Magisterarbeit, 2002
112 Seiten
1) Einleitung
2) Alltagsleben und Problemfelder ausländischer Jugendlicher
2.1) Politische und rechtliche Situation
2.2) Wohnsituation
2.2.1) Strukturdaten zur ausländischen Wohnbevölkerung
2.2.2) Folgen schlechter Wohnverhältnisse
2.3) Freizeitgestaltung
2.3.1) Allgemeine Beobachtungen zum Freizeitverhalten
2.3.2) Einfluss der Medien
2.4) Zur 'Ausländerkriminalität'
2.5) Religion
2.5.1) Grundzüge des Islam
2.5.2) Zur Rollenverteilung und Familienstruktur in islamischen Familien
2.5.3) Erziehungsideale in traditionellen türkischen Familien
Exkurs: Kategorisierung nach Geerd Hofstede
2.6) Schule und Bildung
2.6.1) Problemfeld Schule
2.6.2) Situation auf dem Arbeitsmarkt
2.7) Zum 'Identitätskonflikt' ausländischer Jugendlicher
2.7.1) Identitätskonzepte
2.7.1.1) E. Erikson
2.7.1.2) G.H. Mead
2.7.1.3) Krappmann
2.7.2) Rolle der familiären Sozialisation
2.7.3) Sekundäre Sozialisation
2.7.4) Zum 'Kulturkonflikt'
2.8) Zusammenfassung
3) Kultur und Ethnizität als soziale Kategorie
3.1) Der Kulturbegriff
3.2) Umgang mit Fremdheit
3.2.1) Begriffliche Abgrenzungen
3.2.2) Soziale Bedingungen zur Konstruktion von Fremdbildern
3.2.3) Zur sozialen Funktion von Fremdbildern
3.3) Schlussfolgerungen: Anforderungen an eine Interkulturelle Pädagogik
4) Interkulturelle Erziehung
4.1) Geschichte und Entwicklung
4.2) Kritik an der interkulturellen Pädagogik
4.3) Integration als Ziel Interkultureller Erziehung
4.4) Erziehungsziel Interkulturelle Kompetenz
4.4.1) Zur Begriffsbestimmung Interkulturelle Kompetenz
4.4.2) Interkulturelle Kompetenz in pädagogischen Handlungsfeldern
4.4.3) Förderung Interkultureller Kompetenz
4.5) Antirassistische Ansätze
4.6) Zusammenfassung
5) Jugendarbeit
5.1) Kurze Geschichte der Jugendarbeit
5.2) Aufgaben der Jugendarbeit
5.3) Ansätze in der Jugendarbeit
5.4) Jugendaustausch und Jugendbegegnung
6) Interkulturelle Jugendarbeit in München
6.1) Situation in München
6.2) Grundlagen und Konzepte interkultureller Jugendarbeit
6.2.1) Grundlagen
6.2.2) Ziele
6.2.3) Methoden
6.3) Leitlinien des Kreisjugendringes zur interkulturellen Arbeit
6.3.1) Der erweiterte Kulturbegriff
6.3.2) Der kulturspezifische Ansatz
6.3.3) Der transkulturelle Ansatz
6.3.4) Der interkulturelle Ansatz
6.4) Angebote und Projekte der Jugendzentren
6.4.1) Aktive Mitarbeit
6.4.2) Medienarbeit
6.4.3) Mädchen- und Jungenarbeit
6.4.4) Freizeitpädagogische Angebote
6.5) Grenzen der interkulturellen Jugendarbeit
6.6) Evaluation und Weiterentwicklung
7) 'Pädagogik der Vielfalt' statt interkultureller Pädagogik?
8) Literatur
Diese Arbeit analysiert die gesellschaftliche Antwort auf die Entwicklung ethnischer Minderheiten in Deutschland mit einem Fokus auf die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit. Ziel ist es, die spezifische Lebenssituation ausländischer Jugendlicher zu beleuchten und auf dieser Basis Konzepte der interkulturellen Pädagogik kritisch zu hinterfragen, um Ansätze für eine konstruktive, diversitätsorientierte Jugendarbeit in einer multikulturellen Stadtgesellschaft wie München zu erarbeiten.
2.4) Zur 'Ausländerkriminalität'
Durch die schon erwähnte Sensationsberichterstattung in der deutschen Boulevardpresse und Veröffentlichungen der polizeilichen Kriminalstatistik ist es nicht verwunderlich, dass bei einem großen Teil der deutschen Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, dass ausländische Jugendliche häufiger straffällig werden als gleichaltrige Deutsche. Es wird implizit die Schlussfolgerung nahegelegt, dass in Folge von Normunsicherheit und enttäuschten Aufstiegserwartungen der jungen Ausländer anomisches Verhalten folgen müsse.
Bei differenzierter Betrachtungsweise der Thematik relativiert sich jedoch dieses Bild. In der Literatur zum Thema Ausländerkriminalität werden einige Faktoren angesprochen, die die polizeiliche Statistik verzerren, wie etwa bei Bischoff und Teubner (1991) oder Walter (1987).
