Magisterarbeit, 2007
122 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
1. Zur Theorie des Komischen
1.1 Zwei Traditionslinien
1.2 Modell zur Erklärung komischer Erscheinungen
1.3 Komik als „Verarbeitungsprinzip“
1.4 Zum Potential von Komik
2. Zur ästhetischen Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus
2.1 Historischer Wandel in der Darstellung Hitlers und des Dritten Reiches
2.2 Der Nationalsozialismus im Film – Argumente für und wider die Darstellung
2.3. Ausweg aus dem Dilemma? Zur Darstellung des Dritten Reichs mit den Mitteln der Komik
3. Komik im Medium Film
3.1 Zur Entwicklung der Komik im Film
3.2 Kriterien zur Analyse der Komik
4. Exemplarische Fallstudien
4.1 Charlie Chaplin: The Great Dictator (1940)
4.1.1 Produktionskontext und Rezeption
4.1.2 Beschreibung der Komik: Stummfilmkomik und Satire
4.1.3. Komposition und Konstruktionsprinzipien des Films
4.1.4. Zur Funktion des Komischen
4.2 Ernst Lubitsch: To Be or Not To Be (1942)
4.2.1. Produktionskontext und Rezeption
4.2.2. Beschreibung der Komik: ein Spiel zwischen Sein und Schein
4.2.3 Komposition und Konstruktionsprinzipien des Films
4.2.4 Inszenierung von Inszeniertheit
4.2.5 Zur Funktion des Komischen
4.3 Mel Brooks: To Be or Not To Be (1983)
4.3.1 Produktionskontext und Rezeption
4.3.2 Beschreibung der Komik: Revuenummern und Plakativität als Differenzen zu Lubitsch
4.3.3 Komposition und Konstruktionsprinzipien des Films
4.3.4 „Ein Salut für den toten Meister“
4.3.5 Zur Funktion des Komischen
4.4 Dani Levy: „Mein Führer. Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ (2007)
4.4.1 Produktion und Rezeptionskontext
4.4.2 Beschreibung der Komik: Lachen über inkongruente Hitler-Bilder
4.4.3 Komposition und Konstruktionsprinzipien des Films
4.4.4 Herausstellen von Fiktionalität und Medialität
4.4.5 Zur Funktion des Komischen
5. Auswertung der Analysen
5.1 Zur Spezifik komischer Geschichtsdarstellungen
5.2 Tendenzen in der Entwicklung von Komik und Selbstreflexivität
5.3 Konzeptionsvergleich: ‚Funktionieren’ die Filme?
Fazit
Die Arbeit untersucht, wie Filme den Diktator Adolf Hitler und sein nationalsozialistisches Umfeld im Modus des Komischen darstellen und ob dieser Darstellungsmodus Erkenntnispotentiale bietet. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern eine komische Filmstruktur beim Zuschauer eine kritische Reflexion über die nationalsozialistische Vergangenheit anregen kann, anstatt lediglich zu unterhalten oder zu verharmlosen.
4.1.2 Beschreibung der Komik: Stummfilmkomik und Satire
„A Hitler story was an opportunity for burlesque and pantomime.“ Konkreter als in diesem Selbstkommentar Chaplins zu seinem Film könnte man die Beschreibung der Komik kaum auf den Punkt bringen. Auch Ricarda Strobel konstatiert in ähnlich prägnanter Form: „Gleich mehrere komische Genres lassen sich in diesem Film nachweisen.“ Die in Chaplins thesenartiger Äußerung enthaltene Zweiteilung der komischen Qualitäten von The Great Dictator in die typische Komik der Stummfilmzeit einerseits und den verspottenden Habitus von Satire und Burleske andererseits soll im Folgenden detailliert dargestellt werden. Zweifellos lässt sich der eine Bereich der Komik in die Tradition der Commedia dell’arte und des Vaudevilles setzen und stellt The Great Dictator dadurch, obschon er Chaplins erster Tonfilm ist, eindeutig als Folgefilm der vorangegangenen Stummfilme heraus.
