Diplomarbeit, 2007
177 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Trauer - Ihr Erscheinungsbild anhand typischer Reaktionen
2.1. Emotionale Reaktionsmuster
2.1.1. Schmerz und Traurigkeit
2.1.2. Zorn und Wut
2.1.3. Schuld
2.1.4. Scham
2.1.5. Angst, Hilflosigkeitsempfinden
2.1.6. Verlassenheit, Einsamkeit
2.1.7. Betäubung
2.1.8. Müdigkeit
2.1.9. Schock
2.1.10. Sehnsucht
2.1.11. Befreiung, Erleichterung
2.2. Kognitive Reaktionsmuster
2.2.1. Dysfunktionale Gedanken
2.2.2. Verleugnung
2.2.3. Rumination
2.2.4. Gedankenleere/Gedankenrasen
2.2.5. Gedanken zum Thema Sinn und religiöser Glaube
2.3. Somatische Reaktionsmuster
2.3.1. Nervöse Störungen
2.3.2. Störungen von Ernährung und Verdauung
2.3.3. Herz-Kreislauf-Störungen
2.3.4. Atemstörungen und Atemwegserkrankungen
2.3.5. Generell erhöhte Morbidität bis hin zur Mortalität
2.4. Wahrnehmungsänderungen
2.4.1. Wahrnehmungsverlangsamung, Geistesabwesenheit, Zerstreutheit, Ablenkbarkeit, Konzentrationsstörungen
2.4.2. Verwirrung
2.4.3. Derealisations- und Depersonalisationserleben
2.4.4. Halluzinationen
2.5. Verhaltensänderungen
2.5.1. Hysterie
2.5.2. Betäubungsmittelgebrauch, extensive Reizsuche
2.5.3. Selbstverletzungen
2.5.4. Schlafstörungen
2.5.5. Sozialer Rückzug
2.5.6. Träume vom verstorbenen Menschen
2.5.7. Meiden von Erinnerungen, Aufsuchen von Erinnerungsorten, Beisichtragen von Gegenständen
2.5.8. Rastlose Überaktivität, Rufen, Suchen, Weinen
2.5.9. Seufzen
2.5.10. Misstrauen
2.5.11. Anklammerndes Verhalten, schnelle neue Bindungssuche
2.5.12. Erstarrung
2.5.13. Identifikation
3. Explikatorische Modelle zur Entstehung von Trauer
3.1. Personenverlust als Objektverlust: Psychoanalyse
3.1.1. Modell der Trauer und Trauerarbeit nach Freud
3.1.2. Erweiterung des Freudschen Modells
3.1.3. Tiefenpsychologische Kernthesen zu Trauer und Trauerbewältigung
3.1.4. Interventionsregeln für die Trauerbegleitung
3.1.5. Kritik
3.2. Personenverlust als Bindungsverlust: Bindungstheorie
3.2.1. Das Modell der Bindungstheorie zur Trauer
3.2.2. Interventionsregeln für die Trauerbegleitung
3.2.3. Kritik
3.3. Personenverlust als Verlust von Verstärkung: Behaviorismus
3.3.1. Zwei Modelle zur Beeinflussung des Trauerverhaltens durch Verstärkung
3.3.2. Interventionsregeln für die Trauerbegleitung
3.3.3. Kritik
3.4. Personenverlust als Verlust genetischer Überlebenschancen: Soziobiologie
3.4.1. Soziobiologische Erklärungen der Trauer
3.4.2. Kritik
3.5. Personenverlust als Verlust von Sinn- und Bedeutungsstrukturen: Kognitionspsychologie
3.5.1. Das Konzept der Rekonstruktion von Sinnstrukturen im Trauerprozess nach Marris erweitert durch Lammer
3.5.2. Interventionsregeln für die Trauerbegleitung
3.5.3. Kritik
3.6. Personenverlust als Stressor: Kognitive Stress-Theorie - Das Defizit-Modell des Partnerverlustes nach M. und W. Stroebe