So beinhaltet beispielsweise die Statistik über die auf den ersten Blick sehr hohe Zahl an tatverdächtigen Ausländern neben den Jugendlichen der zweiten und dritten Generation u.a. auch Touristen, Stationierungsstreitkräfte, oder illegale Einwanderer. Es kann also hieraus noch kein Schluss über eine erhöhte Jugenddelinquenz bei Gastarbeiterkindern gezogen werden.
Außerdem sind rund 20% der Gesetzesverstöße, die von Ausländern begangen werden, Verstöße gegen das Ausländergesetz oder das Asylverfahrensgesetz und können somit von Deutschen per se nicht begangen werden (Nieke, 1991, S.36). Diese Art von Delikten wird in der Statistik nicht gesondert erfasst, sondern einfach zu allen anderen Straftaten hinzugezählt. Werden diese Faktoren aus der Statistik herausgerechnet, ergibt sich eine etwa gleich hohe Kriminalitätsrate bei Ausländern und Deutschen.
1) Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Entstehung der multikulturellen Gesellschaft in Deutschland und definiert das Ziel der Arbeit, die Lebenssituation ausländischer Jugendlicher und die gesellschaftliche Antwort darauf im außerschulischen Bereich zu analysieren.
2) Alltagsleben und Problemfelder ausländischer Jugendlicher: Dieses Kapitel beschreibt die rechtliche und soziale Situation sowie die verschiedenen Lebensbereiche und Entwicklungsaufgaben von Migrantenjugendlichen, die häufig mit einem "Kulturkonflikt" verbunden sind.
3) Kultur und Ethnizität als soziale Kategorie: Der Abschnitt analysiert, wie Ethnizität als soziale Kategorie konstruiert wird und welche Funktionen Fremdbilder in einer Gesellschaft einnehmen.
4) Interkulturelle Erziehung: Hier wird die historische Entwicklung von der "Ausländerpädagogik" hin zur "interkulturellen Pädagogik" nachgezeichnet und kritisch diskutiert.
5) Jugendarbeit: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die Jugendarbeit und deren allgemeine Aufgaben sowie Ansätze im Kontext der Gesellschaftsentwicklung.
6) Interkulturelle Jugendarbeit in München: Dieser Teil fokussiert auf die Umsetzung theoretischer Konzepte in der Praxis, unter anderem anhand der Leitlinien des Kreisjugendringes München-Stadt und konkreter Projektbeispiele.
7) 'Pädagogik der Vielfalt' statt interkultureller Pädagogik?: Das Fazit hinterfragt die Grenzen interkultureller Ansätze und diskutiert die "Pädagogik der Vielfalt" als zukunftsweisende Weiterentwicklung.
8) Literatur: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Interkulturelle Erziehung, Jugendarbeit, Migration, Identitätsfindung, Kulturkonflikt, Ethnizität, Fremdbilder, Pädagogik der Vielfalt, Integration, Ausländerpädagogik, Sozialisation, Multikulturelle Gesellschaft, Identitätsbalance, Machtasymmetrien, Diskriminierung.
Die Arbeit untersucht die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland und analysiert, wie die außerschulische Jugendarbeit pädagogisch konstruktiv auf die Bedingungen einer multikulturellen Gesellschaft reagieren kann.
Die zentralen Themen umfassen die soziale und rechtliche Situation junger Ausländer, den Prozess der Identitätsfindung zwischen verschiedenen Kulturen, die Analyse gesellschaftlicher Fremdbilder sowie die Entwicklung von Konzepten für eine interkulturelle Jugendarbeit.
Das primäre Ziel ist die Analyse gesellschaftlicher Antworten auf ethnische Minderheiten unter besonderer Berücksichtigung der offenen Jugendarbeit, um die Wirksamkeit interkultureller Ansätze zu prüfen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu identifizieren.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Theorien zur Identität, Pädagogik und Sozialisation sowie auf der Reflektion von Leitlinien und praktischen Projektbeispielen der Jugendarbeit in München.
Im Hauptteil werden zunächst die Lebenssituation und Problemfelder von Migrantenjugendlichen (Alltag, Schule, Identität) beleuchtet, gefolgt von einer theoretischen Auseinandersetzung mit Kultur und Ethnizität und einer kritischen Untersuchung der interkulturellen Erziehung und Jugendarbeit.
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Interkulturelle Erziehung, Jugendarbeit, Migration, Identitätsfindung, Kulturkonflikt, Pädagogik der Vielfalt und Integration.
Die Autorin kritisiert das deutsche Schulsystem als oft institutionell diskriminierend, da es kulturelle Unterschiede nicht adäquat berücksichtigt, Sprachdefizite oft fälschlicherweise ausschließlich den Kindern zuschreibt und die soziale Benachteiligung im Herkunftsmilieu unberücksichtigt lässt.
Das Lichttaler-Projekt ist ein von der Autorin hervorgehobenes Beispiel für interkulturelle Praxis in München. Es nutzt eine imaginäre Währung für ein Hilfssystem auf Gegenseitigkeit, das Stärken der Jugendlichen in den Vordergrund stellt und somit deren Selbstwertgefühl und Handlungskompetenz jenseits von nationalen Zuschreibungen stärkt.
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