Diplomarbeit, 2007
85 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
I Ineffizienzen des Kreditmarkts
2 Das Principal-Agent-Modell
3 Principal-Agent Probleme im Kreditmarkt
3.1 Adverse Selektion
3.1.1 Unterinvestition
3.1.2 Überinvestition
3.1.3 Kreditrationierungen
3.2 Moral Hazard
3.2.1 Ex-ante Moral Hazard
3.2.2 Ex-post Moral Hazard
3.2.3 Kreditrationierungen
4 Standardlösungen und Grenzen ihrer Anwendung in Entwicklungsländern
4.1 Informationssysteme
4.2 Kreditbesicherungen
4.2.1 Pfand
4.2.2 Bürgschaft
4.3 Folgen für die Kreditmärkte in Entwicklungsländern
II Mikrokredite
5 Entwicklung der Mikrokredite
5.1 Die Anfänge
5.2 Mikrokredite erster Generation
5.2.1 Ausgangspunkt
5.2.2 Programme und Resultate
5.3 Die Mikrokreditrevolution
6 Gruppenkredite
6.1 Lösung des adversen Selektionsproblems
6.1.1 Eigenschaften der Individuen sind untereinander bekannt
6.1.2 Eigenschaften der Individuen sind private Information
6.2 Lösung des Moral Hazard Problems
6.2.1 Projektwahl
6.2.2 Anstrengung
6.2.3 Durchsetzung
7 Jenseits von Gruppenkrediten
7.1 Dynamische Initiativen
7.2 Hochfrequentige Rückzahlungspläne
7.3 Cross-Reporting
7.4 Weitere Aspekte
7.4.1 Kreditvergabe überwiegend an Frauen
7.4.2 Flexible Handhabung von Kreditbesicherungen
7.4.3 Der Microloan Officer
III Eine kritische Bilanz
8 Gruppenkredite
8.1 Individuelle Kreditvergabe versus Gruppenkredite
8.2 Einfluss von sozialen Bindungen innerhalb der Gruppe
9 Zur Wirkamkeit von Mikrokreditprogrammen
10 Subventionen: Zielkonflikte und Trade-offs
10.1 Poverty Lending versus Financial Systems
10.2 Finanzielle Unabhängigkeit?
10.3 Trade-off von Profitabilität und Armutsbekämpfung
10.4 Kosten-Nutzen-Analysen
11 Fazit
Die Arbeit untersucht die ökonomischen Grundlagen von Mikrokrediten, insbesondere im Kontext von asymmetrischen Informationen und Marktineffizienzen in Entwicklungsländern. Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, wie Mikrokreditprogramme – insbesondere Gruppenkredite – trotz schwieriger institutioneller Rahmenbedingungen hohe Rückzahlungsraten erzielen und inwiefern sie zur Armutsbekämpfung beitragen können.
3.1 Adverse Selektion
In einem vereinfachten, auf dem Modell von Stiglitz und Weiss aufbauenden Modell wird gezeigt, wie es aufgrund asymmetrischer Information zu einem Ausschluss von Individuen mit effizienten Projekten kommen kann. Die hier verwendete Darstellung des Modells ist an Armendáriz de Aghion und Gollier sowie Ghatak angelehnt.
Es gebe eine bestimmte Anzahl von risikoneutralen, besitzlosen Individuen, die in ein einperiodiges Projekt investieren können, dessen Kosten eine Geldeinheit beträgt. Um die Investition durchführen zu können, müssen sie mangels eigenen Kapitals einen Kredit aufnehmen. Alle Individuen sind durch beschränkte Haftung davor geschützt, mehr als ihre Einnahmen in einer Periode zahlen zu müssen. Es gibt Individuen mit risikoreichen Investitionsvorhaben (R-Individuen), die mit Wahrscheinlichkeit pr [1; 0] einen Erlös von Rr = H und mit Wahrscheinlichkeit (1 pr) einen Erlös von Rr = 0 erzielen. Ihre Erlösdichtefunktion lautet somit f(Rr) = pr falls Rr = H, 1 pr falls Rr = 0.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Paradoxon internationaler Kapitalströme und motiviert die Untersuchung von Mikrokrediten als Lösung für Marktineffizienzen durch asymmetrische Information.
2 Das Principal-Agent-Modell: Dieses Kapitel führt das theoretische Fundament der Principal-Agent-Theorie ein, um Probleme in vertraglichen Beziehungen bei unvollkommener Information zu analysieren.
3 Principal-Agent Probleme im Kreditmarkt: Hier werden adverse Selektion und Moral Hazard explizit auf Kreditmärkte angewendet und die daraus resultierenden Kreditrationierungen formal hergeleitet.
