Bachelorarbeit, 2019
78 Seiten, Note: 1,6
1. Einleitung
2. Historische Kontextualisierung
2.1. Gandersheim
2.2. Leben, Wirken und Werke der Hrotsvit von Gandersheim
3. Primärtextanalyse: Figurenkonstellation
3.1. Effrem
3.2. Abraham
3.2.1. Brautvermittlung: Abraham der Oheim
3.2.2. Tat und Täter
3.2.2.1. Traum und Vorahnung
3.2.3. Bekehrung im Bordell
4. Interpretation: Unmarkierte Heiligkeit
4.1. Heiligkeit
4.2. Markiertheit und Hierarchie
4.3. Unmarkierte Heiligkeit: Familie
4.4. Unmarkierte Heiligkeit: Geschlecht
4.5. Unmarkierte Heiligkeit: Räume
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Drama Abraham von Hrotsvit von Gandersheim mit dem Ziel, die Diskrepanzen familiärer, geschlechtlicher und räumlicher Hierarchien im Kontext weiblicher Heiligkeitskonzepte des Mittelalters aufzudecken und zu dekonstruieren.
3. Primärtextanalyse: Figurenkonstellation
Weil es sich bei Abraham um ein Drama und nicht um ein prosaisches Werk handelt, wird den Figurenkonstellationen und den Sprechakten der Figuren eine immense Bedeutung beigemessen, denn „[d]ie Binnenkommunikation der Figuren im Abraham ist fingierte Mündlichkeit und im Sinne der aristotelischen Mimesis lebensweltlicher Kommunikation nachgebildet“. Außerdem ist es der Gattung des Dramas geschuldet, dass dem Lesenden Vorwissen über soziale und theologische Skripte vorausgesetzt werden. Für die folgende Analyse bedeutet das jedoch auch, dass dementsprechend frühmittelalterliche Lebenswirklichkeiten in Bezug zu Hierarchie und Heiligkeit retrospektiv vermutet werden können. Die Figurenkonstellation, sowie charakterliche und geschichtliche Zusammenhänge, können ausschließlich durch den Haupttext, also der Figurenrede und dem spärlichen Nebentext entnommen werden. Sie dienen als Grundlage der Analyse.
Die Überrepräsentation männlicher Figuren in Hrotsvit’s Drama Abraham ist auffallend. Insgesamt fünf männliche Figuren stehen der einzigen weiblichen Figur, Maria, gegenüber. Dabei wird nicht nur der geschlechtliche Unterschied deutlich, sondern gerade die hierarchische Diskrepanz, die die Figuren (re-)produzieren; da ist zunächst Effrem, der Freund des Abraham der mit ihm gemeinsam Maria überzeugen möchte, dass ein Leben als Gemahlin Gottes in der Einsamkeit ihrem Namen gerecht würde. Da ist der ominöse Eindringling und Buhler, der angeblich verkleidet in Marias Kammer eindringt und ihre Flucht provoziert, der Wirt der sie als Prostituierte bei sich im Wirtshaus arbeiten lässt und schließlich Abraham, der Onkel Marias, der sich der Verantwortung stellt seine Nichte zu erziehen, sie bei sich leben lässt und nach ihrem Ausbruch aus der Kammer schließlich retten möchte.
1. Einleitung: Einführung in das Spannungsfeld von Keuschheit, Sexualität und Religion anhand des Dramas Abraham.
2. Historische Kontextualisierung: Einordnung der Autorin Hrotsvit von Gandersheim in den historischen und kulturellen Kontext des Stiftes Gandersheim.
3. Primärtextanalyse: Figurenkonstellation: Detaillierte Untersuchung der handelnden Figuren Effrem und Abraham sowie ihrer rhetorischen und sozialen Einwirkung auf die Protagonistin.
4. Interpretation: Unmarkierte Heiligkeit: Theoretische Auseinandersetzung mit den Konzepten von Heiligkeit, Hierarchie, Familie, Geschlecht und Raum im Drama.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Einordnung von Hrotsvits Werk in den feministischen Diskurs der Mittelalterforschung.
Hrotsvit von Gandersheim, Abraham, Mittelalter, Heiligkeit, Geschlechterhierarchie, Feminismus, Figurenkonstellation, Maria, Bekehrung, Topologie, Raumtheorie, Patriarchat, monastische Literatur, Inzesttabu, Identitätswechsel
Die Arbeit untersucht das Drama Abraham der mittelalterlichen Dichterin Hrotsvit von Gandersheim hinsichtlich der dort dargestellten Machtverhältnisse und Hierarchien.
Die zentralen Felder sind die Rolle der Frau im Mittelalter, die literarische Konstruktion von Heiligkeit sowie die Analyse von Geschlechter- und Raumbeziehungen.
Die Autorin geht der Frage nach, wie familiäre, geschlechtliche und räumliche Hierarchien im Drama Abraham konstruiert sind und inwieweit diese durch die Bekehrung der Protagonistin Maria dekonstruiert werden.
Es wird eine primärtextanalytische Untersuchung durchgeführt, die literaturwissenschaftliche Theorien, insbesondere Ansätze der Raumtheorie und der Poststrukturalismus-Analyse, einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Figurenkonstellation und eine systematische Interpretation von Begriffen wie Heiligkeit und markierter Hierarchie.
Wichtige Begriffe sind Hrotsvit von Gandersheim, Heiligkeit, Geschlechterhierarchie, Raumtheorie, Feminismus und das Drama Abraham.
Das Fenster fungiert als topologisches Motiv, das als Grenze zwischen heiligem Innenraum (Kloster/Kammer) und profanem Außenraum (Welt/Bordell) dient und somit die Liminalität der Protagonistin visualisiert.
Er beschreibt die These, dass Heiligkeit bei Hrotsvit nicht zwangsläufig an dominante, hierarchisch "markierte" Orte oder Personen gebunden ist, sondern oft in überraschenden, vermeintlich sündhaften Kontexten entstehen kann.
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