Diplomarbeit, 1995
96 Seiten, Note: 2
0 Einleitung
1 Methode
1.1 Vorbereitung der Untersuchung
1.2 Datenerhebung
1.3 Datenauswertung
2 Die Begriffe Aggression, Gewalt, Ausländerfeindlichkeit
3 Theorien zu Aggression und Gewalt
3.1 Die Frustrations-Aggressions-Hypothese
3.2 Die lerntheoretische Konzeption zum Phänomen Aggression
3.3 Die tiefenpsychologischen Theorien zum Phänomen Aggression
3.3.1 Erste Freud'sche Konzeption
3.3.2 Zweite Freud'sche Konzeption
3.3.3 Dritte Freud'sche Konzeption
3.4 Die ethologische Konzeption zum Phänomen Aggression
3.5 Soziologische Gewaltkonzeptionen
3.6 Abschließende Bewertung
4 Auswertungen der Interviews
4.1 Das Gespräch mit Interviewpartner A
4.1.1 Kontext
4.1.2 Auswertung
4.1.3 Fazit
4.2 Das Gespräch mit Interviewpartner C
4.2.1 Kontext
4.2.2 Auswertung
4.2.3 Fazit
4.3 Das Gespräch mit Interviewpartner D
4.3.1 Kontext
4.3.2 Auswertung
4.3.3 Fazit
4.4 Das Gespräch mit Interviewpartner F
4.4.1 Kontext
4.4.2 Auswertung
4.4.3 Fazit
4.5 Das Gespräch mit Interviewpartner G
4.5.1 Kontext
4.5.2 Auswertung
4.5.3 Fazit
5 Integration zum Modell
6 Diskussion der Ergebnisse
7 Zusammenfassung
8 Literatur
Die Arbeit untersucht aus psychologischer Sicht die Funktion von Gewalt bei rechtsextrem orientierten, männlichen Jugendlichen. Das primäre Ziel ist es zu verstehen, welches psychische Bedürfnis oder Erleben die Jugendlichen durch gewalthaftes Handeln zu kompensieren oder zu artikulieren versuchen.
Die Frustrations-Aggressions-Hypothese
Das grundlegende Postulat der Autoren der Frustrations-Aggressions-Hypothese (Dollard et al., 1939, 1961) ist, daß das Auftreten aggressiven Verhaltens immer eine vorweg stattgefundene Frustration voraussetzt, und daß auf eine erfolgte Frustration notwendigerweise Aggression im Individuum hervorgerufen wird. Die Autoren argumentieren jedoch nicht streng lerntheoretisch, indem sie die Frustration als von einem Stimulus hervorgerufen beschreiben, sondern sie legen ein eigenes, ausgearbeitetes Begriffssystem vor. Sie sagen, ein Individuum sei zu einer Zielreaktion instigiert (angeregt). Die Zielreaktion ist diejenige Reaktion, die die Stärke einer Instigation zu einem Grad reduziert, bei dem sie nicht mehr wirksam ist.
Eine Interferenz mit der instigierten Zielreaktion wird nun als Frustration definiert. Aggression wird definiert als eine Handlung, deren Zielreaktion die Verletzung eines Organismus (oder eines Organismus-Ersatzes im Falle einer Ersatzhandlung) ist. Die abhängige Definition von Aggression, die die Frustrations-Aggressions-Hypothese reflektiert, bestimmt sie als Reaktion auf Frustration, die jedoch nur die sekundäre, durch die Frustration induzierte Instigation reduziert und die Stärke der ursprünglichen Instigation zur Zielreaktion unbeeinflußt läßt.
Über diese grundlegenden Definitionen hinaus bemühen sich die Autoren um die Beschreibung „psychologischer Faktoren“, die zu einem Verständnis spezifischer Ausprägungsgrade aggressiven Verhaltens beitragen sollen. So sind weitere Annahmen, daß die Stärke der Instigation zur Aggression eine direkte Funktion des Grades der Frustration darstellt, und daß die Hemmung einer Aggressionshandlung eine direkte Funktion der Stärke der Bestrafung ist, die für die Ausführung dieser Handlung antizipiert wird.
0 Einleitung: Hinführung zum Thema Jugendgewalt und Erläuterung der psychologischen Forschungsfrage.
1 Methode: Darstellung des methodischen Vorgehens auf Basis der Grounded Theory, inklusive Datenerhebung und Auswertung.
2 Die Begriffe Aggression, Gewalt, Ausländerfeindlichkeit: Definition und Abgrenzung der zentralen Begrifflichkeiten.
3 Theorien zu Aggression und Gewalt: Überblick über relevante psychologische Erklärungsansätze.
4 Auswertungen der Interviews: Detaillierte Fallanalysen der Gespräche mit fünf Jugendlichen.
5 Integration zum Modell: Zusammenführung der Ergebnisse zu einem Modell der Defizitverarbeitung durch Gewalt.
6 Diskussion der Ergebnisse: Kritische Reflexion der Befunde im Kontext existierender Aggressionstheorien.
7 Zusammenfassung: Resümee der zentralen Forschungserkenntnisse.
8 Literatur: Verzeichnis der zitierten Quellen.
Jugendgewalt, Rechtsextremismus, Grounded Theory, Aggression, Gewaltfunktion, instrumentelle Aggression, expressive Aggression, Defizitverarbeitung, Autonomie, Machtstreben, Ohnmachtserleben, Identitätsstiftung, Projektion, Ausländerfeindlichkeit, psychische Erlebensverarbeitung.
Die Arbeit untersucht die psychologischen Hintergründe von Gewalt bei männlichen, rechtsorientierten Jugendlichen und fragt, welche Funktion diese Gewalt für die Akteure in ihrer psychischen Erlebensverarbeitung einnimmt.
Die zentralen Themen sind die Analyse von Aggressionstheorien, die Rekonstruktion individueller Biographien und die Untersuchung, wie ideologische Orientierungen zur Kompensation persönlicher Defizite dienen.
Ziel ist es zu verstehen, ob und wie Gewalt als funktionales Mittel dient, um ein positives Selbsterleben herzustellen, das den Jugendlichen aufgrund persönlicher Defizite im Alltag fehlt.
Es wird die Methode der Grounded Theory angewandt, die durch qualitative Interviews mit sieben Jugendlichen Daten sammelt und diese in einem iterativen Prozess auswertet, um ein gegenstandsverankertes Modell zu entwickeln.
Der Hauptteil widmet sich der Auswertung der persönlichen Interviews, in denen latente Sinnzusammenhänge aufgedeckt werden, sowie der theoretischen Einordnung dieser Ergebnisse in die Psychologie der Aggression und Gewalt.
Zentrale Begriffe sind Jugendgewalt, Rechtsradikalismus, Defizitverarbeitung, Autonomie, Ohnmacht und die Differenzierung zwischen instrumenteller und expressiver Aggression.
Ideologien fungieren als "Bühnenbild" für die Inszenierung des eigenen Selbst. Sie legitimieren das Gewaltverhalten und bieten ein identitätsstiftendes Gerüst, das hilft, die eigene, oft als defizitär empfundene Situation zu deuten.
Die Arbeit zeigt auf, dass das Gewalthandeln oft von den Taten und Worten abgespalten ist. Es dient weniger dem Ausdruck eines spontanen Ärgers, sondern ist eine (inszenierte) Strategie zur Herstellung eines stabilen Selbstwertgefühls.
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