Masterarbeit, 2007
114 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Zum Allgemeinen Verständnis – Institution Heim
2.1 Definition von Heimerziehung
2.2 Entwicklungen der Heimerziehung in ihrem historischen Kontext
2.2.1 Kinder- und Jugendfürsorge in der Epoche des Mittelalters
2.2.2 Armenkinderpflege zu Beginn der Neuzeit
2.2.3 Kinder- und Jugendfürsorge unter dem Einfluss von Pietismus und Aufklärung
2.2.4 Die Entwicklung der privatorganisierten Anstaltserziehung im 19. Jahrhundert
2.2.5 Die Anfänge der öffentlichen Jugendfürsorge im 19. Jahrhundert – Rechtsentwicklung
2.2.6 Die Einführung des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes (RJWG)
2.2.7 Die Fürsorgeerziehung zur Zeit des Nationalsozialismus
2.2.8 Heimerziehung nach 1945
2.2.9 Die „Heimkampagne“
2.2.10 Reformen und ihre Auswirkungen
2.2.11 Zusammenfassung
2.3 Der neue gesetzliche Rahmen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes
2.3.1 Hilfen zur Erziehung
2.3.2 Der Hilfeplan
3. Selbstständigkeitserziehung – Vom Fremdzwang zum Selbstzwang
3.1 Begriffsabgrenzung
3.1.1 Was ist Erziehung?
3.1.2 Was ist Selbstständigkeit?
3.2 Vom Fremdzwang zum Selbstzwang
3.3 Bindung als Voraussetzung für Selbstständigkeitsentwicklung
3.4 Die Ablösung vom Elternhaus
4. Erziehung zur Selbstständigkeit in der Heimerziehung
4.1 Beziehungen und Bindungen im Heim
4.1.1 Die Beziehungen zu den Erwachsenen im Heim
4.1.2 Das Beziehungsdreieck von Kind, Heim und Familie
4.1.3 Die Notwendigkeit von Elternarbeit zur Unterstützung des Ablösevorgangs
4.2 In welchem Spannungsfeld steht die Selbstständigkeitserziehung in der Heimerziehung?
4.2.1 Belastende Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen
4.2.2 Institutionsbedingte Erschwernisse
4.2.3 Erschwernisse durch rechtliche Rahmenbedingungen
4.3 Konsequenzen für die Einrichtung und ihre Mitarbeiter
4.3.1 Der Erzieher als Mittler zur Selbstständigkeit
4.3.2 Konsequenzen für die Heimerziehung
4.4 Der Beitrag zur Selbstständigkeitserziehung im betreuten Wohnen
5. Schlusswort
Die Arbeit analysiert die Bedingungen und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Erziehung zur Selbstständigkeit bei Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung, wobei das Spannungsfeld zwischen pädagogischem Anspruch und institutionellen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen untersucht wird.
1. Einleitung
„Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“1
Nicht erst seit der Aufklärung und Kant ist es das Ziel der Erziehung, den Menschen aus seiner ‚selbstverschuldeten Unmündigkeit’ zu führen. Menschliches Denken hat seit den Anfängen der griechischen Philosophie daran festgehalten, dass zu einem menschlichen Leben Freiheit und Selbstständigkeit dazugehören. Von Rousseau über Pestalozzi und Schleiermacher zeichnete sich ein Bedeutungszuwachs der Selbstständigkeit innerhalb der Pädagogik ab. Selbstständigkeit ist damit ein erstrebenswertes Erziehungsziel und wird heute immer mehr erkannt und gefordert.
Was für ein Kind als selbstständig oder unselbstständig gilt, wird stark von den Erwartungen der Gesellschaft beeinflusst. Diese Erwartungen werden bei jüngeren Kindern überwiegend von seinen Bezugspersonen transportiert. Im Verlauf seines Aufwachsens kommen jedoch auch andere Vermittler hinzu, wie beispielsweise Gleichaltrige, Lehrer oder gar fremde Menschen auf der Strasse. In der Auseinandersetzung mit diesen Erwartungen erweist sich das Kind dann als relativ selbstständig oder nicht. Die Selbstständigkeit eines Kindes wird damit in der Bewältigung der aktuellen Anforderungen deutlich, wenn es das, was andere Kinder seines Alters selbstständig tun können, auch kann.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische und pädagogische Bedeutung der Selbstständigkeit als Erziehungsziel und leitet zur Forschungsfrage über, wie dieses Ziel in der Heimerziehung erreicht werden kann.
2. Zum Allgemeinen Verständnis – Institution Heim: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss der Heimerziehung, diskutiert Vorurteile und die Bedeutung von Gesetzen wie dem KJHG für die heutige Praxis.
3. Selbstständigkeitserziehung – Vom Fremdzwang zum Selbstzwang: Hier werden theoretische Begriffe wie Erziehung und Selbstständigkeit definiert und die Bedeutung von Bindung und Ablösungsprozessen für die kindliche Entwicklung erläutert.
4. Erziehung zur Selbstständigkeit in der Heimerziehung: Der Hauptteil analysiert die spezifischen Herausforderungen, denen das pädagogische Personal im Heimalltag gegenübersteht, und betont die Notwendigkeit von Beziehungsarbeit und externen Wohnformen.
5. Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass die Förderung der Selbstständigkeit in Heimen durch stabile Beziehungen und die Vermeidung totaler Kontrollstrukturen gelingen muss, um Jugendlichen eine eigenverantwortliche Lebensführung zu ermöglichen.
Heimerziehung, Selbstständigkeit, Erziehung, Selbstzwang, Fremdkontrolle, Jugendhilfegesetz, Sozialisation, Bindung, Autonomie, Ablöseprozess, Persönlichkeitsentwicklung, Lebensbewältigung, Institution, Pädagogik, Fremdplatzierung.
Die Arbeit untersucht das Ziel der Erziehung zur Selbstständigkeit bei Kindern und Jugendlichen im Kontext der Heimerziehung und die damit verbundenen pädagogischen Herausforderungen.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Heimerziehung, gesetzliche Grundlagen, die Bedeutung psychologischer Bindungen und die institutionellen Bedingungen im Heimalltag.
Das Ziel ist es, Bedingungen zu ermitteln, unter denen eine Erziehung zur Selbstständigkeit in einem institutionellen Rahmen trotz der inhärenten Fremdkontrolle erfolgreich gelingen kann.
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse und Auseinandersetzung mit pädagogischen Konzepten, Gesetzen und historischen Entwicklungen der Heimerziehung.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse des Spannungsfeldes, in dem sich die Erzieher bewegen, sowie der Bedeutung von Elternarbeit und der Verschiebung hin zu betreuten Wohnformen.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Autonomie, Selbstzwang, Fremdkontrolle, Bindungstheorie und die rechtlichen Rahmenbedingungen der Kinder- und Jugendhilfe charakterisiert.
Die Ablösung ist ein tiefgreifender Entwicklungsschritt; für Heimkinder ist dies besonders komplex, da sie häufig mit Vorbelastungen und einer künstlich strukturierten Umgebung umgehen müssen.
Institutionen neigen zu rigiden Abläufen und Fremdsteuerung, was die Selbstständigkeitsentwicklung hemmen kann, wenn das pädagogische Personal keine Freiräume zur individuellen Erprobung schafft.
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