4 Standardlösungen und Grenzen ihrer Anwendung in Entwicklungsländern: Das Kapitel diskutiert, warum klassische Instrumente wie Kreditbüros und Sicherheiten in Entwicklungsländern oft versagen.
5 Entwicklung der Mikrokredite: Dieser Teil zeichnet den historischen Weg von frühen Genossenschaften hin zur modernen Mikrofinanzbewegung nach.
6 Gruppenkredite: Das Kapitel analysiert, wie gemeinsame Haftung und soziale Kontrolle das Problem der asymmetrischen Information innerhalb von Kreditgruppen lösen.
7 Jenseits von Gruppenkrediten: Hier werden innovative Mechanismen wie dynamische Initiativen und hochfrequente Rückzahlungspläne als alternative Erfolgsfaktoren vorgestellt.
8 Gruppenkredite: Eine kritische Bilanz, die Vor- und Nachteile von Gruppenkrediten gegenüber Individualkrediten abwägt.
9 Zur Wirkamkeit von Mikrokreditprogrammen: Dieses Kapitel bewertet die tatsächliche armutsreduzierende Wirkung von Mikrokrediten anhand von Fallbeispielen und empirischen Studien.
10 Subventionen: Zielkonflikte und Trade-offs: Hier wird der Konflikt zwischen finanzieller Nachhaltigkeit und dem Ziel, besonders arme Bevölkerungsschichten zu erreichen, intensiv diskutiert.
11 Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit kontextspezifischer Lösungen für eine effektive Mikrofinanzpolitik.
Mikrokredite, Mikrofinanz, Asymmetrische Information, Adverse Selektion, Moral Hazard, Gruppenkredite, Gemeinsame Haftung, Kreditrationierung, Entwicklungsökonomie, Armutsbekämpfung, Finanzielle Nachhaltigkeit, Subventionen, Principal-Agent-Modell, Soziales Kapital, Rückzahlungsraten.
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Mechanismen hinter dem Erfolg von Mikrokrediten, insbesondere deren Fähigkeit, Marktineffizienzen wie asymmetrische Information in Entwicklungsländern zu überwinden.
Die zentralen Themen sind Principal-Agent-Probleme (adverse Selektion und Moral Hazard), die Rolle von Kreditbesicherungen, die Funktionsweise von Gruppenkrediten und die Debatte um die finanzielle Unabhängigkeit von Mikrofinanzinstitutionen.
Das Ziel ist es, theoretisch und empirisch zu untersuchen, wie durch spezifische Vertragsgestaltungen – wie Gruppenkredite mit gemeinsamer Haftung – hohe Rückzahlungsraten erzielt werden und welche Auswirkungen dies auf die Armutsbekämpfung hat.
Die Arbeit nutzt überwiegend theoretische mikroökonomische Modelle (Principal-Agent-Modelle) zur formalen Analyse der Kreditbeziehungen und ergänzt diese durch die Auswertung empirischer Studien zur Wirkungsanalyse.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Analyse von Ineffizienzen am Kreditmarkt, die Darstellung der Entwicklung und Funktionsweise von Gruppenkrediten sowie eine kritische Bilanz der Effektivität von Mikrokreditprogrammen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit und Armutsreduktion.
Typische Begriffe sind Mikrokredite, Adverse Selektion, Moral Hazard, Gemeinsame Haftung, Kreditrationierung und Finanzielle Nachhaltigkeit.
In vielen Entwicklungsländern fehlen funktionierende rechtliche Rahmenbedingungen oder die Armen verfügen schlicht über keine verwertbaren Vermögenswerte, die als Pfand dienen könnten, was den Zugang zum formellen Kreditmarkt blockiert.
Ja, es existiert ein oft diskutierter Trade-off zwischen der angestrebten finanziellen Unabhängigkeit der Mikrofinanzinstitutionen und dem Ziel, die ärmsten Schichten zu erreichen, da diese oft höhere Kosten in der Betreuung verursachen.
Unter "Mission Drift" versteht man die Tendenz von Mikrofinanzinstitutionen, sich bei zunehmender Kommerzialisierung eher wohlhabenderen Kunden zuzuwenden, um die Profitabilität zu steigern, was jedoch ihrem ursprünglichen sozialen Auftrag widerspricht.
Soziales Kapital ermöglicht Monitoring und soziale Sanktionen durch die Gruppenmitglieder selbst, wodurch die Bank Kosten für Überwachung und Durchsetzung einsparen kann.
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