Magisterarbeit, 2006
97 Seiten, Note: 2,3
0. Der einleitende Text
1. Der lügende Text (Nietzsche)
1.1 Unsere fabelhafte Welt
1.2 Getriebenes Bewusstsein
1.3 Begreifliche Nerven
1.4 Begriffene Metaphern
1.5 Begreifende Wahrheit
1.6 Schützende Abstraktion
1.7 Perspektivische Perzeptionen
1.8 Getriebene Begriffe
1.9 Nietzsches Sprache
1.10 Literaturtheorie ‚über Wahrheit und Lüge’
1.11 Im Dialog (mit Gadamer)
2. Der wahre Text (Gadamer)
2.1 Transzendierter Sinn
2.2 Abgelöster Vollzug
2.3 Der herme(neu)tische Zirkel
2.4 Fließender Schluss
2.5 Wirkende Horizonte
2.6 Der hermeneutische Text
2.7 Gewalttätige Einheit
3. Der ambivalente Text (de Man)
3.1 Theoretische Praxis
3.2 Fragliche Rhetorik
3.3 Praktizierte Predigt
3.4 Rhetorische Einheit
3.5 Konflikt der Generationen
3.6 Gespiegelter Spiegel
3.7 Sprache an sich (?)
3.8 Paradoxe Katharsis
3.9 Diskursive Logik
4. Der schließende Text
4.1 Traditionslose Literatur
4.2 Literarische Wissenschaft
4.3 Sinnliche Struktur
4.4 Paradoxer Zirkel
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachphilosophischen Grundlagen und literaturtheoretischen Konsequenzen im Werk von Friedrich Nietzsche, Hans-Georg Gadamer und Paul de Man. Das Hauptziel ist es, die spezifischen Verhältnisse von Sprache, Wahrheit und Interpretation innerhalb der jeweiligen philosophischen Richtungen aufzuzeigen, wobei die Arbeit die Paradoxa und die hermeneutische sowie dekonstruktive Struktur von Texten kritisch beleuchtet.
1.1 Unsere fabelhafte Welt
Der Text von Nietzsche fängt mit einer kleinen Geschichte an, die den Menschen mit wissenschaftlicher (kosmologischer) Erkenntnis entwertet. Als Kopernikanische Wende gilt verkürzt gesagt die Erkenntnis, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums sei, welcher eine „Entthronung des Menschen als Herrn der Schöpfung“ (NEUis: 546) folgte. Die Erde ist nur ein zufälliges Gestirn, „in irgend einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls“ (KGW 3;2: 369). Auf dieser Erde leben nun die Menschen, welche aber seit Darwin nicht mehr, als weiterentwickelte, mit Vernunft begabte Affen, also „kluge Thiere“ (KGW 3;2: 369) sind. Dieses >hochmütige< Leben der Menschen ist nun auch begrenzt. Es ist geradezu nichtig, im Vergleich mit der überwältigenden ‚Weltgeschichte’, dem Weltalter. „Es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war“ (KGW 3;2: 369). Er ist unmächtig, sich gegen die Möglichkeit zu wehren, dass „nach wenigen Athemzügen der Natur […] das Gestirn“ (KGW 3;2: 369) erstarrt, und mit ihm er selbst vergeht. Das alles macht den Menschen zu einer kläglichen Figur. Es könnte jemand aus diesen Erkenntnissen eine „Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustrirt haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt“ (KGW 3;2: 369).
Nietzsches kurzer Entwurf einer ‚Fabel’ ist in der Tat sehr literarisch verfasst, nicht dem Stil einer wissenschaftlichen, philosophischen Analyse angemessen. Auch die Wertung, die mit diesen Erkenntnissen des Menschen über den Menschen betrieben wird, ist nicht gerade wissenschaftlich. Andererseits ist es bemerkenswert, dass Nietzsche die Geschichte eine Fabel nennt. Fabeln sind im Allgemeinen Tiergeschichten mit einer >und-was-ist-die-Moral-von-der-Geschicht<-Moral am Schluss. Es geht in ihnen also weniger um (wissenschaftliche) Wahrheit, als um Moral. Komisch ist dabei, dass gerade die Vernunft, die traditionell den Menschen vom Tiere trennt und über es erhebt, zur Erkenntnis führte, dass der Mensch nichts weiter als ein hoch entwickelter Affe sei. Die (wissenschaftliche) Geschichte des Menschen handelt also von Tieren, ist somit eine Fabel, von fabelhaften Wesen verfasst.
0. Der einleitende Text: Zusammenfassung der Zielsetzung der Arbeit, die sich auf Nietzsches Sprachphilosophie, Gadamers Hermeneutik und de Mans Dekonstruktion konzentriert.
1. Der lügende Text (Nietzsche): Untersuchung von Nietzsches Analyse der Sprache als ein Heer von Metaphern und der menschlichen Notwendigkeit, durch Begriffe eine fiktive Wahrheit zu erzeugen.
2. Der wahre Text (Gadamer): Erläuterung von Gadamers hermeneutischem Ansatz, bei dem Sprache und Dialog die unhintergehbaren Medien des Verstehens darstellen.
3. Der ambivalente Text (de Man): Analyse der dekonstruktiven Rhetorik bei de Man, die den Wahrheitsanspruch von Texten durch deren innersprachliche Widersprüchlichkeit untergräbt.
4. Der schließende Text: Synthese der Erkenntnisse über das Verhältnis von Sprache, Literatur und Interpretation unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Ansätze der drei Autoren.
Nietzsche, Gadamer, Paul de Man, Sprachphilosophie, Hermeneutik, Dekonstruktion, Literaturtheorie, Metapher, Rhetorik, Wahrheit, Lüge, Interpretation, Sinnkonstituierung, Paradox, Poststrukturalismus.
Die Arbeit untersucht die sprachphilosophischen Konzepte bei Nietzsche, Gadamer und de Man und beleuchtet, wie diese Autoren das Verhältnis zwischen Sprache, Wirklichkeit und der Interpretation von Texten definieren.
Die zentralen Themen sind das Wesen der Sprache als Metaphernsystem, die hermeneutische Zirkelstruktur des Verstehens und die dekonstruktive Aufdeckung rhetorischer Widersprüche in literarischen Texten.
Das Ziel ist eine vergleichende Analyse, wie die drei Denker den Wahrheitsbegriff hinterfragen und welche Konsequenzen dies für eine moderne Literaturwissenschaft hat.
Die Arbeit nutzt eine komparative Lektüre der Primärtexte von Nietzsche, Gadamer und de Man und setzt diese in den Kontext aktueller Forschungsliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte, die jeweils einen der Autoren und deren spezifischen Umgang mit Texten (Lüge, Wahrheit, Ambivalenz) detailliert analysieren.
Begriffe wie "Gleichsetzen des Nicht-Gleichen", "Wirkungsgeschichte", "Rhetorik", "Metonymie" und "Paradox" sind zentral für das Verständnis der Argumentation.
Während Nietzsche Sprache als radikale Konstruktion und Lüge wertet, um das Leben zu erleichtern, sieht Gadamer im hermeneutischen Dialog eine notwendige, sinnstiftende Tradition, die eine gemeinsame Verständigung ermöglicht.
De Man argumentiert, dass literarische Texte sich aufgrund ihrer innersprachlichen rhetorischen Struktur ständig selbst dekonstruieren, was eine eindeutige, objektive Sinnfestlegung durch eine Wissenschaft prinzipiell ausschließt.
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