Magisterarbeit, 2003
72 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
1.1. Das Konzept der empirischen Forschung und Auswahlkriterien der Probanden
1.2. Das Konzept des zweiten Teils der empirischen Forschung
II. Einführung in die Problematik der Stereotype und Vorurteile
2.1. Terminologische Abgrenzung: „Stereotyp“ und „Vorurteil“
2.2.1. Vorurteil. Begriffserklärung
2.2.2. Analyse des Vorurteils
2.2.3. Funktionen von Vorurteilen
2.3.1. Stereotyp. Begriffserklärung
2.3.2. Analyse des Stereotyps. Der Lippmann’sche Stereotypenansatz
2.3.3. Funktionen von Stereotypen
III. Erster Teil der empirischen Forschung: Umfragen
3.1. Umfrage Nr. 1: Aspekte des Lebens in Polen (freie Antworten)
3.2.1. Erläuterung zu den Umfragekategorien
3.2.2. Assoziationskategorie 1: Stereotype und Vorurteile
3.2.3. Assoziationskategorie 2: Geschichte
3.2.4. Assoziationskategorie 3: Alltagsleben
3.2.5. Assoziationskategorie 4: Charaktereigenschaften
3.2.6. Assoziationskategorie 5: politische Situation
3.2.7. Assoziationskategorie 6: Religion
3.2.8. Assoziationskategorie 7: Universitätssystem
3.2.9. Zusammenfassung
3.3.1. Umfrage Nr. 2: polnische Charaktereigenschaften
3.4.1. Umfrage Nr. 3: Aspekte des Lebens in Polen (standarisierter Fragebogen)
IV. Zweiter Teil der empirischen Forschung: Interviews
4.1. Interviews mit Deutschen
4.1.1. Interview 1: Corina Ludwig
4.1.2. Interview 2: Susanne Kramer-Drużycka
4.1.3. Interview 3: Claudia Frehse
4.2. Interviews mit Spaniern
4.2.1. Interview 1: Roberto Gonzalez
4.2.2. Interview 2: Alberto Cerezo Soto
4.2.3. Interview 3: Conchi Martinez Soto
4.2.4. Interview 4: Oliver Alba
4.2.5. Erläuterung zu den durchgeführten Interviews
V. Fazit
Das Hauptziel dieser wissenschaftlichen Arbeit besteht darin, die Diskrepanz zwischen allgemein verbreiteten Stereotypen und der Realität eines fremden Landes aufzuzeigen. Durch eine empirische Untersuchung mit deutschen und spanischen Studenten in Polen wird analysiert, wie sich Vorurteile durch unmittelbare Konfrontation und persönliche Erfahrungen im interkulturellen Kontext relativieren und abbauen.
2.2.2. Analyse des Vorurteils
Nach Alexander Mitscherlich [deutscher Arzt und Psychoanalytiker, Direktor des Sigmund-Freud-Instituts (Frankfurt1959-1976)] lassen sich die Vorurteile als Teil des psychischen Vorgangs verstehen, in dem die Triebe ihre Befriedigung finden: „In den psychodynamischen Vorgängen sind Vorurteile dadurch ausgezeichnet, dass die in ihnen vermittelten Vorstellungen Besetzungsenergie auf Dauer an sich binden vermögen.“13 Ein zentraler psychodynamischer Vorgang bei der Entstehung und Fixierung von Vorurteilen besteht darin, dass mit Hilfe der Fremderniedrigung eine Selbstidealisierung vorgenommen wird.14 Dabei ist der libidinöse Triebanteil stark beteiligt.
