Magisterarbeit, 2004
147 Seiten, Note: 1,7
EINLEITUNG
1. VORSTELLUNG DER FORSCHUNGSARBEIT
1.1 LITERATURLAGE UND ENTWICKLUNG DER FRAGESTELLUNG
1.2 GESTALTUNG DER FELDFORSCHUNGSARBEIT
2. HISTORISCHER HINTERGRUND
2.1 TRANS-SAHARA-HANDEL
2.2 TRANS-ATLANTIK-HANDEL
2.3 ETABLIERUNG VON WAXPRINTS AN DER WESTAFRIKANISCHEN KÜSTE
2.3.1 Kostbare Geschenke aus Java
2.3.2 Wirtschaftliche Konkurrenz und Fortschrittsglaube
2.3.3 Missionarischer Einfluss
3. EXKURS: HERSTELLUNGSVERFAHREN
3.1 JAVANISCHE HANDARBEIT
3.2 MASCHINELLE HERSTELLUNG
3.2.1 ‘Wax print’ und ‘wax cover’
3.2.2 ‘Wax block’
3.2.3 Java- und Fancyprints
3.3 KATEGORIEN VON WAXPRINTS
4. DER GHANAISCHE WAXPRINTMARKT BIS HEUTE
4.1 SCHWEIZ
4.2 GROSSBRITANNIEN
4.3 NIEDERLANDE
4.4 LOKALE PRODUKTION IN GHANA
4.5 GEGENWÄRTIGE SITUATION AUF DEM MARKT
5. KONSUM- UND KLEIDUNGSVERHALTEN
5.1 INTEGRATION VON WAXPRINTS IN DIE KULTURELLE PRAXIS
5.1.1 Namensgebung
5.1.2 Dauerhafte Absatzmöglichkeit
5.1.3 Aufbewahren von Schätzen
5.2 KLEIDUNGSVERHALTEN
5.2.1 Kontinuität und Veränderung
6. NONVERBALE KOMMUNIKATION
6.1 WAXPRINTS ALS ZEICHEN
6.2 ‘IMAGEARBEIT’
6.3 DIE KOMMUNIKATIVE GATTUNG ‘ZEIGEN’
6.3.1 Kontext und kommunikatives Konstrukt
6.3.2 Visuelle Kommunikation
SCHLUSSBEMERKUNGEN
Die vorliegende Arbeit untersucht den soziokulturellen Kontext von Waxprints in Ghana und analysiert deren Funktion als Medium der nonverbalen Kommunikation. Die Forschungsfrage fokussiert dabei, wie sich diese Kommunikationsform im Alltag entfaltet, ob sie permanent präsent ist und in welchen spezifischen sozialen Situationen sie zum Tragen kommt.
6.3.1 Kontext und kommunikatives Konstrukt
Frauen des sozialen Umfeldes beobachten meist sehr genau, ob sich hinter dem Tragen eines Kleidungsstücks eine interpersonale Kommunikation verbirgt. Dabei übernehmen sie einen wesentlichen Part, den Sinngehalt zu modifizieren, indem sie den verbalen Kern des Stoffes auf den Kontext der Trägerin beziehen. Trägt eine Frau fortwährend das gleiche ‘cloth’ oder wechselt nur zwischen zwei verschiedenen, weil ihre finanziellen Möglichkeiten nicht mehr zulassen, dann verliert der verbale Kern des Waxprints an Aussagekraft. Das ist beispielsweise bei Arbeitskleidung der Frauen auf dem Markt, dem Feld oder im Haus sehr häufig der Fall. Oft passt der verbale Kern des Stoffs nicht in den gegebenen Kontext und steht einfach nur noch für sich. Jenes Waxprint kann dann von der Frau nicht mehr gezielt eingesetzt werden.
Sobald aber eine Auffälligkeit beziehungsweise eine Veränderung im Kleidungsverhalten auftritt, gewinnt der assoziierte Text an Bedeutung. Mit dem Waxprint me kunu pa (‘mein guter/fähiger Ehemann’) weist eine Frau beispielsweise auf die finanziellen Möglichkeiten ihres Ehemanns hin, von denen sie profitiert. Die Botschaft ist von daher als Lobbekundung zu verstehen. Gleichzeitig kann die Aussage ‘mein guter beziehungsweise fähiger Ehemann’ als Anspielung auf die sexuelle Potenz des Mannes gedeutet werden. Wie man sich leicht vorstellen kann, liefern solche Zweideutigkeiten amüsanten Gesprächsstoff. Mehrdeutigkeiten, die Sprichwörtern inhärent sind, tragen somit auch dazu bei, die Ernsthaftigkeit einer Situation oder die eigentlich beabsichtigte Aussage zu verzerren.
