Diplomarbeit, 2007
112 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Aufbau der postsowjetisch - russischen Gaswirtschaft
2.1 Einleitung
2.2 Der russische Gasmarkt in der Transformationsphase
2.3 Erdgasreserven, -ressourcen und –förderung
2.3.1 Reserven und Ressourcen
2.3.2 Erdgasförderung
2.4 Unabhängige Gasunternehmen
2.5 Erdgasbinnenverbrauch und -export
2.5.1 Binnenverbrauch
2.5.2 Exporte
2.6 Infrastruktur der russischen Erdgaswirtschaft
2.6.1 Das Einheitliche System zur Gasversorgung Russlands
2.6.2 Weiterverteilstufe
2.6.3 Erdgasspeicherung
2.7 Liberalisierung und Drittzugang
2.8 Erdgaspreise auf dem russischen Binnenmarkt
2.8.1 Problem der „optimalen“ Bepreisung
2.8.2 Zwischenfazit
2.9 Preise auf dem Exportmarkt
2.10 Zwischenfazit
3 Gazproms (Zukunfts-) Strategie: Diversifizierung, Marktbeherrschung und Expansion
3.1 Diversifizierung
3.2 Marktbeherrschung
3.3 Expansion
4 Die Entstehung des deutschen Erdgasmarktes
4.1 Einleitung
4.2 Erdgaseinsatz und -verwendung in Deutschland
4.3 Erdgasentwicklung in Deutschland (West)
4.4 Erdgasentwicklung in Deutschland (Ost)
4.5 Die deutsche Wiedervereinigung
4.6 Deutschland im Jahr 2006
5 Aufbau der deutschen Gaswirtschaft
5.1 Einleitung
5.2 Erdgassressourcen, -reserven und –förderung
5.3 Erdgaseinfuhr
5.4 Erdgasbinnenverbrauch und -speicherung
5.4.1 Erdgasbinnenverbrauch
5.4.2 Erdgasspeicherung
5.5 Erdgastransport
5.6 Aufbau und Struktur der deutschen Gaswirtschaft
5.7 Vertragliche Strukturen
6 Entwicklung der Handelsbeziehungen Ruhrgas – Gazprom
7 WINGAS - Gazprom in Deutschland
8 Oligopolistische Märkte: Der deutsche Erdgasmarkt
8.1 Preiswettbewerb bei homogenen Produkten – das Bertrand Modell
8.2 Theorie
8.3 Das Gefangenendilemma bei „tacit collusion“
8.3.1 Endliche Spiele
8.3.2 Unendliche Spiele
8.4 Zwischenfazit
8.5 Voraussetzungen für die Entstehung von (geheimen) Absprachen
9 Prinzip und Hintergrund der Heizölbindung
9.1 Historischer Hintergrund
9.2 Die Preisbildung nach dem Anlegbarkeitsprinzip
9.3 Das Argument des „switchens“
9.4 Die Argumente der Transparenz und Marktliquidität
10 Zur Theorie des Bertrand Modells
10.1 Langfristige Verträge
10.2 Ölpreisbindung
10.3 Zwischenfazit
11 Der deutsch-russische Außenhandel
11.1 Entwicklung der Handelsbeziehungen seit 1950
11.2 Struktur des Warenhandels
11.3 Zwischenfazit
12 Zukunftsausblick und Deutschlands „Abhängigkeit“
13 Schlussfolgerungen
Die Arbeit analysiert die Bedingungen, unter denen trotz bedeutender interner und externer Veränderungen im Gasmarkt – wie dem Zerfall der Sowjetunion, der deutschen Wiedervereinigung und der Liberalisierung des europäischen Erdgasmarktes – oligopolistische Strukturen im deutsch-russischen Gashandel weitgehend aufrechterhalten werden konnten. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Rolle von Gazprom sowie den strategischen Interdependenzen zwischen den Marktteilnehmern.
2.8.1 Problem der „optimalen“ Bepreisung
Die staatlich regulierten Binnenmarktpreise haben zwei Effekte. Zum einen haben sie zu einer nicht effizienten Erdgasverwendung geführt und zum anderen entstand ein Verdrängungseffekt zu Lasten alternativer Brennstoffe. Aufgrund der Einnahmen aus dem Exportgeschäft haben sich der russischen Regierung gewaltige verteilungspolitische Spielräume eröffnet. So können gesellschaftliche Gruppen subventioniert und die Industrie wettbewerbsfähig gehalten werden. Während in Westeuropa bei der Strom- und Wärmegewinnung höchstens ein Verlustanteil von 20 % toleriert wird, sind es in Russland 60 % (Götz 2004, S. 15; Ahrend/Tompson 2004, S. 2 f.).
Folglich können langfristig nur kostendeckende und somit steigende Energiepreise gewährleisten, dass die Gaswirtschaft in die Infrastruktur des Binnenmarktes investiert. Diese Preissteigerungen haben wiederum Auswirkungen auf die Produktionskosten der Industrie. Hierdurch werden das (kurzfristige) Wirtschaftswachstum und das verfügbare Einkommen der Privathaushalte beeinflusst. Somit ist die Entscheidung über die Höhe der Preise immer auch ein „politisches“ Abwägen des Für und Wider (IEA 2004, S. 291).
Die Ermittlung eines für Gazprom rentablen und für die Bevölkerung „gerechten“ Binnenmarktpreises gestaltet sich als schwieriges Unterfangen, da keine oder nur unzureichende Transparenz hinsichtlich der tatsächlichen Gasbereitstellungskosten gibt. Gazprom selbst gibt an, dass trotz der Preiserhöhungen der letzten Jahre, die zwar ein Wachstum oberhalb der Inflationsrate aufwiesen, noch kein „profitables“ Niveau im Binnenmarkt erreicht sei (Gazprom 2007). Daher hat das Unternehmen in Kooperation mit den zuständigen staatlichen Institutionen eine Vereinbarung erarbeitet, die eine sukzessive Preissteigerung bei gleichzeitiger Expansion des nicht (preislich-)regulierten Sektors vorsieht.