3.6.1. Das Modell des Trauerfalles als Stresssituation
3.6.1.1. Grundlagen: Die Kognitive Stresstheorie nach Lazarus/Folkman
3.6.1.2. Die Anwendung auf den Trauerfall
3.6.2. Interventionsregeln
3.6.3. Kritik
3.7. Fazit - Basis für die Trauerbegleitung
4. Der Trauerprozess
4.1. Modelle des Trauerprozesses
4.1.1. Phasenmodelle
4.1.1.1. Grundlegende Modelle im Überblick
4.1.1.2. Kritik
4.1.2. Aufgabenmodelle
4.1.2.1. Traueraufgaben nach Spiegel
4.1.2.2. Traueraufgaben nach Worden
4.1.2.3. Das duale Prozessmodell nach M. Stroebe/Schut
4.2. Komplizierte Trauer - Komorbidität, Modelle nach Worden und Znoj
4.2.1. Komorbidität zu anderen psychischen Störungen
4.2.2. Modelle der komplizierten Trauer nach Worden und Znoj
4.2.2.1. Komplizierte Trauer nach Worden
4.2.2.2. Komplizierte Trauer nach Znoj
4.3. Spezielle Konstellationen des Personenverlustes
4.3.1. Spezielle Personenkonstellationen
4.3.1.1. Verlust des Lebenspartners
4.3.1.2. Verlust eines Kindes
4.3.1.3. Trauernde Kinder und Jugendliche
4.3.2. Spezielle Verlustkonstellationen
4.3.2.1. Trauernde nach einem Suizid
4.3.2.2. Plötzlicher Tod einschließlich gewaltsamer Todesursachen
4.3.2.3. Plötzlicher Kindstod, Totgeburten, Fehlgeburten, Schwangerschaftsabbruch
5. Eine Herausforderung für die Soziale Arbeit?
5.1. Trauer - ein soziales Problem?
5.2. Eine Herausforderung - spezifisch für die Soziale Arbeit?
5.2.1. Trauerbegleitung und Trauerberatung als vorrangig ehrenamtliche Aufgabe?
5.2.2. Trauerbegleitung und Trauerberatung als vorrangig seelsorgliche Aufgabe?
5.2.3. Trauerbegleitung und Trauerberatung als vorrangig psychotherapeutische Aufgabe?
5.3. Methodische Überlegungen zu einer sozialarbeiterischen Trauerbegleitung/Trauerberatung
5.3.1. Ziel der Trauerbegleitung/Trauerberatung
5.3.2. Grundlegende Aspekte der Trauerbegleitung/Trauerberatung
5.3.2.1. Trauernde als Maßstab der Trauerbewältigung
5.3.2.2. Die Beziehung zwischen Trauernden und Begleitenden in Einzelberatung und Trauergruppe
5.3.2.3. Förderung der Realisierung des Todes
5.3.2.4. Der Umgang mit Emotionen und Gedanken in der Trauerbegleitung
5.3.2.5. Die Beziehung zwischen Trauernden und Verstorbenen
5.3.2.6. Die Beziehung zwischen Trauernden und sozialer Umwelt
5.3.2.7. Anpassung zwischen Verlust- und Wiederherstellungsorientierung
5.3.2.8. Ressourcenaktivierung mit Trauernden
5.3.2.9. Die Sinnperspektive im Trauerprozess
5.3.2.10. Besonderheiten in der Begleitung trauernder Kinder und Jugendlicher
5.3.3. Abschlussplanung zur konkreten Umsetzung
Die Arbeit untersucht, inwieweit Trauer beim Tod nahestehender Menschen eine spezifische Herausforderung für die Soziale Arbeit darstellt. Dabei wird das Ziel verfolgt, ein sozialarbeiterisches Handlungskonzept zu entwerfen, das auf theoretischen Trauerverständnismodellen aufbaut und methodische Ansätze für die Trauerbegleitung und -beratung integriert.
1. Einleitung
„Trauer ist regelmäßig die Reaktion auf den Verlust einer geliebten Person oder einer an ihre Stelle gerückten Abstraktion wie Vaterland Freiheit, ein Ideal usw..“ Und da es kein Leben ohne solche Verluste gibt, ist Trauer eine zutiefst lebendige Erfahrung. Zumal Trauer eben nicht auf den Verlust nahe stehender Menschen beschränkt ist, sondern alle wesentlichen Verlusterfahrungen, die sich auf einen bedeutsamen Wert beziehen, zum Beispiel den Tod liebgewonnener Tiere, den Verlust von Körperteilen, den Verlust des Berufs, den Verlust von Status oder materiellen Gütern, umfasst. Und auch der Verlust von Menschen geschieht nicht nur durch Tod, sondern ereignet sich bei Beziehungsabbrüchen jeder Art, etwa bei Scheidung, Trennung oder unüberwindbarer Entfernung. Die nachfolgenden Ausführungen zum Thema „Trauer beim Tod eines nahe stehenden Menschen“ sind deshalb, unter Berücksichtigung von Besonderheiten natürlich, auf andere Verlusterfahrungen übertragbar. Zusätzliche Vielfalt gewinnt Trauer dadurch, dass sie als weltweites Phänomen kulturell sehr unterschiedliche Ausdrucksformen annimmt. In dieser Arbeit wird es allerdings explizit nur um Trauer beim Tod nahe stehender Menschen gehen und zwar speziell als Herausforderung für die Soziale Arbeit. Dementsprechend wird die Ausarbeitung im Wesentlichen auf Trauer im westlich-europäisch geprägten Kulturkreis beschränkt sein.
