Magisterarbeit, 1998
178 Seiten, Note: sehr gut
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Hitlers deutsch-englische Allianzkonzeption der zwanziger Jahre und erste vergebliche Realisierungsversuche (1933 bis 1937)
2. Realisierungsversuch durch eine Politik des diplomatischen Drucks und der militärischen Drohung (1937/38 bis 1939)
3. Realisierungsversuch durch die Demonstration der militärischen Macht (September 1939 bis Mai 1940)
4. Realisierungsversuch durch die Anwendung militärischer Gewalt
4.1 Die Wendung des europäischen Krieges von Ost nach West (Mai 1940 bis Juni 1941)
5. Realisierungsversuch durch eine Ziel-Mittel-Vermischung
5.1 Die Wendung des europäischen Krieges von West nach Ost (Juni 1941 bis Dezember 1941)
6. Der Weltkrieg: Hitler und England
6.1 Die alte Formel der zwanziger Jahre
6.2 Neue illusionäre Hoffnung und Spekulationen 1942
7. Die letzte Phase des Krieges: Hitler und England
7.1 Die alte Strategie von 1940 - Verlagerung des militärischen Schwerpunktes von Ost nach West (1943 bis 1945)
Die vorliegende Arbeit analysiert die Auswirkungen von Hitlers Englandbild auf seine strategischen Entscheidungen und seine Bündnispolitik im Zweiten Weltkrieg. Dabei steht die Perzeptionsproblematik im Vordergrund, da verzerrte Wahrnehmungen Hitlers Denken und Agieren maßgeblich beeinflussten.
I. Hitlers deutsch-englische Allianzkonzeption der zwanziger Jahre und erste vergebliche Realisierungsversuche (1933 bis 1937)
Am Nachmittag des 5. November 1937 versammelte Hitler die politischen und militärischen Spitzen des Regimes zu einer Geheimkonferenz, deren Verlauf durch die Niederschrift eines der Teilnehmer, des Wehrmachtadjutanten Oberst Hoßbach, überliefert ist. Im engsten Kreis sollten Engpässe der Aufrüstung und Ressortkonflikte innerhalb der Wehrmacht zur Diskussion stehen. Ohne jedoch auf diese Punkte näher einzugehen, überraschte der „Führer“ seine Besucher mit einem Monolog über das Wesen und die Ziele nationalsozialistischer Außenpolitik, die kritische deutsche Wirtschaftslage und seine eigene Einschätzung der Chancen einer künftigen aggressiven Expansion.
Hitlers Ausführungen enthielten zunächst nichts, was nicht schon durch seine ‘Programmschrift’ „Mein Kampf“ (1924) sowie durch zahllose spätere Äußerungen geläufig war. In der typischen Verbindung von sozialdarwinistischem Denken und Geopolitik erhob er seine expansive Raumpolitik in den Rang eines gleichsam ewigen und unaufhebbaren historischen und biologischen Lebensgesetzes von Volk und Rasse. Das Ziel „der deutschen Politik“, führte Hitler aus, „sei die Sicherung und die Erhaltung der Volksmasse und deren Vermehrung. Somit handele es sich um das Problem des Raumes.“
Kapitel 1: Analysiert Hitlers frühe deutsch-englische Allianzkonzeption und die ersten gescheiterten Versuche einer Umsetzung zwischen 1933 und 1937.
Kapitel 2: Beschreibt den Versuch, das Bündnisziel durch eine Politik des diplomatischen Drucks und militärischer Drohungen in den Jahren 1937 bis 1939 zu realisieren.
Kapitel 3: Erläutert die Demonstration militärischer Macht als Mittel zur Realisierung des Bündnisses während der ersten Kriegsmonate (September 1939 bis Mai 1940).
Kapitel 4: Untersucht die Anwendung militärischer Gewalt und die damit verbundene Wendung des europäischen Krieges von Ost nach West zwischen Mai 1940 und Juni 1941.
Kapitel 5: Analysiert die Ziel-Mittel-Vermischung und die Kriegswendung von West nach Ost ab Juni 1941.
Kapitel 6: Thematisiert die Beziehung Hitler und England vor dem Hintergrund illusionärer Hoffnungen und Spekulationen im Jahr 1942.
Kapitel 7: Behandelt die letzte Kriegsphase von 1943 bis 1945 und die Verlagerung des militärischen Schwerpunktes.
Adolf Hitler, Englandbild, Außenpolitik, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Allianzkonzeption, Rassenideologie, Lebensraum, Appeasement-Politik, Zweifrontenkrieg, Kontinentalpolitik, Kriegsstrategie
Die Arbeit untersucht den Einfluss des von Hitler geprägten Englandbildes auf die strategische Kriegsführung und Bündnispolitik des Dritten Reiches im Zweiten Weltkrieg.
Zentrale Themen sind Hitlers „Programmschrift“ Mein Kampf, die Entwicklung seiner außenpolitischen Strategie von der Wunschpartnerschaft hin zur Konfrontation sowie der Einfluss rassenideologischer Vorstellungen auf sein Handeln.
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Hitlers Englandbild seine Strategie und Bündnispolitik bis 1945 beeinflusste und inwieweit dabei verzerrte Wahrnehmungen eine Rolle spielten.
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung primärer Quellen, Zeitzeugendokumenten, außenpolitischen Akten und der einschlägigen Fachliteratur basiert.
Der Hauptteil verfolgt chronologisch die verschiedenen Phasen von Hitlers Versuchen, sein politisches Programm unter Berücksichtigung von Bündnisoptionen mit England zu realisieren, inklusive der Wendepunkte in der Kriegsführung.
Schlüsselwörter sind u.a. Hitler, Englandbild, Außenpolitik, Bündnispolitik, Rassenideologie, Lebensraum und Zweifrontenkrieg.
Das Dokument beschreibt, wie Hitler in Phasen militärischer Niederlagen auf Erfahrungen und Denkmuster der „Kampfzeit“ der 1920er und frühen 1930er Jahre zurückgriff, was eine intellektuelle Reduktion zur Folge hatte.
Hitler lehnte Kompromisse ab, da er sein ideologisch verfestigtes Weltbild der rassenideologischen Auseinandersetzung und die damit verbundene „Alles-oder-Nichts“-Strategie nicht zugunsten rationaler politischer Lösungen aufgeben konnte.
Hitler interpretierte den Widerstand Großbritanniens konsequent als Werk von „jüdisch-plutokratischen“ Kräften, die die wahren nationalen Interessen Englands verraten hätten, und hielt an der irrigen Annahme fest, England werde bei Einsicht der Lage doch noch einlenken.
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