Diplomarbeit, 2007
118 Seiten, Note: 1,5
Einleitung
1. Theoretische Grundlagen
1.1 Definition und zentrale Begriffsbestimmungen
1.2 Die Bedeutung von unterwertiger Beschäftigung
1.3 Wandlungsprozesse der Qualifikations- und Berufsstruktur als Ursache unterwertiger Beschäftigung
1.4 Erklärungsansätze zur Existenz von unterwertiger Beschäftigung
1.4.1 Humankapitaltheorie
1.4.2 Job-Matching-Theorie
1.4.3 Karrieremobilitätstheorie
1.4.4 Job-Competition-Modell
1.5 Unterwertige Beschäftigung im Kontext des deutschen Bildungs- und Ausbildungssystems – die Erklärung von Unterschieden zwischen verschiedenen Qualifikationsgruppen und Risikogruppen auf dem Arbeitsmarkt
1.5.1 Chancen- und Risikomuster verschiedener Qualifikationsgruppen in der theoretischen Betrachtung
1.5.1.1 Grundstruktur der Berufsausbildung in Deutschland
1.5.1.2 Charakteristiken des deutschen Bildungs- und Ausbildungswesens
1.5.1.3 Ausbildungsinhalte und Verwertbarkeit der Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt
1.5.2 Risikogruppen auf dem Arbeitsmarkt in der theoretischen Betrachtung
1.5.2.1 Unterwertige Beschäftigung in der Berufseinstiegsphase
1.5.2.2 Unterwertige Beschäftigung und geschlechtsspezifische Unterschiede
2. Untersuchungskonzept
2.1 Datenbasis
2.2 Zur Messung von unterwertiger Beschäftigung
2.2.1 Objektive und subjektive Messkonzepte
2.2.2 Eigenes Messkonzept - Operationalisierung der abhängigen Variable Ausbildungsadäquanz
2.2.3 Operationalisierung der unabhängigen Variablen
2.3 Allgemeine Fallselektionen
2.4 Auswertungsschritte und statistische Verfahren
3. Empirische Ergebnisse
3.1 Unterwertige Erwerbstätigkeit im Jahre 2004 – Eine aktuelle Darstellung des Phänomens
3.1.1 Deskriptive Ergebnisse
3.1.2 Binäre logistische Regression - Determinanten einer unterwertigen Beschäftigung
3.2 Chancen- und Risikomuster verschiedener Qualifikationsgruppen
3.2.1 Akademische Fachkräfte
3.2.2 Nichtakademische Fachkräfte
3.2.3 Zusammenfassung
3.3 Risikogruppen auf dem Arbeitsmarkt
3.3.1 Unterwertige Beschäftigung in der Berufseinstiegsphase
3.3.2 Unterwertige Beschäftigung und geschlechtsspezifische Unterschiede
3.4 Mittelfristige Entwicklungstendenzen
4. Fazit
Ziel der Arbeit ist es, das Phänomen der sogenannten Ausbildungsinadäquanz – einen Beschäftigungszustand, in dem das Qualifikationsniveau einer Person über dem für die Tätigkeit erforderlichen liegt – empirisch zu untersuchen. Im Zentrum der Forschungsfrage steht die Analyse von Unterschieden zwischen akademischen und nichtakademischen Fachkräften sowie die Identifizierung spezifischer Risikogruppen auf dem deutschen Arbeitsmarkt unter Verwendung der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) von 2004.
1.1 Definition und zentrale Begriffsbestimmungen
Zu Beginn dieses ersten Teils der Arbeit, in dem es um die theoretischen Grundlagen des Phänomens geht, ist es zunächst erforderlich, den Begriff der unterwertigen Erwerbstätigkeit sowie andere zentrale Unterscheidungen genau zu bestimmen.
Unter einer ausbildungsinadäquaten Beschäftigung versteht man im Allgemeinen eine Tätigkeit, bei der das Bildungsniveau und die in der aktuellen Tätigkeit erforderliche Qualifikation nicht übereinstimmen. Die im Ausbildungssystem erworbenen beruflichen Kenntnisse bleiben damit zum Teil ungenutzt bzw. können nicht voll zur Anwendung gelangen. Abgesehen von dieser allgemeinen, weitestgehend etablierten Begriffsbestimmung existieren in der Fehlqualifikationsforschung eine Vielzahl von Forschungsschwerpunkten sowie eine dementsprechend große Bandbreite von unterschiedlichen Definitionen (vgl. z. B. Rumberger 1981).
Zunächst kann zwischen der horizontalen und der vertikalen Dimension von unterwertiger Erwerbstätigkeit unterschieden werden (Plicht et al. 1994).
