Magisterarbeit, 2007
70 Seiten, Note: 1,3
0. EINLEITUNG
1. HINTERGRUND
1.1. ZUR FORSCHUNG
1.2. POETOLOGISCHE VERFAHREN
1.3. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN
1.3.1. schön / Schönheit
1.3.2. hässlich / Hässlichkeit
1.3.3. Resümee und Ausblick
1.4. EXKURS: ÄSTHETIK – DAS SCHÖNE, DAS ERHABENE, DAS HÄSSLICHE
1.5. SCHÖNHEIT – WEIBLICHKEIT – BEGEHREN
1.6. HÄSSLICHKEIT – MÄNNLICHKEIT – BEGEHREN
2. HÄSSLICHE FRAUEN IN DER LITERATUR DES 19. (UND BEGINNENDEN 20.) JAHRHUNDERTS
2.1. BRIGITTA
2.1.1. Schönheit und Hässlichkeit
2.1.2. Leidenschaft und Zähmung
2.1.3. Versöhnung
2.1.4. Resümee
2.2. VICTOIRE
2.2.1. Schönheit und Hässlichkeit
2.2.2. Fontane und Rosenkranz
2.2.3. Cross Dressing
2.2.4. Resümee
2.3. DUNJA
2.3.1. Hässlichkeit
2.3.2. Phantasma
2.4. MARTHA
2.4.1. Hysterie
2.4.2. Tod
2.5. RESÜMEE
3. SCHLUSS
Die Arbeit untersucht das Motiv der hässlichen Frau in der deutschsprachigen Literatur des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Ziel ist es zu analysieren, wie dieses Motiv die etablierte Trias aus Schönheit, Weiblichkeit und männlichem Begehren aufbricht und inwieweit dadurch neue Möglichkeiten für Geschlechterrollen und Identitätsentwürfe außerhalb normativer Vorgaben entstehen.
1.2. Poetologische Verfahren
Das Empfinden darüber, was schön oder hässlich ist, hängt ab vom Geschmack des Betrachters. Schwierig ist es, Schönheit und Hässlichkeit in schriftlicher Form darzustellen. Es reicht nicht aus, eine Figur als „schön“ zu bezeichnen. Um zu verstehen, warum Schneewittchen sterben muss, ist es notwendig, zu begreifen, wie schön das Mädchen ist. Die Brüder Grimm vertrauen dabei auf Komparativ und Superlativ („Frau Königin, Ihr seid die schönste hier, aber Sneewittchen ist tausendmal schöner als ihr.“) sowie bildhafte Vergleiche („so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz“). Doch erweisen sich diese Beschreibungsmittel als wenig aussagekräftig.
Barthes unterscheidet zwischen der Darstellbarkeit des Schönen und des Hässlichen, ohne näher auf das Hässliche einzugehen. Die Beschreibung des Hässlichen kann z.B. in Form einer Abweichung, einer Entstellung oder eines Mangels erfolgen. Doch es treten auch hier Schwierigkeiten auf, das richtige Maß dabei zu finden, ohne eine Figur komisch, langweilig oder bemitleidenswert erscheinen zu lassen.
Schönheit oder Hässlichkeit kann auch durch eine dargestellte Reaktion erkennbar werden. Anders als die bildende Kunst, die eine schöne oder hässliche Gestalt sichtbar machen muss, kann die Literatur durch die Reaktionen anderer Figuren vorführen, wie schön oder hässlich das Gegenüber ist. Damit wird Hässlichkeit zu einem Phänomen, dessen Wirkung auf den Leser übertragbar werden soll. So äußert sich der Effekt großer Schönheit häufig in Form von Sprachlosigkeit, Liebe oder Begehren, während Hässlichkeit zu Ablehnung oder Peinlichkeit, also negativen Gefühlen, führen kann.
0. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das Forschungsthema ein, hinterfragt die Konstruktion der "schönen Frau" und stellt die vier primären Primärtexte vor, an denen das Motiv der hässlichen Frau untersucht wird.
1. HINTERGRUND: Dieses Kapitel verortet das Thema in der Forschung, diskutiert poetologische Verfahren der Beschreibung und setzt sich intensiv mit der philosophischen Ästhetik sowie der Verknüpfung von Schönheit, Weiblichkeit und Begehren auseinander.
2. HÄSSLICHE FRAUEN IN DER LITERATUR DES 19. (UND BEGINNENDEN 20.) JAHRHUNDERTS: Der Hauptteil analysiert detailliert die Darstellung hässlicher Protagonistinnen in den Werken von Stifter, Fontane, Mann und Saar und untersucht deren jeweiliges Potenzial zur gesellschaftlichen Identitätsneubestimmung.
3. SCHLUSS: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und verdeutlicht, wie das Motiv der hässlichen Frau in den untersuchten Werken mal als Wegbereiter für neue Geschlechtermodelle, mal als Ziel männlicher Angst vor Emanzipation fungiert.
Hässlichkeit, Schönheit, Literatur des 19. Jahrhunderts, Geschlechtermodelle, Weiblichkeit, männliches Begehren, Ästhetik, Edmund Burke, Identitätskonstruktion, Realismus, Emanzipation, Poetologie, Körperlichkeit, Rollenbilder, Literaturwissenschaft.
Die Arbeit analysiert die Darstellung und Funktion hässlicher weiblicher Protagonistinnen in literarischen Texten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als Mittel, um normierte Rollenbilder und Schönheitsideale zu hinterfragen.
Zu den Kernbereichen zählen die philosophische Ästhetik, die soziokulturelle Konstruktion von Weiblichkeit, die Funktion des männlichen Blicks auf den weiblichen Körper sowie die Darstellung von Emanzipationsbestrebungen in der Literatur.
Das Ziel besteht darin aufzuzeigen, wie das literarische Motiv der hässlichen Frau die traditionelle Einheit von Schönheit, Weiblichkeit und männlichem Begehren aufbricht und so den Raum für alternative Identitätsentwürfe und Geschlechterordnungen öffnet.
Die Untersuchung basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Diskursanalyse, die insbesondere ästhetische Theorien (wie die von Edmund Burke oder Karl Rosenkranz) mit den literarischen Texten in Beziehung setzt.
Im Hauptteil werden vier spezifische Texte (Stifters *Brigitta*, Fontanes *Schach von Wuthenow*, Manns *Gerächt* und Saars *Sappho*) chronologisch analysiert, um die Entwicklung des Motivs und die unterschiedlichen Reaktionen der Autoren darauf aufzuzeigen.
Schlüsselbegriffe wie Hässlichkeit, Schönheit, Geschlechtermodelle, männliches Begehren, Emanzipation und Identitätskonstruktion stehen im Zentrum der Untersuchung.
Bei Stifter wird Hässlichkeit oft durch innere sittliche Schönheit kompensiert, um eine neue Form der Partnerschaft (Kameradschaft) zu ermöglichen, während sie bei Mann eher als Bedrohung für das männliche Subjekt und dessen Idealvorstellungen gerahmt wird.
Es bezeichnet einen Vorgang, bei dem Victoire durch ein Namensspiel mit dem männlich konnotierten "Mirabeau" eine performative Auflösung traditioneller Geschlechterrollen initiiert, was wiederum das Begehren des Protagonisten Schach beeinflusst.
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