Magisterarbeit, 2004
97 Seiten, Note: 1,3
A. Einleitung
B. Hauptteil
I. Historisch-biographischer Hintergrund
1. „Philologie [ist] ihrem Ursprunge nach und zu allen Zeiten zugleich Pädagogik gewesen.“
1. 0 Philologie zwischen Bildung und Wissenschaft
1. 1 Wilhelm v. Humboldt
1. 1. 1 Neubestimmung des Wissenschaftsbegriffs
1. 1. 2 Die Grundprinzipien der Bildung: Freiheit, Einsamkeit, Agonalität
1. 1. 3 Das dreifache Streben des Geistes: Prinzip, Ideal, Idee
1. 1. 4 Vollständigkeitsprinzip versus Einheitsprinzip
1. 2 Friedrich August Wolf
1. 2. 1 Der Bildungsgedanke in der Klassischen Altertumswissenschaft
1. 2. 2 Das neue Menschenbild: Selbsttätigkeit und Originalität
1. 3 August Boeckh
1. 3. 1 Bildung auf hermeneutischer Basis: Das Erkennen des Erkannten
1. 3. 2 Bildung neuer Ideen: Das Erkannte wird Eigenes
1. 3. 3 Bildung zur Wissenschaft: Individualität als Basis für Kongenialität
1. 3. 4 Selbstbildung: Kongenialität als Mittel zur Selbsterkenntnis
2. „Methode ist fast zu einem Stichwort geworden.“
2. 1 Friedrich Ritschl
2. 1. 1 Die Textkritische Wende
2. 1. 2 Ausbildung zur historisch-kritischen Methode
3. „Der Beistand der künstlerisch gearteten Naturen“
3. 1 Jakob Burckhardt
3. 1. 1 Die Antimethode
3. 1. 2 Gesamt- und Einzelbilder als Sinnbild für das Ideal
II. Quellen
1. 0 Alte und neuere Geschichtsschreiber
1. 1 Nietzsche in der Auseinandersetzung mit historischen Quellen
1. 1. 1 Diogenes Laertius
1. 2 Nietzsche in der Auseinandersetzung mit den neueren Darstellungen
1. 2. 1 Eduard Zeller, Heinrich Ritter und Christian August Brandis
III. Die Einzelbilder: Nietzsches Interpretation der vorplatonischen Philosophen
1. Thales: Der Beginn des philosophischen Denkens
2. Anaximander: Der erste, untragische Erklärungsversuch
3. Heraklit: Der Weg von der menschlichen zur göttlichen Anschauung
4. Parmenides: Der Erfinder des reinen Denkens
5. Zenon: Der Erfinder des Argumentierens
6. Anaxagoras: Der Erfinder der Induktion und der Metaphysik der ersten Ursache
7. Xenophanes: Der Erfinder des Skeptizismus
C. Schlussbetrachtung
D. Literaturangaben
Die vorliegende Magisterarbeit analysiert Nietzsches "Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen" im Kontext der bildungs- und wissenschaftstheoretischen Debatten des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, Nietzsches philologische Praxis als einen Prozess der Selbsterkenntnis und Persönlichkeitsbildung aufzuzeigen, der in bewusster Abgrenzung zur zeitgenössischen, "positivistischen" Philosophiegeschichtsschreibung steht.
3. Heraklit: Der Weg von der menschlichen zur göttlichen Anschauung
Mit Heraklit wird das Bild des antiken Philosophen gestochen scharf. Er befreit das Denken endgültig aus der mystischen Nacht und erhebt es in die Helle eines „göttlichen Blitzschlags“ (PHG, 25) Diese, Nietzsches Meinung zu Folge, allererste Aufklärung des Denkens vollzieht sich bemerkenswerter Weise nicht durch Vernunft, gegenüber der sich Heraklit „kühl, unempfindlich, ja feindlich zeigt“ (PHG, 27), sondern durch Intuition. Dennoch ist sie weniger weit von kritischer, aufgeklärter Erkenntnis entfernt, als es zunächst scheinen mag. Und doch bleibt Heraklits Anschauung, die sich zwar über den Mythos erhebt, durch die Art der Denkform, unter die sie gebracht wird, mit ihm verbunden.