1 Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die Relevanz des deutsch-russischen Gashandels und legt das Ziel der Arbeit fest, die Aufrechterhaltung oligopolistischer Strukturen trotz marktwirtschaftlicher Veränderungen zu analysieren.
2 Aufbau der postsowjetisch - russischen Gaswirtschaft: Das Kapitel stellt die Entwicklung der Gasindustrie Russlands nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion dar, wobei die dominierende Rolle von Gazprom sowie die Auswirkungen der staatlichen Preisregulierung und Infrastrukturprobleme beleuchtet werden.
3 Gazproms (Zukunfts-) Strategie: Diversifizierung, Marktbeherrschung und Expansion: Hier werden die strategischen Zielsetzungen von Gazprom analysiert, die sich auf die Sicherung neuer Absatzmärkte, die Festigung der Marktbeherrschung und die Expansion entlang der Wertschöpfungskette konzentrieren.
4 Die Entstehung des deutschen Erdgasmarktes: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Erdgasindustrie in Deutschland von den 1960er Jahren bis zur Wiedervereinigung nach, inklusive der Veränderungen im Wärmemarkt.
5 Aufbau der deutschen Gaswirtschaft: Die Untersuchung des aktuellen Aufbaus der deutschen Gaswirtschaft zeigt die hohe Importabhängigkeit und die Auswirkungen der europäischen Liberalisierung auf die Marktstruktur.
6 Entwicklung der Handelsbeziehungen Ruhrgas – Gazprom: Ein Überblick über die historischen Handelsverträge und die Partnerschaft zwischen Ruhrgas und Gazprom, die den Grundstein für die heutige Marktkonzentration legten.
7 WINGAS - Gazprom in Deutschland: Das Kapitel skizziert die Gründung und den Aufstieg des Gemeinschaftsprojekts WINGAS als Wettbewerber auf dem deutschen Markt.
8 Oligopolistische Märkte: Der deutsche Erdgasmarkt: Mit Hilfe des Bertrand-Modells wird theoretisch untersucht, warum der Wettbewerb zwischen den Hauptakteuren E.ON Ruhrgas und WINGAS trotz oligopolistischer Struktur eingeschränkt bleibt.
9 Prinzip und Hintergrund der Heizölbindung: Die Analyse der Preisbildungsmechanismen zeigt auf, warum Gaspreise traditionell an Ölpreise gekoppelt sind und kritisiert dieses Vorgehen.
10 Zur Theorie des Bertrand Modells: Dieses Kapitel erweitert die theoretische Betrachtung um die Auswirkungen langfristiger Lieferverträge und der damit verbundenen Marktabschottung.
11 Der deutsch-russische Außenhandel: Es wird untersucht, wie sich die Energiebeziehungen auf das Handelsbilanzdefizit und die wirtschaftliche Verflechtung der beiden Länder ausgewirkt haben.
12 Zukunftsausblick und Deutschlands „Abhängigkeit“: Ein Ausblick auf die zukünftige Gasversorgung und die kritische Hinterfragung der asymmetrischen Abhängigkeit Deutschlands von russischen Gasimporten.
13 Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der Arbeit werden zusammenfassend dargestellt und Handlungsempfehlungen für die zukünftige Energiepolitik formuliert.
Gazprom, Erdgas, Deutschland, Russland, Energiemarkt, Ölpreisbindung, Langfristverträge, Oligopol, Infrastruktur, Energieversorgung, Marktliberalisierung, Außenhandel, Handelsbeziehungen, Versorgungssicherheit, Bertrand-Modell
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und der Struktur des deutsch-russischen Gashandels sowie den Hintergründen, warum oligopolistische Strukturen in diesem Bereich trotz Marktliberalisierungen stabil geblieben sind.
Die Schwerpunkte liegen auf der russischen Gaswirtschaft (Gazprom), der deutschen Gasmarktstruktur, theoretischen Modellen des oligopolistischen Wettbewerbs, Preisbildungsmechanismen (wie der Ölpreisbindung) und den bilateralen Handelsbeziehungen.
Das Hauptziel ist es, die Bedingungen und Mechanismen zu identifizieren, die den marktmächtigen Unternehmen eine Marktbeherrschung und Preisgestaltung auf hohem Niveau ermöglichen, anstatt eines intensiven Wettbewerbs.
Es werden eine ökonomische Analyse von Marktstrukturen, die Auswertung von Handelsdaten sowie spieltheoretische Ansätze, insbesondere das Bertrand-Modell, zur Erklärung des Marktverhaltens herangezogen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Gaswirtschaft in Russland und Deutschland, eine theoretische Untersuchung der Preis- und Wettbewerbssituation sowie eine empirische Betrachtung des Außenhandels.
Zentrale Begriffe sind Marktbeherrschung, Ölpreisbindung, langfristige Lieferverträge, Gas-Release-Programme, asymmetrische Abhängigkeit und interdependente Wirtschaftsstrukturen.
Die Ölpreisbindung dient der Preisabsicherung und soll die Konkurrenzfähigkeit von Gas gegenüber Heizöl erhalten, wird jedoch zunehmend als marktabschottendes Instrument kritisiert, das einen echten Gas-zu-Gas-Wettbewerb behindert.
Die Arbeit warnt vor einer wachsenden, asymmetrischen Abhängigkeit Deutschlands von russischen Gasimporten und empfiehlt dringend eine konsequentere Diversifizierung der Bezugsquellen und Energieträger, um geopolitische Risiken zu minimieren.
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