Die Kommunikation über das Medium Waxprint kann nur im jeweiligen Kontext erfasst werden. Je genauer die Beteiligten die Situation und den Kontext kennen, desto prägnanter kann die Interpretation ausfallen. Mit Kontext ist nicht nur die unmittelbare Situation gemeint, sondern in Anlehnung an Yankah (1989: 53) das weiter gefasste soziokulturelle Milieu einschließlich des sozialen Hintergrunds der an der Kommunikation beteiligten Personen. Die Botschaft ist sozusagen ein kommunikatives Konstrukt, dessen Sinngehalt größtenteils von der sozialen Gruppe abhängt, in der sich die Frau bewegt und präsentiert.
EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Waxprints in Westafrika und Darlegung der Fragestellung zur Rolle als nonverbales Kommunikationsmedium.
1. VORSTELLUNG DER FORSCHUNGSARBEIT: Darstellung der bestehenden Literatur und Erläuterung der angewandten Methoden der Feldforschung in Ghana.
2. HISTORISCHER HINTERGRUND: Historische Herleitung des Handels mit Wachsdruckstoffen über die Sahara und den atlantischen Seeweg sowie deren Etablierung an der westafrikanischen Küste.
3. EXKURS: HERSTELLUNGSVERFAHREN: Detaillierte technische Beschreibung von handgefertigten Batiken aus Java im Vergleich zur modernen maschinellen Produktion.
4. DER GHANAISCHE WAXPRINTMARKT BIS HEUTE: Analyse der Marktentwicklung unter Berücksichtigung europäischer Firmen und des Aufbaus der ghanaischen Textilindustrie.
5. KONSUM- UND KLEIDUNGSVERHALTEN: Untersuchung der soziokulturellen Integration von Waxprints durch Namensgebung, Sammelpraxis und sich ändernde Kleidungsstile.
6. NONVERBALE KOMMUNIKATION: Analyse von Waxprints als Zeichensystem zur interpersonalen Kommunikation, Imagearbeit und Ausübung sozialer Kontrolle.
SCHLUSSBEMERKUNGEN: Zusammenfassung der Kernergebnisse zur kulturellen Aneignung und der kommunikativen Relevanz des Mediums Waxprint.
Waxprints, Ghana, Textilproduktion, Vlisco, GTP, Namensgebung, Kleidungskultur, nonverbale Kommunikation, soziale Identität, traditionelle Designs, moderne Trends, interpersonale Kommunikation, Soziologie, Batik, Zeichenbildung.
Die Arbeit untersucht, wie Waxprints in Ghana über ihre reine Funktion als Kleidungsstück hinaus als Medium für soziale Identität und nonverbale Kommunikation fungieren.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese der Stoffe, deren technischer Herstellung, der Marktsituation in Ghana sowie dem komplexen Zusammenspiel von Konsumgewohnheiten und sozialer Kommunikation.
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie und in welchen Kontexten ghanaische Frauen Waxprints nutzen, um soziale Botschaften, Status oder Kritik indirekt und spielerisch zu vermitteln.
Die Autorin stützt sich auf eine Kombination aus Literaturanalyse und umfangreicher Feldforschung, inklusive teilnehmender Beobachtung, Experteninterviews mit Händlerinnen und Fabrikmanagern sowie der Auswertung von Fragebögen.
Neben einer ausführlichen technischen Abhandlung zur Produktion werden die soziokulturelle Einbettung der Stoffe, das Phänomen der Namensgebung und die Rolle der Kleidung in rituellen sowie alltäglichen Kontexten analysiert.
Wichtige Begriffe sind insbesondere der ‘crackling effect’, ‘Imagearbeit’, ‘Ekutia’ (indirekte Kommunikation), die Bedeutung der Namensgebung für Stoffdesigns und der soziokulturelle Kontext Ghanas.
Nach Nielsen sind dafür drei Kriterien entscheidend: Das Design muss über Jahre hinweg stabil auf dem Markt existieren, es muss als wertvolles Sammelobjekt gelten und es muss mit einem verbalen Kern, wie einem Sprichwort, verknüpft sein.
Der Hauptunterschied liegt im Herstellungsverfahren: Ein ‘Wax Block’ durchläuft komplexere Schritte, bei denen Harzrückstände gezielt verbleiben, um durch manuelle Stempelvorgänge eine höhere Qualität und den für Ghana charakteristischen lebendigen Charakter zu erreichen.
Es dient nicht nur als Ausdruck von Wohlstand und Respektabilität, sondern auch als wichtige finanzielle Rücklage für die Familie sowie als Mittel zur Ausstattung der nächsten Generation.
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