Examensarbeit, 2007
112 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
Die Identitätssuche der deutschen Sozialdemokratie
2. Überblick zur Forschungslage
3. Der Revisionismus Eduard Bernsteins
Die erste Identitätskrise der Partei: Anfang vom Ende?
3.1 Grundsätzliches
„Das Endziel ist nichts, die Bewegung ist alles“
3.2 Philosophie
Dialektik, historischer Materialismus und Determinismus
3.3 Ökonomie
Abkehr von Wert- und Mehrwerttheorie
3.4 Staat und Strategie
Demokratie als Mittel zum Zweck
4. Der Parteitag von Bad Godesberg 1959
Anpassung an die „bürgerliche Gesellschaft“: Bernsteins später Sieg
5. Sozialdemokratische Politik Ende des 20. / Anfang des 21. Jahrhunderts
Die Öffnung zur „Neue Mitte“
5.1 Sozialdemokratische Reformpolitik
Reaktionen auf sich wandelnde ökonomische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen
5.2 Programmatische Modernisierung
Neue Identität oder Abschied in die Profillosigkeit?
6. Epilog
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Identitätssuche der deutschen Sozialdemokratie, wobei sie insbesondere den Einfluss von Eduard Bernsteins Revisionismus als Ausgangspunkt für grundlegende parteiinterne Umbrüche analysiert. Das primäre Ziel besteht darin, die Kontinuitäten und Brüche in der Entwicklung der SPD von der marxistischen Orientierung des 19. Jahrhunderts bis zur "Neuen Mitte" und den Reformen der "Agenda 2010" aufzuzeigen und die Frage zu beantworten, was von der ursprünglichen Identität der Partei bis heute erhalten geblieben ist.
3.2 Philosophie: Dialektik, historischer Materialismus und Determinismus
Marx’ und Engels’ „Lehre“ war gegen Ende des 19. Jahrhunderts trotz ihrer Aktualität nur wenigen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten en détail geläufig. Insbesondere von den philosophischen Anschauungen ihrer geistigen Urväter wussten die meisten nichts. Was sie jedoch wussten, stammte ursprünglich selten von Marx und Engels selbst. Und dies, trotz der Tatsache, dass sich Engels im „Anti-Dühring“ alle Mühe gegeben hatte, die Idee des Materialismus und vor allem die der Dialektik verständlicher zu machen.
Engels beschreibt zwei wesentliche Gesetze der Dialektik, die an dieser Stelle kurz erläutert werden sollen, um Bernsteins Kritik auf dieser Ebene nachher besser verstehen zu können. Das „stufenförmige Denken“ Hegels, das später auch Marx aufgriff und weiterentwickelte, bewegt sich grundsätzlich in drei Stufen: Der erste Abschnitt der Logik geht dabei beispielsweise vom Sein als der „Thesis“ zum Nichts als der „Antithesis“ und von dort schließlich zum Werden als der Einheit von Sein und Nichts zur „Synthesis“ über.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit einer historischen Untersuchung der SPD, ohne den politikwissenschaftlichen Kontext zu vernachlässigen, und skizziert die langfristige Identitätssuche der Partei.
2. Überblick zur Forschungslage: Dieses Kapitel gibt einen Einblick in die für die Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärquellen und begründet die methodische Herangehensweise.
3. Der Revisionismus Eduard Bernsteins: Hier wird der Revisionismus als Auslöser der ersten großen Identitätskrise der SPD untersucht, wobei Bernstein als geistiger Vater einer systemverändernden Reformdebatte dargestellt wird.
3.1 Grundsätzliches: Dieses Unterkapitel analysiert das Spannungsverhältnis zwischen dem marxistischen "Endziel" und der tatsächlichen parlamentarischen Praxis der Partei.
3.2 Philosophie: Der Abschnitt erläutert die marxistische Dialektik und historische Materialismus-Theorie, gegen die Bernstein seine Kritik richtete.
3.3 Ökonomie: Hier wird Bernsteins Kritik an der Marx'schen Wert- und Mehrwerttheorie und deren Bedeutung für das kapitalistische Verständnis erörtert.
3.4 Staat und Strategie: Dieses Kapitel behandelt das neue Staatsverständnis Bernsteins und die Rolle der Demokratie als Mittel zum Zweck im sozialistischen Reformprozess.
4. Der Parteitag von Bad Godesberg 1959: Die Untersuchung belegt diesen Parteitag als "späten Sieg" Bernsteins und als Zäsur in der Abkehr der SPD von marxistischen Glaubenssätzen.
5. Sozialdemokratische Politik Ende des 20. / Anfang des 21. Jahrhunderts: Dieses Kapitel analysiert die Öffnung der SPD zur "Neuen Mitte" und die Reaktionen auf Globalisierung und gesellschaftlichen Wandel.
5.1 Sozialdemokratische Reformpolitik: Fokus auf die Anpassung der Partei an veränderte ökonomische Rahmenbedingungen und die Herausforderung der Globalisierung.
5.2 Programmatische Modernisierung: Kritische Reflexion der Modernisierungsbemühungen und der damit einhergehenden Identitätsproblematik der Partei.
6. Epilog: Das Schlusswort resümiert die Identitätsentwicklung der SPD und stellt die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Partei in einer globalisierten Welt.
Eduard Bernstein, Revisionismus, Sozialdemokratie, SPD, Identitätskrise, Bad Godesberg, Neue Mitte, Klassenkampf, Marxismus, Reformpolitik, Agenda 2010, Wirtschaftsdemokratie, Globalisierung, Volkspartei, Programmdebatte.
Die Arbeit untersucht die historische Identitätssuche der SPD und analysiert, wie der Revisionismus Eduard Bernsteins als Ausgangspunkt für spätere parteipolitische Umbrüche und Identitätskrisen fungierte.
Zentrale Themen sind die theoretischen Auseinandersetzungen über Marxismus und Revisionismus, die Entwicklung vom revolutionären zum reformistischen Selbstverständnis sowie die Anpassung der Partei an sich ändernde gesellschaftliche und ökonomische Rahmenbedingungen.
Das Ziel ist es, die Wurzeln sozialdemokratischer Identität freizulegen und zu untersuchen, wie Bernstein'sche Revisionismus-Thesen die heutige Ausrichtung der SPD sowie deren Krisen und Wandlungsprozesse bis in das 21. Jahrhundert geprägt haben.
Der Verfasser nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung von Primärquellen (Originalschriften Bernsteins und parteiinterner Dokumente) und einer fundierten Sekundärliteratur zur Parteigeschichte.
Der Hauptteil behandelt die philosophische und ökonomische Kritik am Marxismus, die Rolle des Staates und der Strategie sowie die Analyse der parteiinternen Richtungskämpfe, die schließlich in den Grundsatzprogrammen von Bad Godesberg (1959) und dem Berliner Programm (1989) kulminierten.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Revisionismus, Identitätskrise, demokratischer Sozialismus, parlamentarische Demokratie, Wirtschaftsdemokratie und Modernisierung.
Die Arbeit zeigt, dass Bernsteins Fokus auf Reformarbeit statt auf revolutionärem Umsturz als geistige Grundlage für die programmatische Neuausrichtung der SPD in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und deren Öffnung zur "Neuen Mitte" dienen kann.
Der Autor kritisiert die Agenda 2010 als einen Modernisierungsschritt, der mangels eines umfassenden neuen theoretischen Grundgerüsts die Partei tiefer denn je spaltete und zu einer Identitätskrise führte, in der der historische Kern der Partei als "Anwalt der Arbeitnehmer" in Frage gestellt wurde.
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