Wer im Rahmen seines Berufsalltags oft mit Menschen zusammenkommt, wird zwangsläufig Trauernden begegnen. Nicht nur in der Arbeit mit alten Menschen, denen oft Angehörige oder Freunde sterben, sondern in allen Arbeitsfeldern Sozialer Arbeit ist mit Trauer zu rechnen. Denn überall, wo Menschen sind, kann es zum Verlust des Partners, der Kinder, Eltern, Geschwister, Großeltern, Freunde kommen. Besondere Umstände können den Verlust prägen: langandauerndes, schmerzhaftes Sterben, plötzliches Sterben bei einem Unfall, nach langer Krankheit, nach Gewalttaten, Katastrophen, Plötzlichem Kindstod, Fehlgeburten oder Abtreibungen, Tod nach Alkohol- oder sonstigem Drogenkonsum, bei einem Suizid oder Tod im Zusammenhang psychischer Erkrankungen.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Trauer ein, definiert den Fokus auf den Verlust nahestehender Menschen und begründet die Relevanz der Thematik für die Soziale Arbeit.
2. Trauer - Ihr Erscheinungsbild anhand typischer Reaktionen: Dieses Kapitel systematisiert das komplexe Erscheinungsbild von Trauer in emotionale, kognitive, somatische, wahrnehmungsbezogene und verhaltensbezogene Reaktionsmuster.
3. Explikatorische Modelle zur Entstehung von Trauer: Hier werden zentrale theoretische Erklärungsansätze, wie die Psychoanalyse, Bindungstheorie und Kognitive Stress-Theorie, kritisch hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Trauerbegleitung diskutiert.
4. Der Trauerprozess: Dieses Kapitel betrachtet den zeitlichen Verlauf der Trauer durch verschiedene Phasen- und Aufgabenmodelle sowie die Spezifika komplizierter Trauer und besonderer Verlustkonstellationen.
5. Eine Herausforderung für die Soziale Arbeit?: Der Hauptteil der Arbeit klärt, ob Trauer ein soziales Problem darstellt und wie Soziale Arbeit methodisch, etwa durch lösungsorientierte Beratung, spezifische Unterstützung für Betroffene bieten kann.
Trauer, Soziale Arbeit, Trauerbegleitung, Trauerprozess, Bindungstheorie, Verlustbewältigung, Kognitive Stress-Theorie, Sinnrekonstruktion, Psychosoziale Unterstützung, Beratung, Komplizierte Trauer, Ressourcenaktivierung, Suizid, Krisenintervention, Systemische Perspektive.
Die Diplomarbeit untersucht die Bedeutung und Herausforderungen des Themas "Trauer beim Tod nahestehender Menschen" speziell aus der Perspektive und für die Praxis der Sozialen Arbeit.
Zentrale Themen sind die theoretischen Erklärungsmodelle zur Entstehung von Trauer, der Verlauf des Trauerprozesses und die methodische Ausgestaltung sozialarbeiterischer Trauerbegleitung.
Das Ziel ist die Erarbeitung eines sozialarbeiterischen Handlungskonzepts, das auf einer reflektierten Auseinandersetzung mit der Trauerforschung basiert.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und -synthese unterschiedlicher psychologischer und sozialwissenschaftlicher Theorien zur Trauer und deren Anwendung in der Beratungspraxis.
Der Hauptteil analysiert verschiedene Trauermodelle, die Besonderheiten von Trauerprozessen (auch bei speziellen Verlustkonstellationen) und diskutiert, warum Trauerbegleitung eine originäre Aufgabe der Sozialen Arbeit sein kann.
Neben dem Kernbegriff Trauer sind dies Trauerbegleitung, Soziale Arbeit, Verlustbewältigung, Bindungstheorie und systemische Beratung.
Die Arbeit betont, dass Soziale Arbeit eine eigenständige Qualität besitzt und nicht lediglich als "hilfsweise" Therapieform auftreten sollte, sondern Trauer als soziales Problem mit einem multidimensionalen Ansatz bearbeitet.
Während Psychotherapie auf die Behandlung klinischer Störungen fokussiert, integriert die Soziale Arbeit psychische Aspekte mit lebensweltlichen Hilfen, Ressourcenaktivierung und der Bewältigung sozialer Folgeprobleme des Verlustes.
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