Magisterarbeit, 2007
107 Seiten, Note: 1,3
Politik - Allgemeines und Theorien zur Internationalen Politik
1. EINLEITUNG
2. WAS IST ZENSUR– EINE ANNÄHERUNG
2.1 VERSCHIEDENE FUNKTIONEN VON LITERATUR
2.2 ZENSURGESCHICHTE
2.2.1 Stufe I - Ursprünge
2.2.2 Stufe II – Entwicklung der klerikalen Zensur
2.2.3 Stufe III – Staatliche Zensur
3. ZENSUR IN TOTALITÄREN REGIMES
3.1 LITERARISCHE ZENSUR IM NATIONALSOZIALISMUS
3.1.1 Die Reichskulturkammer
3.1.1.1 Der Aufbau der RKK
3.1.1.2 Die Aufgaben der RKK
3.1.2 Die Reichsschrifttumskammer
3.1.2.1 Die RSK – ein historischer Abriss
3.1.2.2 Zensur durch die RSK - Präventivzensur
3.1.2.3 Zensur durch die RSK - Nachzensur
3.1.2.4 Rivalität der RSK mit dem Amt Rosenberg
3.2 LITERATUR IM NATIONALSOZIALISMUS
3.2.1 Eine Einordnung
3.2.2 Oppositionelle Literatur
3.2.2.1 Antifaschistische Literatur
3.2.2.1.1 Adam Kuckhoff: „Der Deutsche von Bayencourt“
3.2.2.1.2 Jan Petersen: „Unsere Straße“
3.2.2.2 Regimekritische Literatur
3.2.2.2.1 Ernst Jünger: „Auf den Marmorklippen“
3.3 LITERARISCHE ZENSUR IM FASCHISMUS
3.3.1 Das Ministero della Cultura Popolare – Minculpop
3.3.2 Die Reale Accademia d’Italia – Funktion und Geschichte
3.3.3 Die Società Dante Alighieri – Funktion und Geschichte
3.4 LITERATUR IM FASCHISMUS
3.4.1 Eine Einordnung
3.4.2 Oppositionelle Literatur
3.4.2.1 Regimekritische Literatur
3.4.2.2 Antifaschistische Literatur
3.4.2.2.1 Elio Vittorini: „Uomini e no“
4. FAZIT
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang von Literatur und Zensur in den totalitären Regimen des Nationalsozialismus und des Faschismus im 20. Jahrhundert. Dabei liegt der Fokus auf der vergleichenden Analyse der staatlichen Kontrollstrukturen sowie der Möglichkeiten von Literaten, unter diesen Bedingungen systemkritische oder oppositionelle Inhalte zu veröffentlichen.
3.1.2.2 Zensur durch die RSK - Präventivzensur
Zu den Aufgaben der RSK heißt es in deren Handbuch: „Die Schrifttumskammer faßt sämtliche Personen, die, von der Urproduktion der Dichtung angefangen, bis zum gewerblichen Vertrieb am deutschen Schrifttum arbeiten, als Mitglieder zusammen. Sie hält den Berufsstand rein von unerwünschten Elementen und hält den Büchermarkt rein von undeutschem Gut.“55
Hier zeigt sich schon die effektivste Zensurmethode, eine Präventivzensur, die über die Mitgliedschaft ausgeübt wird. Denn ein Autor, der zwar schreiben, aber nicht veröffentlichen kann, kann seine Ideen auch nur schwer verbreiten. Ein Schriftsteller, Verleger oder Buchhändler, der kein Mitglied der RSK war, erhielt durch seine Nicht-Mitgliedschaft quasi ein Berufsverbot.
Zudem standen auch die Literaturschaffenden, die Mitglieder waren, unter dem Druck des § 10 der 1. Durchführungsverordnung des Reichskulturkammergesetzes, der Zuverlässigkeit und Eignung. In diesem Paragraphen war festgelegt, dass, wer sich nicht an die Vorgaben der nationalsozialistischen Literaturpolitik halte, aus der Kammer ausgeschlossen werden könne. Perfide dabei war die Tatsache, dass dieser Paragraph und auch weitere Richtlinien so allgemein und vage gehalten waren, dass ihre Auslegung allein Sache der Verantwortlichen war. Das führte dazu, dass allein aus Angst vor einem Kammerausschluss eine nicht unerhebliche Menge an kritischer Literatur von Autoren und Verlegern zurückgehalten wurde.