Die Pantomime als konstituierendes Element der bisherigen Chaplin-Filme kommt auch in diesem Film wieder in glanzvollen Passagen zum Tragen. So scheint es als würde Chaplin sie als seine alte Meisterdisziplin in zwei Schlüsselszenen nochmals regelrecht zelebrieren. Die Rede ist von den sich gegenüberstehenden, die beiden Hauptfiguren charakterisierenden Tanznummern – dem Tanz Hynkels mit der Weltkugel auf der einen Seite und dem Friseur-Tanz zur Musik Brahms auf der anderen. Beide Szenen erhalten ihre erheiternde Wirkung mittels des darstellenden Körpers, der stummen Bewegung zur untermalenden Musik und sind in narrativer Hinsicht kaum von Bedeutung. Neben der Pantomime werden weitere Elemente der frühen Komikart verwendet, die teils paradigmatisch den Stil der Slapstick-Comedy manifestieren.
Einleitung: Einführung in die Thematik der Komik als Konstrukt und Darstellungsmodus im Kontext der Hitler-Filme.
1. Zur Theorie des Komischen: Darlegung des Forschungsstandes, eines Erklärungsmodells für komische Erscheinungen und der theoretischen Grundlagen von Komik als ästhetische Kategorie.
2. Zur ästhetischen Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus: Überblick über den Wandel der filmischen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und die Kontroverse um die Darstellbarkeit.
3. Komik im Medium Film: Erläuterung der Spezifik von Komik im Film, insbesondere der Bedeutung von Montage und Narration.
4. Exemplarische Fallstudien: Detaillierte Analyse und Interpretation der Filme von Chaplin, Lubitsch, Brooks und Levy hinsichtlich ihrer Komikkonstruktionen.
5. Auswertung der Analysen: Vergleichende Zusammenführung der Ergebnisse und Bewertung der Frage, welche Filme ihre komischen Konzepte erfolgreich umsetzen.
Fazit: Abschließende Beurteilung der Bedeutung des Modus des Komischen als reflexive Darstellungsform für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit.
Komik, Lachen über Hitler, Nationalsozialismus, Spielfilm, Satire, Filmkomödie, Selbstreflexivität, Darstellbarkeit, Erinnerungskultur, mediale Konstruktion, Authentizität, Chaplin, Lubitsch, Mel Brooks, Dani Levy
Die Arbeit untersucht die Funktion und Wirkung des Komischen als spezifisches filmisches Ausdrucksmittel in Spielfilmen, die Adolf Hitler und das NS-Regime thematisieren.
Die Analyse fokussiert auf das Spannungsfeld zwischen der historischen Schwere des Themas Holocaust/Nationalsozialismus und der komödiantischen Darstellungsweise.
Das Ziel ist herauszuarbeiten, ob und wie der Modus der Komik in den gewählten Filmen dazu beiträgt, beim Zuschauer einen reflexiven Prozess anzustoßen und Erkenntnisse zu vermitteln.
Die Autorin verwendet einen flexiblen Analyserahmen, der auf der individuellen Untersuchung von komikerzeugenden Mechanismen in den Filmen basiert und diese mit Rezeptions- und Kontextfaktoren verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in einen Theorieteil zur Komik und zum Nationalsozialismus sowie einen umfassenden Analyseteil der vier Fallbeispiele (Chaplin, Lubitsch, Brooks, Levy).
Zentrale Begriffe sind Komik, Hitler-Filme, Selbstreflexivität, filmische Konstruktion, Authentizitätsbegriff und Wirkungsanalyse.
Die Arbeit definiert Komik nicht als flache Unterhaltung, sondern als ästhetisches Verfahren, das durch Distanzbildung (Selbstreflexivität) eine ernsthafte Auseinandersetzung provozieren kann.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Modus des Komischen den Filmen eine reflexive Struktur verleiht, die das Publikum in eine aktive, kritische Position bringt und somit eine Auseinandersetzung mit der Geschichte ermöglicht, statt sie bloß abzubilden.
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