1.2 König Philipp II.
2.1.3 Großinquisitor
2.2 Das Scheitern der politischen Ideale
2.2.1 Das Scheitern des aufgeklärten Ideals an Posa
2.2.2 Das Scheitern der Ideale an König Philipp II. und der Kirche
2.3 Zwischenbilanz
3. Maria Stuart
3.1 Entstehungsgeschichte und historische Hintergründe
3.2 Elisabeth
3.2.1 Elisabeths Rollenverständnis
3.2.2 Elisabeths Kampf um Machterhalt
3.3 Das Scheitern aufklärerischer Ideale an Elisabeth I.
3.4 Zwischenbilanz
4. Die Jungfrau von Orleans
4.1 Entstehungsgeschichte und historischer Hintergrund
4.2 Johannas politische Ideale und ihr Scheitern
4.2.1 Johannas Sendungsbewusstsein
4.2.2 Johannas Schuldbewusstsein
4.2.3 Johannas Katharsis
4.3 Zwischenbilanz
5. Fazit
5.1 Die Unvereinbarkeit von Ideal und Individuum
5.2 Warum die Ideale scheitern müssen
Die Arbeit analysiert, warum die politischen Ideale der Protagonisten in Friedrich Schillers Dramen "Don Karlos", "Maria Stuart" und "Die Jungfrau von Orleans" trotz ihres hohen ethischen Anspruchs am Faktor Macht und an der menschlichen Natur scheitern.
2.1.1 Posa
Eine der zentralen Figuren des Dramas Don Karlos und Gegenpart von König Philipp II. ist der Marquis von Posa. Dass es sich bei der Figur um einen Malteserritter handelt, ist besagter Ausdruck Schillers geistiger Nähe zu den Illuminaten. Sie gelten als Förderer des Malteserordens. Ebenso erkennbar sind Einflüsse klassischer Philosophen der Politikgeschichte, beispielsweise Rousseaus und Montesquieus.
Posa erscheint als eine von aufklärerischen, modern-politischen Idealen geprägte Person, die sich selbst in der Rolle eines Anwaltes der Menschenrechte sieht. Dieses Selbstbild stellt Posa direkt in seinem ersten Auftritt klar. Er fühlt sich als „abgeordneter der ganzen Menschheit.“ Don Karlos, seinem Freund aus Kindertagen und Thronfolger Spaniens, berichtet er, dass es sein Ziel sei, „die Flandrischen Provinzen“ von der Knechtschaft der spanischen Krone zu befreien.
Posa spricht sich gegen jegliche Form von Despotismus aus, den er schon in frühen Kindertagen durch Spaniens Herrscher König Philipp II. erfahren hat. Während eines Federballspiels traf ein fehlgeleiteter Ball die Königin von Böhmen versehentlich im Gesicht. Der König sanktionierte diese Tat an seinem eigenen Sohn Karlos, der, um Posa zu schützen, die Schuld auf sich nahm, auf grausamste Art und Weise. Dieses Erlebnis mit dem Tyrannen Philipp könnte bereits der erste Grundstein für Posas künftige Staatsauffassung gewesen sein. „Gewalt [ist] für den Schwachen jederzeit ein Riese.“ Absolutistische Macht birgt nach Auffassung Posas die Gefahr, den Herrscher zu einem gottähnlichen, unmenschlichen, egoistischen und keine Widersprüche duldenden Wesen ohne Schwächen werden zu lassen. Der Fürst wäre in diesem Fall lediglich darauf bedacht, seine Untertanen möglichst klein zu halten. Posas Kritik zielt hier gegen das Prinzip des Gottesgnadentums in absolutistischen Systemen.
0 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung nach dem Scheitern politischer Ideale in den drei Dramen und setzt diese in Bezug zu Schillers Gedicht "Die Ideale" sowie zu seiner persönlichen politischen Orientierung.
1. Schillers Lebenssituation: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Kontext des 18. Jahrhunderts und den prägenden Einfluss des württembergischen Herzogtums sowie der Karlsschule auf Schillers Denken.
2. Don Karlos: Das Kapitel analysiert die politischen Ideale des Marquis von Posa im Kontrast zum despotischen König Philipp II. und dem Großinquisitor als Repräsentanten der Kirche.
3. Maria Stuart: Der Fokus liegt hier auf dem Machtkampf zwischen Maria Stuart und Elisabeth I. sowie dem Scheitern des aufklärerischen Ideals an der Rolle und Persönlichkeit der englischen Königin.
4. Die Jungfrau von Orleans: Es wird die Entwicklung Johannas von der Hirtin zur "Jungfrau" sowie ihr Scheitern im Spannungsfeld zwischen göttlichem Sendungsbewusstsein und menschlicher Natur analysiert.
5. Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und arbeitet die grundlegende Unvereinbarkeit von individuellen Idealen und politischem Machtstreben heraus, die Schiller durch seine ästhetische Erziehung zu überwinden suchte.
Friedrich Schiller, Don Karlos, Maria Stuart, Die Jungfrau von Orleans, Aufklärung, Absolutismus, Politische Ideale, Menschenrechte, Macht, Freiheit, Marquis von Posa, König Philipp II., Elisabeth I., Johanna von Orleans, Scheitern
Die Magisterarbeit untersucht Schillers Auseinandersetzung mit politischen Idealen und deren Scheitern in den drei Dramen Don Karlos, Maria Stuart und Die Jungfrau von Orleans.
Im Zentrum stehen der Konflikt zwischen Individuum und Staat, das Spannungsfeld zwischen aufklärerischen Idealen und realer Machtausübung sowie die Frage der Vereinbarkeit von moralischem Handeln und politischer Notwendigkeit.
Ziel ist es zu analysieren, warum die politischen Visionen der Protagonisten in Schillers Dramen an den Grenzen des Machbaren scheitern und wie sich Schillers eigene politische Philosophie in diesen Werken widerspiegelt.
Es erfolgt eine werkimmanente Literaturanalyse unter Einbeziehung des historischen Kontextes, der Biographie Schillers sowie politikphilosophischer Theorien (insbesondere von Rousseau, Montesquieu und Kant).
Der Hauptteil analysiert detailliert die politischen Leitbilder der Hauptfiguren (Posa, Elisabeth, Johanna) und untersucht, wie deren Versuche, Ideale innerhalb absolutistischer Systeme umzusetzen, an den Strukturen der Macht, den kirchlichen Institutionen oder der menschlichen Natur scheitern.
Die Begriffe Freiheit, Absolutismus, Tugend, Machtstreben, Staatsräson, Menschenwürde und die ästhetische Erziehung des Menschen sind zentrale Charakteristika der Untersuchung.
Posa scheitert, weil er zur Umsetzung seiner edlen Ziele selbst absolutistische und intrigante Methoden wählt, wodurch seine Ideale korrumpiert werden und er in einen fanatischen Machtkampf gerät, der ihn und seine Verbündeten vernichtet.
Johannas Scheitern liegt in ihrer Unfähigkeit begründet, göttliche Sendung und menschliche Natur (ihre Gefühle) zu vereinen; das System des Krieges zwingt sie dazu, sich als blindes Werkzeug zu definieren, bis sie durch ihre Liebe zu Lionel menschlich "sehend" wird und damit den Boden ihrer göttlichen Legitimation verliert.
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