Magisterarbeit, 2005
75 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Position der Forschung
3. Der Aufbau des Lanzelet
4. Zur Gestaltung der Lanzelet-Figur
4.1 Die Funktion der Namenlosigkeit
4.2 Der Aufbau der Ritterfigur
4.3 Das Verhältnis zu den Frauen – Lanzelet als wîpsaeliger Minneritter?
4.3.1 Die erste Frauenbegegnung – Die Galagandreiz-Tochter
4.3.2 Die zweite Frauenbegegnung – Ade
4.3.3 Die dritte Frauenbegegnung – Iblis
4.3.4 Die vierte Frauenbegegnung – Die Pluris-Königin
4.3.5 Lanzelet als „Erlöser“ in der Drachenkuss-Aventiure?
4.4 Lanzelet als Artusritter und die Rettung der Königin im Lanzelet
4.5 Lanzelet als Herrscher
5. Ausblick
Die vorliegende Arbeit setzt sich intensiv mit der Gestaltung der Lanzelet-Figur im gleichnamigen Versepos des Ulrich von Zatzikhoven auseinander. Das primäre Ziel ist es, den Musterritter Lanzelet differenziert zu betrachten, insbesondere unter Berücksichtigung seiner „wîpsaelikheit“, seiner krisenlosen Lebensdarstellung und seines Wandels vom namenlosen Einzelritter zum Artusritter und schließlich zum Herrscher, um eine neue Sichtweise auf das Werk zu etablieren.
4.1 Die Funktion der Namenlosigkeit
Lanzelet, als Säugling seiner Mutter geraubt, wächst im magischen Reich der merminne auf, ohne seinen Namen, sein Geschlecht und dementsprechend seine Herkunft zu kennen. Elisabeth Schmid deutet diesen Umstand dahingehend, dass „der mütterlichen Instanz die symbolische Funktion der Namengebung abgesprochen“41 wird. Die Funktion der Namengebung obliegt somit nun der Meerfee, aber diese verweigert sie, als der Jüngling ihr Land wegen turnieren unde rîten (V. 305) verlassen möchte. Bezüglich Lanzelets Frage nach seinem Namen muss dabei beachtet werden, dass Lanzelet erst nach seiner Familie – mîne mâge (V. 314) – und danach erst nach seinem eigentlichen Namen fragt (ich enweiz niht mînes namen V. 318). Hierdurch kommt den Verwandtschaftsverhältnissen ebenfalls eine hohe Bedeutung zu.
Dementsprechend ist die Namensuche von Lanzelet nicht nur eine Suche nach dem eigenen Namen, sondern auch eine Suche nach der Familie. René Pérennec beurteilt diese Suche deshalb nicht als eine Wesensuche, sondern als eine Suche nach familiärer Information,42 die letztlich auch eine ganz bestimmte strukturelle Funktion erfüllt. Die Namensuche leitet nämlich, durch ihre verwandtschaftlichen Verhältnisse und deren Bedeutsamkeit für den Protagonisten, zu den Abenteuern des zweiten Handlungsteils, die Lanzelet größtenteils mit seinen und für seine Verwandte bestreitet, über.
1. Einleitung: Beleuchtet den Wandel der Forschung am Lanzelet, der lange als trivial galt, heute jedoch differenzierter als eigenständiges Werk betrachtet wird.
2. Die Position der Forschung: Diskutiert die Kontroversen in der Altgermanistik über den "andersartigen" Artusroman, dessen Struktur stark von Chrétien de Troyes abweicht.
3. Der Aufbau des Lanzelet: Erläutert, dass das Werk einer biographischen Erzählung folgt, in der die für andere Artusromane typische Existenzkrise des Helden fehlt.
4. Zur Gestaltung der Lanzelet-Figur: Analysiert zentrale Merkmale des Helden, wie Namenlosigkeit, Rittertum und seine spezifische "wîpsaelikheit" durch verschiedene Frauenbegegnungen.
5. Ausblick: Führt die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Rolle Lanzelets als alternative Heldenfigur zum klassischen Artusmodell.
Lanzelet, Ulrich von Zatzikhoven, Artusroman, Rittertum, Minne, Iblis, Namenlosigkeit, wîpsaelikheit, Literaturwissenschaft, Mittelalter, Aventiure, Identitätsfindung, höfische Kultur.
Die Magisterarbeit untersucht die Charaktergestaltung und Funktion der Titelfigur im "Lanzelet" von Ulrich von Zatzikhoven und deren Einordnung in die literaturwissenschaftliche Diskussion.
Im Zentrum stehen die Struktur des Romans, die ritterliche Identitätsentwicklung Lanzelets, das Verhältnis zu den Frauenfiguren sowie die Einbindung in die höfische Welt.
Ziel ist eine Rehabilitation der Lanzelet-Figur durch eine differenzierte Analyse, die zeigt, dass die Andersartigkeit des Werkes eine gezielte Gestaltung und nicht ein Mangel ist.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text kritisch gegenüber älteren Forschungsmeinungen und anderen Artusromanen (z.B. von Chrétien de Troyes) abwägt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Namenlosigkeit, die Ausbildung zum Ritter, das Verhältnis zu vier zentralen Frauenfiguren und Lanzelets Rolle als Artusritter sowie Herrscher.
Schlüsselbegriffe sind vor allem "wîpsaelikheit", "Aventiure", "staete", "Minne", die Doppelrolle als Einzelritter und späterer Tafelrundenritter sowie die "biographische" Struktur des Werkes.
Sie fungiert als Antriebsfeder für Lanzelets Aventiuren, da er seinen Namen und seine familiäre Herkunft erst durch Bewährung in der höfischen Welt erringen muss.
Im Gegensatz zu den anderen Frauenfiguren verkörpert Iblis Beständigkeit ("staete") und Treue, wodurch sie Lanzelets würdige Analogie bildet und seine Herrscher-Position legitimiert.
Der Begriff beschreibt, dass der Held durch Frauen beglückt wird und seine Erfolge oft eng mit diesen Begegnungen verknüpft sind, was für den Autor eine Möglichkeit ist, verschiedene Minnedarstellungen zu reflektieren.
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