Heraklit schaut sich die äußere Welt an und ruft aus: das Werden schaue ich an. [...] Und was schaute ich? Gesetzmäßigkeiten, [...] die ganze Welt das Schauspiel einer waltenden Gerechtigkeit. [...] Und er hält Anaximander entgegen: „Wo das Gesetz regiert, wie sollte da die Sphäre der Schuld sein?“ Heraklit, so glaubt Nietzsche, erkennt als erster Regelmäßigkeiten der Naturkräfte und glaubt dadurch über moralische oder mystische Deutungsweisen hinausgreifen zu können. Doch das Erkennen von Naturgesetzen wird Heraklit nicht, wie man annehmen könnte, zu einer rational wissenschaftlichen Betrachtungsweise der Welt führen. Der Grieche denkt noch nicht in Begriffen, wie Ursache und Wirkung. Sein Denken ist im Leben und dieses im Mythos verhaftet. Wo er Gesetzmäßigkeit, regelmäßigen Wechsel erkennt, da denkt er agonal, d. h. er denkt an Streit oder Krieg. Sein Erklärungsprinzip für die Welt ist kein kausales, sondern ein agonales, wodurch Heraklits Philosophie im Mythos verwurzelt bleibt, wie er uns zu Beginn von Hesiods Werke und Tage begegnet:
I. Historisch-biographischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die neuhumanistische Tradition der Philologie, die Bildung und Wissenschaft als Einheit zur Persönlichkeitsentfaltung begreift.
II. Quellen: Hier wird Nietzsches methodischer Umgang mit antiken Überlieferungen und zeitgenössischen Philosophiegeschichten kritisch hinterfragt.
III. Die Einzelbilder: Nietzsches Interpretation der vorplatonischen Philosophen: Der Hauptteil analysiert, wie Nietzsche die einzelnen Philosophen als Typen wählt, um seine eigene geistige Entwicklung im Spiegel der Antike zu reflektieren.
C. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet das fragmentarische Werk Nietzsches in dessen umfassendere Kulturmetaphysik ein.
D. Literaturangaben: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Nietzsche, Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen, Philologie, Bildung, Wissenschaft, Selbsterkenntnis, Kongenialität, Hermeneutik, Vorplatoniker, Historismus, Kultur, Persönlichkeitsbildung, Positivismus, Antike.
Die Arbeit untersucht Nietzsches frühes Manuskript "Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen" und fragt, wie Nietzsche die Philosophiegeschichte nutzt, um seine eigene Identität als Denker zu formen.
Im Fokus stehen das neuhumanistische Bildungsideal, die philologische Methodik des 19. Jahrhunderts und die philosophische Interpretation antiker Denker.
Ziel ist es, den bildungstheoretischen Kontext Nietzsches aufzudecken und zu zeigen, dass seine Interpretation der Vorsokratiker eng mit seinem eigenen Streben nach Selbsterkenntnis verknüpft ist.
Die Autorin kombiniert eine historisch-kritische Analyse von Nietzsches Quellen mit einer hermeneutischen Betrachtung seines Werkes im Kontext seiner biographischen Entwicklung.
Der Hauptteil gliedert sich in den historisch-biographischen Hintergrund, eine methodische Analyse der Quellenarbeit sowie eine detaillierte Interpretation der einzelnen vorplatonischen Philosophen.
Zu den prägenden Begriffen zählen Bildung, Philologie, Kongenialität, Selbsterkenntnis und der tragische Charakter des griechischen Denkens.
Er kritisiert eine rein "positivistische" oder rein faktensammelnde Philologie als leblose "Kauzwissenschaft", der es an der entscheidenden Einbindung in eine lebendige Kultur mangelt.
Er wählt den Begriff "Vorplatoniker" statt "Vorsokratiker", um die einzelnen Philosophen nicht als Glieder einer Schulkette, sondern als eigenständige, reine Typen und Persönlichkeiten herauszustellen.
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