Magisterarbeit, 2007
105 Seiten, Note: 1,0
0 Einleitung
I Rhythmus und Prosodie
0. Das verschobene Zeitmaß
1. Die prosodischen Grundsteine des Deutschen und des Spanischen
1.1 Phonemsysteme
1.2 Die More und die Silbe
2. Metrische Phonologie: Struktureinheiten
2.1 Verzweigungsmodalitäten
2.2 Der Fuß und der Takt
3. Autosegmentale Phonologie: Melodieeinheiten
3.1 Das Prosodische Wort
3.1.1 Der Wortiktus im Deutschen
3.1.2 Der Wortakzent im Spanischen
3.2 Die Intonationsphrase
3.2.1 Phonetische Korrelate des Akzents
3.2.2 Akzentkonstanz im Spanischen
3.2.3 Akzentplatzierung im Deutschen
4. Sprachrhythmus
5. Vergleich von Akzent und Alignment im Deutschen und Spanischen
II Wahrnehmung und Analyse des Wortflusses (0-24 Monate)
0. Die Hermeneutik des Sprachenlernens
1. Die biopsychologische Grundlage
2. Segmentierung und Kategorisierung des Wortflusses
3. The Phonological Bootstrapping Hypothesis
III Erstsprachphonologieerwerb und Grammatikbildung
0. Vom Allgemeinen zum Besonderen: Der Spracherwerb
1. Motorische Reifung: Die Kontinuität der Lautentwicklung
2. Entwicklungsstadien Prosodischer Wörter
3. Ausblick auf die Syntax: Holophrasen und die Zweiwortphase
4. Grammatikevaluation und Grammatikevolution
IV Der Einfluss von Rhythmus und Prosodie auf den morphosyntaktischen Erstspracherwerb
0. Artikel und Komposita: Befunde und Prosodie
1. Aufbau von Akzentstrukturen im Deutschen und Spanischen
2. Posttonische Akzentperipherie des Deutschen
2.1 Der Fuß: Struktureinheit oder Strukturierungsprinzip?
2.2 Prosodische Komposition: Die Möglichkeiten des Fußes
3. Prätonische Akzentperipherie des Spanischen
V Schluss
Diese Magisterarbeit untersucht den Einfluss von Rhythmus und Prosodie auf den morphosyntaktischen Erstspracherwerb im Deutschen und Spanischen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie unterschiedliche prosodische Systeme die einzelsprachlichen Entwicklungsunterschiede bei Kindern erklären können und ob phonologische Eigenschaften den Erwerb morphosyntaktischer Strukturen erleichtern (Bootstrapping).
0. Das verschobene Zeitmaß
Sprache und Musik sind zwei der ältesten mentalen Disziplinen des menschlichen Geistes, die möglicherweise sogar dieselben Wurzeln besitzen (Altenmüller, 2004). Altenmüller zeigt eine Analyse der Struktur musikalischer Muster, derzufolge sie durch ihre Melodiestruktur, ihre Zeitstruktur, ihre vertikale harmonische Struktur und ihre dynamische Struktur beschrieben werden können.
Rhythmus und Metrum sind recht vertraute Begriffe aus Musik, Sprache und Literatur, genauer aus der poetischen Metrik, die zwar ein grundlegend verwandtes Metrikkonzept besitzt, das aber nicht mit dem Metrum der Sprache oder Musik verwechselt werden darf. Beide Begriffe beziehen sich auf die Zeitstruktur musikalischer oder sprachlicher Äußerungen. Standardlehrwerke der Musikwissenschaft stellen das Metrum als gleichmäßiges Pulsieren dar, als zeitliches Ebenmaß, das als Takt dem Noten- oder Silbenlauf zugrunde liegt. In der Musik finden hauptsächlich zwei Taktarten und ihre Ableitungen Verwendung: der ungerade 3/4-Takt und der gerade 4/4-Takt; dieses bedeutet, dass im 4/4-Takt genau vier Viertelschläge pro Takt erfolgen, im 3/4-Takt lediglich drei.