In der horizontalen Dimension werden Fragen der inhaltlichen Übereinstimmung von Ausbildung und Beruf, also der Inhaltskongruenz, thematisiert. Misst man horizontale Ausbildungsadäquanz, so gilt als ausbildungsadäquat beschäftigt, „wer im erlernten Fachgebiet arbeitet und / oder im Studium erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten in hohem Maße im Beruf verwerten kann (‘fachliche Affinität’)“ (Plicht et al. 1994: 178). Die Effizienz der Allokation der beruflichen Qualifikationen im deutschen Arbeitsmarkt kann allerdings nur anhand des Ausmaßes der inhaltlichen Passung von Berufsausbildung und ausgeübtem Beruf nicht beurteilt werden. Vielmehr ist die mangelnde inhaltliche Passung im Zuge der Zuordnung von Arbeitskräften prinzipiell unvermeidbar und sinkt im Verlauf des Erwerbslebens durch berufliche Mobilität automatisch, sodass diese „nicht als Beleg für eine Effizienzschwäche des Berufsbildungssystems gelten“ kann (Büchel 1998, S.19).
Die vertikale Dimension der Ausbildungsadäquanz bezieht sich auf „das positionale Niveau der Beschäftigung (‘positionale Affinität’)“ (Plicht et al. 1994: 178), also auf Fragen der qualifikationsgerechten Platzierung bzw. der Statuskongruenz. Eine Stellung, die dem Niveau des Ausbildungsabschlusses in hohem Maße entspricht, gilt dieser Definition zufolge als ausbildungsangemessen.
Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Ausbildungsinadäquanz ein, verdeutlicht deren Relevanz als soziologische Problemstellung und erläutert die Zielsetzung sowie den Aufbau der Diplomarbeit.
1. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert zentrale Begrifflichkeiten, diskutiert theoretische Ansätze wie die Humankapitaltheorie oder das Job-Competition-Modell und bettet die Problematik in das deutsche Bildungs- und Ausbildungssystem ein.
2. Untersuchungskonzept: Hier werden die Datenbasis (SOEP), die Operationalisierung der abhängigen Variable sowie die statistischen Verfahren zur Messung von unterwertiger Beschäftigung detailliert dargelegt.
3. Empirische Ergebnisse: Dieser Abschnitt präsentiert die zentralen Befunde der Arbeit, unterteilt in deskriptive Analysen, logistische Regressionen für verschiedene Qualifikationsgruppen und eine Untersuchung der Risikogruppen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert bildungspolitische Schlussfolgerungen und identifiziert offene Forschungsfragen für die Zukunft.
Ausbildungsinadäquanz, unterwertige Beschäftigung, Qualifikationsniveau, Humankapitaltheorie, Job-Competition-Modell, Arbeitsmarktsoziologie, Bildungsexpansion, Berufseinstieg, Risikogruppen, Sozio-oekonomisches Panel, logistische Regression, Berufliche Zertifikate, Arbeitsmarkt, Fehlqualifikation, Qualifikationsgruppen.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der sogenannten Ausbildungsinadäquanz oder unterwertigen Beschäftigung in Deutschland, bei dem das erreichte Qualifikationsniveau einer Person höher ist als dasjenige, das für ihre aktuelle Tätigkeit erforderlich wäre.
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Einordnung des Phänomens, der Analyse des deutschen Bildungs- und Ausbildungssystems sowie der empirischen Untersuchung von Chancen- und Risikomustern für verschiedene Qualifikations- und Personengruppen.
Das Ziel ist es, Unterschiede zwischen akademischen und nichtakademischen Fachkräften in Bezug auf ausbildungsinadäquate Beschäftigung zu identifizieren, zu quantifizieren und deren Zusammenhang mit dem deutschen Ausbildungssystem sowie weiteren Risikomerkmalen zu erklären.
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Sekundärdatenanalyse der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) des Jahres 2004, wobei neben deskriptiven Analysen insbesondere binäre logistische Regressionsverfahren zur Anwendung kommen.
Der Hauptteil gliedert sich in ein theoretisches Fundament mit verschiedenen ökonomischen und soziologischen Erklärungsansätzen, ein methodisches Untersuchungskonzept und eine umfangreiche empirische Ergebnisdarstellung, die unter anderem Qualifikationsgruppen und spezifische Risikogruppen differenziert betrachtet.
Zu den prägenden Begriffen gehören unter anderem Ausbildungsinadäquanz, Humankapitaltheorie, Job-Competition-Modell, Bildungsexpansion, sowie die Analyse mittels logistischer Regression auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels.
Es zeigt sich, dass das duale System aufgrund seiner starken Marktvermittlung und Praxisnähe vergleichsweise gute Integrationsleistungen erbringt, was dazu führt, dass Nichtakademiker in der Berufseinstiegsphase seltener unterwertig beschäftigt sind als Akademiker.
Die Arbeit identifiziert Frauen als eine spezifische Risikogruppe, bei denen ein etwa doppelt so hohes Risiko für unterwertige Beschäftigung besteht, was unter anderem auf regionale Mobilitätseinschränkungen und geschlechtsspezifische Segregation am Arbeitsmarkt zurückgeführt wird.
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