Essay, 2007
11 Seiten
1. SitRep
2. Ein Blick zurück
3. Sprachliche Mittel – Eine Auswahl
3.1 Infinitvkonstruktionen
3.2 Verblose Sätze
3.3 Imperativformen
4. Abschließende Lagefeststellung und Geländebeurteilung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Besonderheiten der deutschen Militärsprache im 21. Jahrhundert und hinterfragt, inwiefern diese über eine bloße Sammlung technischer Fachbegriffe hinausgeht. Dabei wird analysiert, wie militärische Kommunikation als Ausdruck innerer Haltung fungiert und welche syntaktischen Mittel zur Steuerung von Befehlen und Kommandos eingesetzt werden.
3.1 Infinitvkonstruktionen
„In Linie – antreten!“
„Frau Oberleutnant – Anzugordnung herstellen!“
„Alle Mann – auf einen Absacker in die Bar verlegen!“
Was sich formal gleicht, ist inhaltlich noch lange nicht das Gleiche. Obwohl alle drei Äußerungen Infinitivkonstruktionen sind, ist die erste in pragmatischer Hinsicht ein ‚Kommando’, die zweite ein ‚Befehl’ und die dritte ein sog. ‚unverbindlicher Befehl’, da er keinem dienstlichen Zweck dient. Infinite Verbformen sind in der Kommandosprache die zahlenmäßig am häufigsten vertretenen Konstruktionen. Zu ihnen gehören, in vergleichsweise geringerem Maße, auch Partizipialkonstruktionen, z.B. „Stillgestanden!“. Der umgangssprachlich auch als ‚Kutscherimperativ’ bezeichnete Infinitiv Präsens ist im Vergleich zu den mit ihm konkurrierenden Mitteln zum Ausdruck einer Aufforderung die kürzeste, insofern auch die pragmatisch effektivste verbale Variante. Eine Anweisung wie „Rottenweise ins Gebäude einrücken!“ ist schneller gesagt und akustisch leichter zu verstehen als „Ich befehle Ihnen hiermit, dass Sie rottenweise ins Gebäude einrücken“ oder gar „Dass Sie mir nun ja rottenweise ins Gebäude einrücken!“. Voraussetzung in allen drei Fällen ist natürlich, dass man weiß, was eine Rotte ist!
1. SitRep: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und beleuchtet die Vielfalt der heutigen Militärsprache, die von historischen Kavallerieausdrücken bis hin zu modernem „Germlish“ und komplizierten Abkürzungsketten reicht.
2. Ein Blick zurück: Hier wird die historische Entwicklung der deutschen „Heeressprache“ seit dem 18. Jahrhundert nachgezeichnet, wobei die Bedeutung unmissverständlicher Befehle für das militärische Handeln im Vordergrund steht.
3. Sprachliche Mittel – Eine Auswahl: Dieses Kapitel analysiert die linguistischen Besonderheiten der militärischen Kommandosprache, insbesondere den Gebrauch von Infinitivkonstruktionen, verblosen Sätzen und verschiedenen Imperativformen.
4. Abschließende Lagefeststellung und Geländebeurteilung: Das Schlusskapitel fasst die Untersuchung zusammen und deutet auf die weiteren, noch kaum erforschten Felder der militärischen Terminologie und ihrer sozialen Einbettung hin.
Militärsprache, Bundeswehr, Kommunikation, Kommandosprache, Befehlstechnik, Syntax, Infinitiv, Imperativ, Dienstvorschriften, Soldatenjargon, Sprachgeschichte, Führungsmittel, Fachsprache, Sprachnormierung, Heeressprache.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der deutschen Militärsprache im 21. Jahrhundert, ihrer historischen Herkunft und ihrer heutigen praktischen Anwendung innerhalb der Bundeswehr.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Fachsprache und Jargon, die Rolle der Sprache als Führungsinstrument sowie die historisch gewachsene Präzision militärischer Ausdrucksformen.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie militärische Kommunikation als bewusstes Führungsmittel eingesetzt wird, um Klarheit und Disziplin in der Truppe zu gewährleisten.
Es wird eine linguistische Analyse der syntaktischen Strukturen angewandt, die durch die Auswertung von Dienstvorschriften und militärischen Praxisbeispielen gestützt wird.
Im Hauptteil werden schwerpunktmäßig die syntaktischen Einheiten wie der „Kutscherimperativ“ (Infinitiv), verblose Befehlssätze und der Gebrauch des Indikativs im Vergleich zum Imperativ detailliert untersucht.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Kommandosprache“, „Dienstvorschriften“, „Sprachnormierung“ und „Soldatenjargon“ geprägt.
Der Indikativ suggeriert, dass der befohlene Zustand bereits als Teil der Realität angesehen wird, was die Verbindlichkeit des Befehls erhöht, während der Imperativ eher als Aufforderung für eine noch ausstehende Handlung wahrgenommen wird.
Er dient als pragmatisch effiziente und kurz gefasste Anweisung, die akustisch leichter verständlich ist als komplexe Sätze im Konjunktiv oder Indikativ.
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