Der Brockhaus führt Rhythmus als grundlegendes Strukturelement der Musik auf, das vor allem durch seine Zeitaufteilung und seine Dynamik charakterisiert werden kann. Da Rhythmus – genau wie das Metrum – die zeitliche Struktur einer musikalischen Äußerung prägt, muss er sich auf das zugrunde liegende zeitliche Ebenmaß beziehen. Rhythmus und Metrum können zwar deckungsgleich sein; Rhythmus ist aber nicht das Metrum selber, sondern eben eine rhythmische, auf das Metrum bezogene Abwandlung. Abbildung (1) zeigt das Metrum eines Vier-Viertel-Taktes bildlich als Abfolge von vier isochronen Schlägen:
0 Einleitung: Diese Einleitung führt in die nativistische und kognitive Spracherwerbsforschung ein und begründet die Relevanz prosodischer Faktoren für den Erstspracherwerb.
I Rhythmus und Prosodie: Dieses Kapitel analysiert die metrischen und rhythmischen Strukturen sowie die Akzentuierungssysteme im Deutschen und Spanischen.
II Wahrnehmung und Analyse des Wortflusses (0-24 Monate): Hier werden die biopsychologischen Grundlagen und Hypothesen zur frühkindlichen Sprachsegmentierung dargestellt.
III Erstsprachphonologieerwerb und Grammatikbildung: Dieses Kapitel erläutert den Zusammenhang zwischen motorischer Reifung, der Entwicklung prosodischer Wörter und dem Beginn grammatikalischer Operationen.
IV Der Einfluss von Rhythmus und Prosodie auf den morphosyntaktischen Erstspracherwerb: Hier werden Daten zur Entwicklung von Artikeln und Komposita im Lichte der prosodischen Unterschiede beider Sprachen analysiert.
V Schluss: Das Fazit fasst zusammen, wie das Alignment und die rhythmische Struktur den Spracherwerb und die Grammatikbildung beeinflussen.
Erstspracherwerb, Prosodie, Sprachrhythmus, Phonological Bootstrapping, Metrische Phonologie, Autosegmentale Phonologie, Wortiktus, Akzentuierung, Grammatikbildung, Morphosyntax, kindliche Sprachproduktion, CHILDES, Alignment, Sprachrezeption, Silbenstruktur.
Die Arbeit untersucht, wie prosodische und rhythmische Eigenschaften einer Sprache den Spracherwerb von Kindern beeinflussen und ob diese phonologischen Faktoren den Einstieg in die Grammatik erleichtern.
Die Schwerpunkte liegen auf der Kontrastivlinguistik (Deutsch-Spanisch), der Phonologie, dem Spracherwerb in der frühen Kindheit und der Analyse von Produktionsdaten.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Kinder durch den Erwerb prosodischer Strukturen (wie Füße und Wörter) "bootstrap"-artig in die Syntax und Morphologie ihrer jeweiligen Muttersprache einsteigen.
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis aktueller Spracherwerbsmodelle, kombiniert mit einer empirischen Auswertung von kindlichen Längsschnittdaten und Daten aus der CHILDES-Datenbank.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Rhythmus und Prosodie, die Analyse der Sprachrezeption, die Darstellung der grammatischen Entwicklung und schließlich den spezifischen Vergleich von Artikel- und Kompositabildung.
Zentrale Begriffe sind Erstspracherwerb, Prosodie, Sprachrhythmus, Phonological Bootstrapping, Morphosyntax und Alignment.
Die Arbeit argumentiert, dass die spezifischen Akzentstrukturen und das Alignment des Deutschen (initialbetont) und Spanischen (final orientiert) den Fokus der Kinder auf unterschiedliche morphosyntaktische Einheiten lenken.
Der Autor verwendet das Konzept, um zu beschreiben, wie Kind und Sprache in einem stetigen Prozess der Annäherung zwischen Input und eigener Produktion zu immer adäquateren Grammatikkonzepten gelangen.
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