Für Mitscherlich ist also die Entstehung der Vorurteile ein psychischer Vorgang, in dem die libidinösen Triebanteile stark beteiligt sind: „Mit Vorurteilen wird die passive Anpassung nach der sozialen Umwelt hin in den von ihr geschrieenen Formen der Triebäußerung vollzogen.“15 Mitscherlich analysiert hier das Wesen der Anpassungsform, bei der man sich meistens auf Konventionen, Sitten und Erfahrungen der andern Personen beruft, ohne sie in Frage zu stellen. Dies ist mit einem inneren Bedürfnis verbunden, das den Menschen dazu zwingt, die Realität als überzeugend und evident zu erleben. Mit der Annahme und Übernahme von Einstellungen, die von Vorurteilen bestimmt sind, erreicht man das vereinfachte Bild der komplexen Realität als „eine Welt mit Evidenzcharakter.“16 Das Verdrängen des primären Narzismus und die im Menschen heraustretenden Triebe zwingen ihn dazu, sich an soziale Normen und Werturteile anzupassen. In diesem Prozess wird das Ich des Individuums mit Kontrollfunktionen über die Triebwünsche belastet.
I. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Stereotypenforschung ein und stellt die Thesen auf, dass Stereotype psychologisch unvermeidbar sind, aber durch unmittelbare Erfahrungen abgebaut werden können.
II. Einführung in die Problematik der Stereotype und Vorurteile: Dieser theoretische Teil definiert und unterscheidet die Begriffe „Stereotyp“ und „Vorurteil“ unter Rückgriff auf soziologische und psychoanalytische Ansätze.
III. Erster Teil der empirischen Forschung: Umfragen: Hier werden Ergebnisse von anonymen Umfragen präsentiert, in denen deutsche und spanische Studenten verschiedene Aspekte des Lebens in Polen bewerten.
IV. Zweiter Teil der empirischen Forschung: Interviews: Vertiefende qualitative Interviews mit Studenten und Lektoren veranschaulichen die individuellen Veränderungsprozesse in der Wahrnehmung Polens.
V. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass persönliche Kontakte und der direkte Austausch wesentlich dazu beitragen, starre Klischees durch differenzierte, realistische Bilder eines fremden Landes zu ersetzen.
Stereotype, Vorurteile, Polen, interkulturelle Verständigung, empirische Sozialforschung, Wahrnehmung, Erasmus, Psychologie, Soziologie, Klischees, Gastfreundschaft, Identität, Integration, Kulturvergleich, Bildungssystem.
Die Arbeit untersucht, wie deutsche und spanische Erasmus-Studenten das Leben in Polen wahrnehmen und ob sich dabei bestehende Vorurteile durch ihren Aufenthalt im Land verändern.
Neben den theoretischen Grundlagen zu Stereotypen und Vorurteilen stehen die Wahrnehmung von Politik, Religion, Alltagsleben und dem Universitätssystem in Polen im Fokus.
Das Ziel ist der Nachweis, dass zwischen bekannten Stereotypen und der Realität eines fremden Landes eine Diskrepanz besteht, die durch direkte Konfrontation abgebaut werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen empirischen Forschung, die sich aus zwei Komponenten zusammensetzt: schriftlichen Umfragen und leitfadengestützten Interviews.
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Auswertung der erhobenen Umfragedaten und Interviewtranskripte, unterteilt in verschiedene Kategorien wie Geschichte, Alltagsleben und Charaktereigenschaften.
Zentrale Begriffe sind Stereotype, Vorurteile, interkulturelle Verständigung, Polen, Identität und kulturelle Wahrnehmung.
Die Wahl begründet sich durch den Kontrast in der geografischen Lage und die unterschiedliche Intensität der historischen Kontakte Polens zu diesen beiden Ländern.
Die Psychoanalyse dient als theoretischer Rahmen, um die Entstehung unbewusster psychischer Vorgänge zu erklären, die der Bildung und Festigung von Vorurteilen zugrunde liegen.
Die Arbeit zeigt, dass Spanier oft weniger vorgefertigte Meinungen haben, während Deutsche teilweise tief verankerte, eher kritische Stereotype über Polen besitzen, die jedoch durch den Aufenthalt in der Realität korrigiert werden.
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