Nach der Zensur über die Mitgliedschaft war die Kontrolle der Verleger ein weiterer Ansatzpunkt für umfassende Zensur. Da die Kontrolle über die Mitgliedschaft nicht geeignet war, eine absolute Unterdrückung systemkritischer Literatur zu gewährleisten, sollte über diesen Weg zumindest ihre Vervielfältigung und Verbreitung verhindert werden. Eine Kontrollfunktion erfüllte in diesem Bereich die „Beratungsstelle Verlag“, deren Aufgabe es war, „die Verleger […] zu beraten, damit für schädliches und unerwünschtes Schrifttum gar nicht erst Kosten aufgewendet werden“56.
1. EINLEITUNG: Darstellung der Bedeutung von Literatur für die Meinungsäußerung und Einführung in die Fragestellung bezüglich der Zensur als machtpolitisches Instrument.
2. WAS IST ZENSUR– EINE ANNÄHERUNG: Definitorische Annäherung an den Zensurbegriff unter Fokus auf staatliche Kontrollinstanzen sowie Abriss der historischen Entwicklung von Zensur.
3. ZENSUR IN TOTALITÄREN REGIMES: Analyse der Zensurmechanismen im Nationalsozialismus und Faschismus mit besonderem Augenmerk auf organisatorische Strukturen und oppositionelle Literaturen.
4. FAZIT: Zusammenfassende Gegenüberstellung der beiden Systeme unter Anwendung von vier Diktaturkriterien sowie Reflexion über den Zusammenhang zwischen Systemkomplexität und Widerstandspotential.
Zensur, Nationalsozialismus, Faschismus, Literatur, Reichsschrifttumskammer, Minculpop, Präventivzensur, Widerstandsliteratur, Systemkritik, Propaganda, Innere Emigration, Resistenza, Totale Kontrolle, Gleichschaltung, Kulturpolitik
Die Arbeit analysiert die literarische Zensur als Mittel politischer Kontrolle in totalitären Systemen, speziell im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus.
Die Arbeit untersucht staatliche Organisationsstrukturen der Zensur, den Umgang von Autoren mit dieser Überwachung und die Kategorisierung der Literatur (z. B. systemkonform, regimekritisch, antifaschistisch).
Das Ziel ist es, den Einfluss totalitärer Regimes auf die Literatur zu veranschaulichen und einen systematischen Vergleich der Kontrollstrukturen in Deutschland und Italien vorzunehmen.
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die auf der Untersuchung von historischen Quellen, Organisationsstrukturen (z.B. Reichskulturkammer) und exemplarischen literarischen Werken basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Zensurbehörden, die Typisierung der Literatur unter der Diktatur und die Analyse von Beispielen oppositioneller Literatur in beiden Ländern.
Zentrale Begriffe sind Zensur, Reichsschrifttumskammer, Präventivzensur, Faschismus, Nationalsozialismus und der Widerstand von Intellektuellen.
Der Fall des Autors Reinhold Wulle dient als Beispiel für die bürokratischen internen Machtkämpfe innerhalb der Zensurbehörden, die trotz rigider Strukturen Lücken im System zuließen.
Sie wird als ambivalent angesehen, da sie zwischen purer Anpassung (Eskapismus) und dem Versuch, innerhalb der Systemzwänge eine kritische Botschaft zu chiffrieren, schwankt.
Das NS-System war auf eine totale, zentralistische Kontrolle ausgerichtet, während der Faschismus bei der Zensur subtiler vorging und bestehende Institutionen (wie Akademien) stärker zur Vereinnahmung nutzte, was zu einer "schleichenden" Unterwanderung führte.
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